«Homophobie» und «Zensur» - heftige Kritik prasselte auf die Baselland Transporte AG (BLT) ein, als bekannt wurde, dass sie einen Teil einer Plakatkampagne des Jugentreffs «Anyway» als zu anstössig abstempelte und den Aushang in ihren Fahrzeugen untersagte (die bz berichtete).

BLT-Direktor Andreas Büttiker berief sich auf Richtlinien, die der BLT vorschreiben, dass sie unter anderem auf Polemik, Sexismus, politische Werbung und Werbung für Alkohol und Tabak verzichten. Im Interview mit der bz erklärte er, Eltern könnten sich an den Sujets stören.

Der Verein für anderssexuelle Jugendliche zeigt auf den Plakaten, sich umarmende und küssende gleichgeschlechtliche Paare und machen damit auf ihre Treffen im Jugendzentrum Neubad aufmerksam, bei denen sich Lesben, Schwule, Bisexuelle, Asexuelle und Transgenders austauschen können.

Im städtischen ÖV schien das Thema aber kein Problem darzustellen. Die Basler Verkehrs-Betriebe (BVB) bewilligten die Kampagne von Anfang an.

«Anyway» reagierte auf die BLT-Absage weniger heftig als andere Organisationen. Bastian Baumann von der Schweizerischen Schwulenorganisation Pink Cross sagte zum Beispiel: «Die Ablehnung mit der Begründung, dass ein sich küssendes gleichgeschlechtliches Paar in der Gesellschaft womöglich als anstössig empfunden werden könnte, ist für mich schlichtweg homophob und zensurierend.»

Von solchen Vorwürfen distanziert sich Büttiker: «Der Entscheid ist nicht moralisch. Es ging uns einzig und allein um das Wohl unserer Fahrgäste.»

Der Druck der Öffentlichkeit liess die BLT ihren Entscheid nochmals überdenken und revidieren. In einer Mitteilung schreibt sie: «Wir haben im Nachhinein realisiert, dass die Überlegungen, die zu diesem Entscheid geführt haben, falsch verstanden wurden. Vor diesem Hintergrund ist die BLT auf ihren Entscheid zurückgekommen und ermöglicht nun die Verwendung der vorgelegten Sujets.»

Pink Cross begrüsst den Entscheid. «Ich freue mich, dass BLT unsere Ansichten von Respekt, Offenheit und Akzeptanz nun zu teilen scheint und die vielen Stimmen gehört hat», wird Baumann in einer Mitteilung zitiert. «Damit sendet die BLT ein wichtiges Signal an alle junge Menschen, die unter Homophobie und Diskriminierung zu leiden haben.»

Der Lancierung der «Anyway»-Kampagne in Trams und Bussen der BVB und der BLT steht nun nichts mehr entgegen. (zam)