«In unserer Produktion haben wir zwei Schwerpunkte, der grössere ist die Fabrikation von historischen Blechblasinstrumenten: Posaunen, Hörner und Trompeten aus den Epochen der Renaissance, des Barock, der Klassik und der Romantik.

Bei den Nachbauten von historischen Instrumenten arbeiten wir fast alle Teile aus dem Rohmaterial heraus. Verwendet werden dafür verschiedene Sorten von Messing, auch Speziallegierungen, die im Handel nicht ohne weiteres erhältlich sind und die auch minime Anteile von anderen Metallen aufweisen.

Wir nennen sie Nürnberger beziehungsweise Französisches Blech. Das Nürnberger Blech entspricht bezüglich Zusammensetzung weitgehend den Analyseergebnissen, welche die Eidgenössische Materialprüfungs- und Forschungsanstalt bei Barockinstrumenten aus Nürnberg gemessen hat. Nürnberg war damals die Hochburg im Blechblasinstrumentenbau. 

Das Material ist das Billigst

Beide Blecharten gehen aus einem Forschungsprojekt der Musikhochschule Bern hervor, an dem unsere Firma als Praxispartnerin beteiligt war. Es war nicht einfach, Firmen zu finden, die solche Legierungen noch herstellen können.

Aber sowohl unsere Kunden als auch wir selbst sind beeindruckt davon, wie deutlich sich die Charakteristik eines Instruments verändert, wenn es aus einer ‹alten› Legierung hergestellt wird.

An sich ist sonst das Material das Billigste am Instrument – teuer ist die Arbeitszeit. Wir versuchen, Tradition und Innovation zu vereinen. Immer dort, wo es akustisch Sinn macht, sind wir sehr traditionell und bieten ‹historic›-Versionen an.

Dort, wo wir kostengünstiger produzieren können, greifen wir zu anderen, moderneren Mitteln, auch computergesteuerten Drehmaschinen, welche die Arbeitszeit massiv verringern und genauere Ergebnisse liefern. Mit den Maschinen stellen wir Drehteile her. Der grösste Teil, das ganze Rohrwerk, ist jedoch Handarbeit.

Der zweite wesentliche Anteil ist die Herstellung von modernen Trompeten und Flügelhörnern, vom hochwertigen Basisinstrument bis zu den Profimodellen; auch Piccolo-Trompeten und ein Posthorn haben wir im Programm, alle mit dem Markennamen Galileo.

All diese Modelle sind durch akustische Optimierungsarbeit ausgereift. Sorgfältige handwerkliche Verarbeitung ist auch hier die Voraussetzung für eine hohe Qualität.

Ebenfalls reparieren wir sämtliche Arten von Blechblasinstrumenten aller Marken. Mit unseren Leuten und unserer Infrastruktur können wir die Fertigstellung in der Regel in relativ kurzer Zeit anbieten.

Wir rüsten professionelle Orchester und Ensembles aus. Problematisch ist, dass Orchester schwinden, weil diese vom Staat stets weniger unterstützt werden. Allerdings sind diese dadurch auch gefordert, sich immer mehr zu profilieren, zum Beispiel mit dem Einsatz von Instrumenten aus der jeweiligen Zeit, aus der die Werke stammen.

Neben Orchestern sind Musikschulen, -hochschulen, Theater, Musiklehrer und Einzelmusiker unsere Kunden. Die Mund-zu-Mund-Propaganda ist für uns sehr wichtig. Und dennoch: Eigenschaften wie den Klang eines Instruments kann man zwar beschreiben, die Musiker müssen es aber ausprobieren können, selbst hören und spüren, wie ein Instrument tönt und sich spielen lässt.

Das Bolschoi-Theater beliefert

Unsere Produkte müssten wir eigentlich zu höheren Preisen verkaufen, als wir dies tun. Rechnen wir die immensen Herstellungskosten und berücksichtigen unsere Erfahrung, die dahintersteckt, sind unsere Instrumente zu billig.

Wir bewegen uns in einem weltweiten Markt und liefern beispielsweise nach Deutschland, Frankreich, Österreich, Skandinavien, in die USA, nach Japan, Australien und so weiter; sogar das Bolschoi-Theater in Moskau hat bei uns Instrumente gekauft.

Wenn wir sehen, dass wir uns in einer Nische bewegen, erscheint die ganze Welt als kleines Dorf. Bei den historischen Blechblasinstrumenten sind wir Marktführer. Bei den modernen Orchestertrompeten ist die Konkurrenz viel grösser.

Ein Wirtschaftsfachmann sagte mir einst: ‹Wenn es mal eng wird, spart man in den Billigsegmenten. Leute, die teure Produkte kaufen, haben immer noch Geld.› Dies trifft zwar gerade auf freischaffende Musiker sicher nicht immer zu, aber um Engagements zu bekommen, sind diese auch auf hochwerte Instrumente angewiesen.

Durch die Euro-Krise stellten wir deutliche Rückgänge bei den Aufträgen fest. Trotz der Aufgabe der Wechselkurs-Untergrenze sind die Aufträge aber wieder leicht angestiegen.

Offenbar wird die Qualität unserer Produkte, die durch unsere Forschungstätigkeit weiter gesteigert werden konnte, genügend geschätzt. Wir müssen heute mehr Öffentlichkeitsarbeit leisten als vor zehn Jahren – aber die Möglichkeiten, mit Marketing den Absatz zu steigern, sind begrenzt. Was wir machen, sind ja keine Massenprodukte.

Kopfteile für Fasnachtspiccolos

Neben Blechblasinstrumenten produzieren wir auch Kopfteile für Basler Fasnachtspiccolos. Entstanden ist diese Idee, weil wir auch andere Metallteile für Holzinstrumente herstellen.

Wir wussten: Wenn man das Rohmaterial hämmert und das Blech so verformt, wirkt sich das auf die Spielweise aus. Dadurch ergeben sich neue Möglichkeiten für den Spieler. Das war unsere Motivation. Wir haben auch Versuche mit Kopfstücken für Orchesterpiccolos gemacht, aber die Zeit fehlte bis jetzt, sich auch diesen intensiver zu widmen.

Blechblasinstrumentenbauer gehört in der Schweiz zu den Kleinstberufen. Berufsleute, die historische Instrumente herstellen und diese so produzieren wie wir, sind besonders rar. Derzeit bilden wir zwei Lehrlinge aus. Sie besuchen blockweise die Schule in Arenenberg im Thurgau. Die Ausbildung dauert vier Jahre.

Beruf wurde zur Berufung

Mein Vater hat das Geschäft 1940 gegründet. Wir hatten eine gute Vater-Sohn-Beziehung. Ich half schon früh mit im Betrieb. Dies war ausschlaggebend, dass ich bei ihm die Lehre absolvierte. Es wuchs in mir.

Der Beruf wurde für mich zur Berufung. Darüber bin ich froh. Ich hatte die Möglichkeit, mich zu entwickeln. Nach dem Tod meines Vaters 1972 habe ich das Geschäft übernommen. Es war wirtschaftlich keine einfache Zeit.

Damals wurden generell ausländische Instrumente importiert. Schweizer Fabrikate zu kaufen war nicht mehr üblich, weil im Ausland begonnen worden war, in Fabriken Instrumente mit guten musikalischen Qualitäten zu tieferen Preisen herzustellen.

Ich begann, mich intensiv mit Akustik auseinanderzusetzen. Ohne darüber Bescheid zu wissen und dieses Wissen in meiner Arbeit umzusetzen, hätte ich nicht bestehen können.

Derzeit sind wir ein Team von 17 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die sich elf Vollzeitstellen teilen. In der Freizeit spiele ich Bass-Tuba in einer Zunftmusik und in einem Quintett und helfe in Musikvereinen sowie in einem Amateur-Sinfonieorchester aus.»