Am 19. Juni geht es für das Projekt Hagnau/Schänzli um alles oder nichts. Dann entscheidet die Muttenzer Gemeindeversammlung über drei Quartierpläne, die grünes Licht für das Jahrhundertvorhaben geben sollen. Auf dem Hagnau-Areal, östlich des St. Jakob-Parks, sind fünf Hochhäuser mit bis zu 78 Metern Höhe geplant. Und dort, wo jetzt die Pferderennbahn Schänzli ist, soll die Birs entlang eines Parks natürlich daherfliessen. Es geht um 700 Arbeitsplätze und 630 Wohnungen.

Der Planungsperimeter ist 155 000 Quadratmeter gross, das entspricht rund 22 Fussballfeldern. Solche Dimensionen sind für die Region einzigartig. «Es gibt zwei Varianten», sagt Gemeinderat Thomi Jourdan (EVP). «Entweder die Gemeindeversammlung sagt Ja zu unserem Projekt; oder es geschieht über viele Jahre hinweg im Gebiet Hagnau-Schänzli gar nichts.» Und er macht klar, dass der Gemeinderat nichts unversucht lässt, damit der Souverän sich für die erste Variante entscheidet. Das tut er nicht etwa, indem er das Projekt kleinredet – im Gegenteil. Die Botschaft an die Stimmberechtigten soll lauten: Das Projekt ist riesig, hochkomplex, breit abgestützt und bis ins letzte Detail durchdacht.

«Noch nie so viel geplant»

«So viel geplant wie bei diesem Projekt haben wir noch nie», sagt Jourdan. Als Beispiel nennt er das Freiraumkonzept, das vier Mal überarbeitet worden ist. «Und an der Position der Bauten haben wir stundenlang herumstudiert.» 70 Sitzungen und unzählige Info- und Beteiligungsveranstaltungen habe es gegeben, mit Verbänden, Landeigentümern, Investoren, Kommissionen und der Bevölkerung. Die umliegenden Gemeinden, den Kanton Basel-Stadt, das Bundesamt für Strassen, die Umweltverbände, Heimatschutz: sie alle hat der Gemeinderat eingebunden. Auch der Kanton hat sein grünes Licht gegeben. Denn Muttenz, das macht Jourdan klar, hat den Anspruch, sich nicht nur für sich selber zu entwickeln. «Wir wollen zusammen mit der Region etwas bewegen», sagt Jourdan.

Bezüglich Kosten verspricht die Gemeinde ein «Nullsummenspiel», sagt Jourdan. «Unsere Berechnungen dazu würden ein ganzes Buch füllen.» Das Prinzip lautet: Die Mehrwertabgabe der privaten Investoren auf der Hagnau soll die Kosten für den Schänzli-Park decken. Vier Millionen Franken jährlich sollen die neuen Bewohner in Form von Steuern der Gemeinde bringen. Der Gemeinderat verheimlicht nicht, dass Wohlhabende in die Hochhäuser ziehen sollen. Gemeindeversammlungen entscheiden oft emotional, das weiss auch der Muttenzer Gemeinderat. Er hält mit einer Informationsoffensive dagegen. Zusätzlich zu den umfassenden Gemeindeversammlungsunterlagen gibt es eine Webseite, in allen Muttenzer Haushalten landete zudem eine bunte Broschüre. Und am 19. Juni will Jourdan die Stimmbürger 40 Minuten lang überzeugen, etwa mit Visualisierungen zu Schattenwurf und Lärm.

Letztes Jahr, als die Pläne erstmals präsentiert wurden, seien manche Muttenzer angesichts der Dimensionen der Bauten «in Schockstarre» geraten. «Seither haben wir die Leute auf unsere Reise mitgenommen.» Wer sich an der Mitwirkung beteiligt habe, verstehe, was der Gemeinderat mit Hagnau/Schänzli vorhabe.

Trotzdem, das weiss auch Gemeindepräsident Peter Vogt (CVP), bleibt die Gemeindeversammlung unvorhersehbar. «Wir wissen natürlich nicht, wer kommt.» Jourdan hat sich zum Ziel gesetzt, dass keine Frage zu Hagnau/Schänzli offen bleibt. Man dürfe durchaus das Projekt schlecht finden, sagt er, «aber man soll das aufgrund von Fakten tun.»