«Das wäre eine Schande für die BLT!», ereifert sich Thomas Meyer. Der 59-jährige Frenkendörfer will sich nicht damit abfinden, dass die Ära der Be-4/6-Trams in wenigen Tagen in der Region Basel für immer zu Ende gehen könnte.

Am 4. Januar werden die verbliebenen 13 Motorwagen der sogenannten «100er-Serie» in die serbische Hauptstadt Belgrad abtransportiert und den dortigen Verkehrsbetrieben übergeben.

Für die Weiterverwendung in Südosteuropa ist auch das Tram mit der Nummer 105 vorgesehen, das 2014 totalrevidiert und in das Originalgelb der ehemaligen Birseckbahn umgespritzt wurde.

Seither ist es im Andenken an die Vorgängerbahn der BLT zusammen mit dem blau-weissen Sänftenwagen der Birsigthalbahn als wohl auffälligstes 10er-Tram im regulären Liniendienst eingesetzt worden.

Für Meyer, der als Privatperson und begeisterter Tram-Historiker die Internetseite www.tramoldtimer-basel.ch betreibt, ist es nicht nachvollziehbar, weshalb ein solch wertvolles Fahrzeug ins Ausland verschenkt werden soll, anstatt es hier zu behalten.

Die 185 Freunde der Facebook-Seite «Erhalt Birseckbahn Be 4/6 105 in Basel» beweisen, dass Meyer mit seinem Ansinnen nicht alleine steht.

Sprung in die Moderne

Der 1972 in Dienst gestellte gelbe «105er» hat für alle regionalen Tramfreunde nicht nur wegen seiner Farbe eine ganz besondere Bedeutung. Er gehört zu jenen acht Be 4/6 der ersten Serie, welche die letzte serielle Fahrzeugbeschaffung der Birseckbahn darstellten, ehe diese 1974 in die Baselland Transport AG überging.

Für den öffentlichen Schienenverkehr in der Region bedeuteten die noch bei Schindler in Pratteln gebauten Fahrzeuge einen technologischen Sprung in die Moderne, hatten doch bis dahin die altertümlichen Tramkonstruktionen aus der Zeit des Ersten Weltkriegs das Bild der Vorortbahnen geprägt.

In Meyers Verständnis sollte es darum zwingend sein, dass zumindest ein Exemplar des Kult-Trams der Nachwelt erhalten bleibt. «Wenn 2020 das Trammuseum auf dem Dreispitz zum 125-jährigen Bestehen der BVB eingeweiht wird, wäre der ‹105er› nicht nur aufgrund seines jetzigen Zustands ein Glanzlicht der Sammlung, sondern auch wegen seiner historischen Bedeutung unverzichtbarer Bestandteil», erklärt Meyer.

Verhandlungen ohne Ergebnis

Tatsächlich stehen schon seit rund einem Jahr Vertreter des Basler Tramclubs, des Vereins Pro Birsigthalbahn und interessierte Privatpersonen mit genau dieser Absicht mit der BLT im Gespräch.

Allerdings ohne Erfolg. Zwar wiederholt BLT-Vizedirektor und Betriebsleiter Alfred Schödler das Angebot, das die Baselland Transport AG schon früher unterbreitet hat: «Wenn der Tramclub das 105er-Tram haben möchte, dann schenken wir es ihm.

Der Vorstand hat noch Zeit bis Weihnachten, sich zu entscheiden.» Jedoch mit einer wichtigen Einschränkung, wie Schödler weiter ausführt: «Der Tramclub muss selber einen Ort für das Fahrzeug finden, denn auf unserem Areal hat es dafür keinen Platz.»

Gerade diese Auflage sorgt dafür, dass Tramclub-Präsident Fabian Richard das BLT-Angebot als «nicht praktikabel» bezeichnet. «Wenn wir den ‹105er› irgendwo in einen Schuppen stellen, ist er innerhalb weniger Jahre defekt und nicht mehr fahrtüchtig.»

Der einzige Weg, das Tram in einem fahrbereiten Zustand zu erhalten, ist laut Richard, wenn die BLT die Be 4/6 in ihrem Bestand belässt und damit gleichzeitig die Betriebsbewilligung durch das Bundesamt für Verkehr (BAV) aufrecht erhält.

Denn ist das Fahrzeug erst einmal beim BAV abgemeldet, wäre eine spätere Neuanmeldung zum Fahrdienst unter den inzwischen verschärften BAV-Sicherheitsauflagen mit horrenden Kosten verbunden.

Im Gegenzug wäre der Tramclub bereit, für den Betrieb und Unterhalt zu sorgen und sich «im Rahmen seiner Möglichkeiten» an den anfallenden Kosten zu beteiligen.

Zeit fährt davon

BLT-Vizedirektor Alfred Schödler winkt ab: «Der Unterhalt des Fahrzeugs kostet viel Geld, das der Tramclub aufbringen müsste.» Ebenso sei es nicht Aufgabe der BLT, alte Fahrzeuge zu behalten und mit dem «105er» ihre bisherige, zwei historische Motorwagen und zwei Anhänger umfassende Oldtimerflotte zu erweitern, mit welcher sie Extrafahrten durchführt. «Eine Erweiterung der Oldtimerflotte stand bei uns nie zur Diskussion und gehört nicht zu unseren Aufgaben», stellt Schödler fest.

Trotz der offensichtlich festgefahrenen Verhandlungen hofft Tramhistoriker Thomas Meyer noch immer auf ein Einlenken der BLT: «Die BLT sollten sich zu ihrer Herkunft bekennen und dieses besondere Tram, welches das ‹Arbeitspferd› der damaligen Wiederbelebung der Verkehrsbeziehung zwischen der Landschaft und Basel war, doch irgendwie als historisch-technisches Erbe erhalten können. Es muss doch wenigstens möglich sein, eine Übergangslösung zu finden, bis das Trammuseum öffnet.»

Klar ist aber auch: Den Basler und Baselbieter Tramfreunden rennt die Zeit davon. Wenn sich am 4. Januar die Be-4/6-Trams auf ihre letzte Reise nach Belgrad begeben, ist der Zug für eine museale Lösung – im wahrsten Sinne des Wortes – abgefahren.