Es krachte gewaltig gestern Morgen um 5.33 Uhr. Für Anwohner ein grosser Schreck, der schnell wieder vorbei war. Für die Baselland Transport (BLT) ein Schreck, der mit dem Knall erst seinen Anfang nahm. Denn er war auf einen Blitz zurückzuführen, der irgendwo in der Nähe des Tramdepots Ruchfeld in eine Stromleitung einschlug. «Wo genau wissen wir nicht», sagt BLT-Direktor Andreas Büttiker. «Aber auf jeden Fall hat die massive Überspannung zu einem Stromausfall im Depot geführt und den Rechner unseres Stellwerks verbrannt.» Ein Tango-Tram, das sich zu der Zeit gerade in Depotnähe befand, habe spontan 36 Fehlermeldungen angezeigt und sei zur Sicherheit kontrolliert worden.

Ansonsten seien die Einschränkungen im Tramverkehr klein geblieben. «Auf den Linien 10 und 11 kam es zu Verspätungen von gut zehn Minuten», erklärt Büttiker. Bis der Takt wieder stimme, dauere es bei solchen Zwischenfällen jeweils eine Weile. Deshalb habe die Leitstelle entschieden, die Linie E11, deren erster Kurs rund eine Stunde nach dem Blitzeinschlag das Depot verlassen hätte, ausfallen zu lassen. «Den 10er und den 11er wieder in den normalen Rhythmus zu bringen, hatte erste Priorität.»

Der Fahrbetrieb habe immer aufrechterhalten werden können. «Das ist die Hauptsache. Die Auswirkungen für den Kunden waren somit nur geringfügig – für uns hingegen sehr gross. Wenn so kurz vor der Hauptverkehrszeit so etwas passiert und das erst noch an so einem Nadelöhr, wo zu den Hauptzeiten alle zwei bis drei Minuten ein Tram durchfährt, dann werden alle möglichen Kräfte aufgeboten.» Nach wenigen Stunden konnte der Takt so bereits wieder eingehalten werden und der E11 fuhr am Nachmittag wieder wie immer.

Gewitter mit vielen Blitzen

In der Zeit, als der Blitz beim Depot Ruchfeld einschlug, verzeichnete Meteo Schweiz im Umkreis von drei Kilometern um die Messstation Basel/Binningen sieben Einschläge innert zehn Minuten. Im Umkreis von 30 Kilometer wurden während des Gewitters in den gestrigen Morgenstunden zwischen 20 und 40 Blitze pro zehn Minuten verzeichnet. «Wir können hier von einem relativ blitzaktiven Gewitter sprechen», sagt Stephan Bader von Meteo Schweiz. Es habe sich in den Vogesen entwickelt und sei dann Richtung Basel gezogen.

Zählt man nur die sogenannten Hauptblitze, schlagen in der ganzen Schweiz gemäss Meteo Schweiz im Durchschnitt rund 60 000 bis 80 000 Blitze pro Jahr ein. Oft seien pro Hauptblitz auch noch ein bis zwei Nebenblitze zu beobachten, was die Zahl auf rund 150 000 Blitzeinschläge pro Jahr erhöhen würde. «Dafür, dass es in der Schweiz relativ viele Gewitter gibt, sind Blitzunfälle sehr selten», betont Bader. «Die meisten Blitzeinschläge bemerkt man nicht einmal.» Immerhin schlagen in der Region Basel pro Quadratkilometer zwischen einem und zweieinhalb Blitzen pro Jahr ein.

Büttiker erzählt, dass Blitzeinschläge für die BLT selten seien, aber vorkommen. «Normalerweise werden sie aber einfach abgeleitet, ohne dass man davon etwas merkt», erklärt der BLT-Direktor. Sogar Fahrzeuge seien schon getroffen worden. «Das ist für die Passagiere aber weder gefährlich, noch spürbar – genau wie in einem Auto.» Viele kennen das aus dem Physikunterricht noch als faradayschen Käfig.

Die BLT-Anlagen seien sehr gut abgesichert und geerdet. «Ein Zwischenfall wie gestern Morgen ist also auch für uns speziell», erzählt Büttiker und fügt scherzhaft an: «Aber dafür gibt es ja Ersatzteile.»