Beim Bundesratsfoto läuft es so: Der Bundespräsident oder die Bundespräsidentin bestimmt Fotograf und Motiv, danach gibts ein mehr oder weniger aufwendiges Shooting. Immer pünktlich per Anfang Jahr ist der neue offizielle Helgen da.

Das neue Bundesratsfoto 2017

Das neue Bundesratsfoto 2017

In den Gemeinden läuft es so: Der Gemeindepräsident oder die Gemeindepräsidentin eröffnet irgendwann den Kollegen, dass man bald einmal zusammen posieren müsse. Es existiere noch kein Foto in der aktuellen Zusammensetzung, das brauche es aber, für die Homepage. Erst kürzlich habe das Sekretariat wieder reklamiert. Der Verwalter wird angewiesen, doch bitte seine Kamera mitzubringen an der nächsten Sitzung. Ist es dann soweit, geht er mit der versammelten Exekutive nach draussen, gruppiert sie vor einem Motiv, das für passend erachtet wird, und drückt ab. Seltener gibt’s Innenaufnahmen. Dann schickt der Verwalter das Foto an die IT und hat sein Werk getan.

Das war einmal. Zumindest in den grossen Baselbieter Gemeinden. Deren Führungsgremien wollen sich immer häufiger ins beste Licht rücken. So, wie es der Bundesrat schon lange tut. Oder die Kantonsregierungen. Auch die haben aufgerüstet, fototechnisch.

Wer sich durch die Gemeinde-Websites klickt, dem stechen die Aufnahmen aus Pratteln und Münchenstein ins Auge. Rasch wird dem Betrachter klar: Da war ein Profi am Werk. Doch auch in Reinach wurde extra ein Fotograf bestellt, wie Barbara Hauser schreibt. «Wenn immer möglich», schreibt die Leiterin Kommunikation, «möchte ich gerne Bilder bekommen, die zu Reinach als moderner aufgeschlossener Gemeinde passen – also keine 0815-Bilder.» Eigentlich sei das Gemeindehaus als Hintergrund vorgesehen gewesen, das Wetter habe aber nicht mitgespielt.

Weltraumbahnhof und Wild West

Nicht im Treppenhaus, sondern vor dem alterwürdigen Schloss posiert der Prattler Gemeinderat. Präsident Stephan Burgunder und seine glorreichen Sieben (inklusive Verwalter) verliessen sich aufs Gespür ihrer Kommunikationsverantwortlichen Sandra Meier. Es sei ihre Idee gewesen, teilt sie mit. Eine Kleiderordnung habe es aber keine gegeben. «Nur ein Jackett musste sein.»

Weniger Wild West, eher die Raumstation Orion hatte wohl das Münchensteiner Gremium im Kopf, als es sich im Dreispitz ablichten liess. Die Botschaft: Kapitän Lüthi und seine Crew steuern das Raumschiff Münchenstein sicher durch die stetig kleiner werdenden Weiten des Boom-Quartiers.

Die meisten anderen Gemeinden bleiben beim Hemdsärmeligen. Und dann gibt es solche, die haben gar kein Gruppenfoto aufgeschaltet. Etwa Muttenz. Man sei noch nicht dazu gekommen, heisst es auf Anfrage. Therwil wiederum lässt verlauten, man knipse jeweils nach den Wahlen ein Siegerbild für die «News». Das aktuelle sei irgendwann verschwunden. Bewerbungen von Fotografen nehme man aber gerne entgegen.