Bottmingen bleibt auch nach der Gemeindeversammlung von Montagabend die klar steuergünstigste Gemeinde im Kanton. Die beantragte Erhöhung des Steuerfusses von aktuell 42 auf zukünftig 45 Prozent lehnte die Versammlung mit 115 zu 105 Stimmen äusserst knapp ab.

Die für Finanzen zuständige Gemeinderätin Mélanie Krapp (FDP) schaffte es nicht, die Versammlung vor der finanziell schwierigen Zukunft Bottmingens zu überzeugen. Sie warnte vor den hohen Investitionen in Schulanlagen und Strassen. In ihren Erläuterungen zum Finanzplan 2016–2019 warnte Krapp vor einer Verschuldung von bis zu 40 Millionen Franken, wenn der Steuerfuss nicht erhöht würde.

Wie umstritten die Steuererhöhung war, zeigte sich in den Beschlüssen der beiden vorberatenden Kommissionen. Die Gemeindekommission lehnte die Steuererhöhung klar ab – die Finanz- und Rechnungsprüfungskommission votierte dafür.

Sparen statt Steuererhöhung

Dass 2015, auch ohne höhere Steuern, ein Ertragsüberschuss in der Höhe von 374 000 Franken resultiert, werteten die bürgerlichen Redner als Zeichen, dass es um die Finanzsituation gar nicht so schlimm stehen könne. Sie plädierten vielmehr für einen vorsichtigeren Umgang im Ausgabenbereich. Somit ist für das kommende Jahr bei einem gleichbleibenden Steuerfuss von 42 Prozent ein Gewinn von 374 000 Franken bei einem Gesamtaufwand von 32,1 Millionen Franken budgetiert.

Die Debatte um das geplante autofreie Dorfzentrum und den damit zusammenhängenden Land- und Liegenschaftsverkäufen verlief wie erwartet intensiv. Gemeinderat Franz Wunderer (CVP) sprach von einer «Win-Win-Situation» für die Gemeinde und die AG Burgrain als Investorin, die Wohnungen im Zentrum bauen will.

Dorfzentrum zurückgewiesen

Das Geschäft zwischen den beiden Parteien enthält mehrere Elemente: Die AG Burgrain kauft die heruntergekommenen «Stöcklin-Liegenschaften» an der Therwilerstrasse 9, 11 und 13, dazu einen Landanteil von 1439 Quadratmetern und weiteren 2655 Quadratmeter nördlich des Talholzschulhauses. Dazu werden der AG Burgrain Nutzungsrechte abgetreten. Dafür zahlt die Investorin 3,2 Millionen Franken. Die Gemeinde kauft sich im Gegenzug für 1,92 Millionen Franken in die von der AG Burgrain erstellte Einstellhalle unter dem geplanten Dorfzentrum ein. Für die Zentrumsaufwertung selber investiert die Gemeinde weitere 1,6 Millionen Franken.

Die Gemeinde profitiere durch diesen Deal ausserordentlich, da sie fast gratis zu einem schöneren Zentrum komme, argumentierten die Befürworter. Für die Gegner war der Verkaufspreis für die «Filetstücke und sein Tafelsilber», wie die Landreserven im Zentrum bezeichnet wurden, zu gering. Ein grosses Mehr sorgte aufgrund dieser Zweifel für die Rückweisung des Geschäfts. Noch im Oktober hatte die Gemeindeversammlung dem neuen Zentrum grundsätzlich zugestimmt, als es zwei Quartierpläne genehmigte.

Nun müssen der Gemeinderat und die AG Burgrain im Frühling eine überarbeitete Vorlage präsentieren. Vereinzelt wurde sogar eine komplette Ablehnung des Geschäfts gefordert. Die Abstimmung verlief mit diversen Anträgen äusserst chaotisch und emotional.