Andreas Büttiker, als BLT-Direktor sind Sie einer der Verlierer des Abstimmungssonntags. Wie gross ist Ihre Enttäuschung?

Andreas Büttiker: Ich muss zur Kenntnis nehmen, dass eine Mehrheit des Baselbieter Stimmvolks und insbesondere der Leimentaler den Margarethenstich nicht will. Das ist sehr schade und eine verpasste Chance, aber zugleich ein demokratischer Entscheid, den ich selbstverständlich akzeptiere. Ich habe den Eindruck, es wurde gar nicht über das Projekt selber abgestimmt. Wenn Sie auf der Strasse fragen: «Was ist der Margarethenstich?», dann können das nur wenige erläutern. Das war eher ein finanzpolitisch motiviertes Zeichen. Ich bin überzeugt, dass sich das Baselbiet damit einen schlechten Dienst erwiesen hat.

Weshalb?

Bevölkerung und Verkehr im Leimental werden weiter zunehmen. In Basel wachsen die Arbeitsplatzgebiete wie bei Roche oder Bâloise. Die Frage ist: Wie kommen die Pendler von ihrem Wohnort an ihren Arbeitsplatz? Es ist im Abstimmungskampf zu wenig über die Kundenbedürfnisse geredet worden. Ich garantiere Ihnen: In 10 oder 15 Jahren werden wir nochmals über den Margarethenstich abstimmen. Offenbar ist der Leidensdruck noch zu klein. Auch ist es den Befürwortern zu wenig gelungen, den Nutzen des Projekts darzulegen. Im Agglomerationsprogramm des Bundes hatte der Margarethenstich das beste Kosten-Nutzen-Verhältnis aller nationalen Projekte. Das war kein Schnellschuss, sondern das Resultat einer zehnjährigen Arbeit, während der verschiedene Varianten diskutiert wurden.

BLT-Direktor Andreas Büttiker zur Abstimmung über den Margarethenstich

Andreas Büttiker am Wahlsonntag zur Abstimmung über den Margarethenstich.

Könnte nun eine der im Abstimmungskampf vorgebrachten Alternativen aufs Tapet kommen?

Die Variante durch die Innere Margarethenstrasse mit der Spitzkehre bei der Heuwaage haben wir vertieft geprüft. Die kann man vergessen, sie ist betrieblich nicht machbar. Vorerst bleibts dabei: Der 17er wird in absehbarer Zeit an den Kundenbedürfnissen vorbei an die Schifflände statt via Bahnhof und Wettsteinbrücke ins Kleinbasel fahren. 80 bis 90 Prozent der Leimentaler Pendler werden weiterhin umsteigen müssen.

Welches regionale öV-Projekt steht nun im Vordergrund?

Das nächste grosse Projekt ist das Herzstück, der Bahnknoten Basel. Absehbar ist, dass es bis 2035 bestenfalls einen Planungskredit geben wird. Die Umsetzung sehe ich erst ab 2045. Klar ist auch: Das Nein zum Margarethenstich ist vor diesem Hintergrund ein schlechtes Zeichen Richtung Bundesbern.

Wie kommentieren Sie die Tatsache, dass Sie als BLT-Direktor auf Seite der Befürworter der öffentlich sichtbarste Exponent waren?

Einige sahen mein Engagement kritisch. Doch ich muss sagen: Ich verstehe mich als Unternehmer, der Projekte vorantreiben will. Der Margarethenstich wurde im Landrat von einer grossen Mehrheit gutgeheissen. Gerade deshalb hätte ich mir im Abstimmungskampf ein deutlicheres Statement verschiedener politischer Exponenten im Kanton gewünscht.

Meinen Sie damit auch die Baselbieter Baudirektorin Sabine Pegoraro.

Selbstverständlich. Selbstverständlich! Möchten Sie es noch lauter hören?

Margarethenstich: So stimmten die Baselbieter Gemeinden.