Die Sonne strahlte über dem Oberbaselbiet, als sich am Sonntag Vertreter von Landwirtschaft, Branchenverbänden und der Bundesverwaltung zur diesjährigen Breitenhof-Tagung trafen. Im nationalen Steinobstzentrum ob Wintersingen konnte frohe Kunde verbreitet werden: Nach einem schwierigen 2017, in dem später Frost Kirschen und Zwetschgen hart zugesetzt hat, wird dieses Jahr deutlich besser. Doch am Horizont zeichnen sich bereits wieder dunkle Wolken ab.

Denn aller Widerstände zum Trotz hält der Bundesrat an seinen Plänen fest, die landwirtschaftliche Forschung von Agroscope am Standort im freiburgischen Posieux zu zentralisieren. Um die Betriebskosten zu senken und das Geld für die Wissenschaft einsetzen zu können, sollen mehrere der zehn Standorte sowie nach Schätzungen der Gewerkschaften bis zur Hälfte der 1200 Stellen gestrichen werden. Parlamentarier befürchten, dass davon auch der Breitenhof betroffen sein wird, wo sich die Forscher nicht nur mit neuen Kirschen- und Zwetschgensorten befassen, sondern auch Lösungen gegen Krankheiten und Schädlinge suchen.

«Bund löst Unsicherheiten aus»

Im Bundesparlament haben die Pläne einen Sturm der Entrüstung ausgelöst. Es hagelte Vorstösse. Gleich zwei Kommissionen wollen die Reorganisation sistieren lassen, bis zumindest die letzte Reorganisation abgeschlossen und ausgewertet ist.

Die Baselbieter Grünen-Nationalrätin Maya Graf hat dabei vor allem die Rettung des Zentrums Breitenhof im Auge, zu dessen Schicksal sich der Bundesrat bisher aber nicht äussern will. «Damit löst er grosse Unsicherheiten aus, statt Klarheit zu schaffen», kritisiert Biobäuerin Graf. Die Mitarbeitenden seien nicht informiert. «So läuft der Bund Gefahr, gute Forschende zu vergraulen.»

Immerhin sei die Forschungsanstalt Agroscope auch in Zukunft enorm wichtig: «Die Schweizer Landwirtschaft braucht eine gestärkte praxisnahe Forschung und standortgerechte Pflanzen- und Tierzüchtung, um nachhaltiger und ressourcenschonender zu werden und sich dem raschen Klimawandel anzupassen», betont Graf. So zeige etwa der Kampf gegen die Kirschessigfliege die Notwendigkeit für angewandte interdisziplinäre Forschung. Denn der Schweizer Markt sei zu klein, um Anreize für privatwirtschaftliche Forschungslösungen bieten zu können. «Ein Kahlschlag bei der öffentlichen Agrarforschung wäre deshalb komplett falsch», sagt Graf.

Zumindest für den Baselbieter Standort aber gibt es Grund zur Hoffnung, zeigen Recherchen der bz. Agroscope sei sehr daran interessiert, mit der geplanten Reorganisation die praktische Zusammenarbeit mit der Landwirtschaft sogar noch zu stärken. Geplant sei das über sogenannte Satelliten-Standorte, bestätigt die neue Agroscope-Direktorin Eva Reinhard: «Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass der Breitenhof ein solcher Satellit werden wird.»

Der Widerstand geht weiter

Dazu beigetragen hat auch ihr Besuch an der Breitenhof-Tagung. Sie sei sehr beeindruckt gewesen von den vielen Landwirten, die sich dort über die neusten Entwicklungen und die neusten wissenschaftlichen Erkenntnisse informieren liessen. «Genau solche Austausche, welche die wissenschaftlichen Resultate in die Praxis bringen, wollen wir fördern», sagt Reinhard.

«Zumindest diese Nachricht ist positiv», kommentiert Graf. Ansonsten hält die Agrarpolitikerin das Beharren des Bundesrats auf seine Sparpläne nach wie vor für falsch. Doch selbst in der Region sind die Meinungen geteilt: «Wir dürfen nicht überreagieren und uns allem Neuen verschliessen», findet Hansruedi Wirz. Der Präsident des Früchtezentrums Basel betont, dass sich die Landwirtschaft in stetem Wandel befinde. Da müsse sich auch Agroscope anpassen. Wichtig sei, dass die Forschungsanstalt auf die Anliegen der Landwirte eingehe. «Und ich finde die Strategie ‹Weniger Beton, mehr Forschung› grundsätzlich richtig», sagt Wirz, «auch wenn ich deswegen von einigen Bauernkollegen aufs Dach kriege.»