André Dosé, war der Streit von 2012, als die Baselbieter Regierung die Beschaffung der 2. Tango-Serie verhindern wollte, der Grund dafür, dass sie zur Feier am Mittwoch nicht eingeladen worden ist?

André Dosé: Es war kein Streit mit der Regierung. Das möchte ich betonen. Es war eine Situation, die aus dem damaligen Spardruck heraus entstanden war. Wir mussten die Regierung nochmals mit guten Argumenten überzeugen, wieso eine Beschaffung der 2. Tango-Serie längerfristig die günstigste Lösung darstellt.

Wie ist Ihnen das gelungen?

Wenn man die zweite Serie nicht bestellt hätte, hätte man die Lebensdauer der alten Schindler-Trams verlängern müssen, was bei Trams, die schon 40 Jahre auf dem Buckel haben, sehr aufwändig geworden wäre. Und das Ende ihrer Lebensdauer wäre dann trotzdem irgendwann gekommen, einfach mit einem überproportionalen Wartungsaufwand und um ein paar Jahre hinausgeschoben.

Auch den Ausstieg der BVB aus der gemeinsamen Tango-Beschaffung haben Sie an der Feier nochmals thematisiert. Welche Konsequenzen hat es nun konkret, dass die BLT heute mit dem Tango und die BVB mit dem Flexity von Bombardier unterwegs sind?

Auswirkungen auf den Fahrbetrieb hat es keine. Aus unserer Sicht ist es bloss schade, dass es nicht so weit gekommen ist, und eine verpasste Chance, da eine gemeinsame Beschaffung günstiger gewesen wäre. Jetzt aber gibt es keine Nachteile mehr, dass BVB und BLT mit unterschiedlichen Modellen unterwegs sind. Beide machen einen guten Job.

Bei der Trambeschaffung können Sie sich nur kurz zurücklehnen. Die nächsten Projekte warten schon.

Es handelt sich sogar um eine neue Zugbeschaffung, nachdem wir die Waldenburgerbahn übernommen haben. Wir werden im Verlauf des kommenden Jahres die Dossiers und die Angebote für den WB-Ersatz erstellen und danach hoffentlich rasch zu einem Entscheid kommen. Zweitens müssen wir uns in der nächsten öV-Leistungsperiode bereits Gedanken über die endgültige Ablösung der Schindler-Trams machen; das kommt dann aber erst nach 2020.

Was bedeutet die Übernahme des letzten Tango-Trams für Sie persönlich?

Vor allem war es eine gute Zusammenarbeit mit Stadler Rail. Wir waren Erstbesteller des Tangos und als solcher trägt man immer ein gewisses technisches Risiko. Wir bekamen aber alle Probleme, die immer wieder auftraten, stets gemeinsam in den Griff.

Ist Stadler Rail deswegen in der Pole Position für die Lieferung der neuen WB-Züge?

Jede Beschaffung fängt wieder bei Null an. Schliesslich sind wir dazu verpflichtet, eine offene Ausschreibung vorzunehmen, damit die Konkurrenz spielen kann. Aber hoffentlich wird sich auch Stadler mit einem eigenen Produkt bewerben. Unser Vorteil ist, dass wir jetzt wissen, was Stadler leisten und liefern kann.

Was gefällt Ihnen als VR-Präsident der BLT am besten am Tango-Tram?

Ich wiederhole hier einen Satz, den ich zu meinen Airline-Zeiten häufig gebraucht habe: «If it looks right, it is right.» Der Tango sieht gut aus, er kommt gut daher, ist drinnen sehr hell und geräumig. Er ist einfach ein tolles Produkt. Und nicht zu vergessen: Er ist ein Schweizer Produkt. Ich persönlich bedauere es sehr, dass die Schweizer Schwerindustrie so viel verloren hat. Daher freue ich mich umso mehr, dass Stadler ein so personalintensives Geschäft wie die Herstellung von Zügen weiterhin in der Schweiz vornehmen kann.