«Wir sind schockiert und erschüttert», erklärt Andreas Appenzeller, Geschäftsleiter der Genossenschaft Adev. «Das gab es in der Schweiz bisher nicht.» Als am Freitag bei der BKW im Jura das Netz ausfiel, entdeckte man, dass die Schaltanlage, über die der Strom des Windkraftwerks Saint-Brais ins Netz eingespeist wird, brannte. Feuerwehr und Polizei stellten fest, dass die Tür aufgebrochen worden war. In der Tür zum Mast der Windkraftanlage war das Lüftungsgitter aufgehebelt. Es war Brandbeschleuniger ins Innere geleert worden. Weiter sprechen abgebrannte Streichhölzer für einen Anschlag. Was das am Häuschen hinterlassene «FLS» bedeutet, wird unter anderem Gegenstand der Ermittlungen der Polizei sein: Brandstiftung ist ein Offizialdelikt, und Adev hat Anzeige gegen unbekannt erstattet.

Im Innern des Turms erlosch das Feuer wieder. Ob Isolationsmaterial von Kabeln beschädigt wurde, wird in den nächsten Tagen untersucht. Die Schaltanlage wurde dagegen komplett zerstört. Appenzeller beziffert den direkten Sachschaden auf mindestens 100 000 Franken. Hinzu kommt der Produktionsausfall, der diese Summe übersteigen dürfte.

Schaden schnell reparieren

Ob die Feuerversicherung und die Versicherung gegen Produktionsausfall auch bei Brandstiftung für die Schäden aufkommen, war am Montag Abend noch nicht geklärt. Andernfalls ginge der Schaden zulasten der 640 Kleinaktionäre der Adev Windkraft AG: Die Anlage in Saint-Brais ist ein sogenanntes Bürgerkraftwerk. «Wer auch immer hinter dem mutmasslichen Anschlag steht: Er kann sich nicht darauf berufen, einen Konzern zu bekämpfen, der weit weg Entscheide über die Köpfe der Bevölkerung gefällt hätte», betont Reto Rigassi, Geschäftsführer des Windkraftverbands Suisse Eole. Hinzu kommt, dass die Gemeindeversammlung Saint-Brais dem Zonennutzungsplan mit nur einer Gegenstimme zugestimmt hat. Appenzeller erklärt, dass man im Betrieb in Abstimmung mit der Gemeinde die Emissionen über die gesetzlichen Vorschriften hinaus minimiert. «Betroffen war zudem die weiter vom Dorf entfernte Anlage. Es dürfte sich also um einen Akt des grundsätzlichen Widerstands gegen Windkraft handeln – falls es nicht das Werk von Nachtbuben ist.»

«So etwas sprengt den bisherigen Rahmen der Diskussionen», kommentiert Rigassi. «Bisher wurde – wenn auch oft heftig – nur diskutiert. Dies hier bedeutet eine neue Qualität der Auseinandersetzungen.» Bedenklich sei zudem, dass der Anschlag gegen eine demokratisch abgestützte Anlage verübt wurde. Auch Appenzeller erklärt, dass sich erstmals in der Schweiz Vandalismus in dieser Form gegen Alternativenergie-Anlagen richte. Positiv sei jedoch, dass der Gemeindepräsident bestätigt, die Mehrheit der Bevölkerung von Saint-Brais befürworte die Anlagen weiterhin. «Wir wollen den Schaden so schnell als möglich beheben und den Betrieb wieder aufnehmen.»