Das Universitätsspital Basel (USB) und das Kantonsspital Baselland (KSBL) mit ihren insgesamt 8500 Mitarbeitenden sollen zusammengeführt werden. Dies haben die beiden Gesundheitsdirektoren Lukas Engelberger (BS) und Thomas Weber (BL) gemeinsam mit den Spitzen der beiden Spitäler Ende Juni im Grundsatz beschlossen. Doch wie soll diese Spitalgruppe ausgestaltet werden? Darüber diskutierten am «Stadtgespräch» des Regionaljournals Basel von SRF Engelberger und Weber gemeinsam mit Tobias Eichenberger, Präsident der Ärztegesellschaft Baselland, und mit der Gesundheitsökonomin Anna Sax. Es war das erste öffentliche Hearing zur Spital-Kooperation beider Basel. Die bz hat aus dem Gespräch im Hotel Les Trois Rois die zentralen Aussagen durchleuchtet und beantwortet die drängendsten Fragen.

1 Wie wird die geplante Spitalgruppe von den Angestellten beurteilt?

Fundamentale Opposition gegen die Zusammenarbeit bei den öffentlichen Spitälern beider Basel war am «Stadtgespräch» kaum zu vernehmen. Tobias Eichenberger sieht viele Details kritisch. Doch er anerkennt: «Historisch ist das eine einmalige Chance.» Thomas Weber und Lukas Engelberger würden auf Augenhöhe über eine gemeinsame Gesundheitsregion verhandeln. Der Zeitgeist sei anders als noch vor 15 Jahren. Ein Zusammenschluss der öffentlichen Spitäler könnte schweizweite Signale setzen, ist Eichenberger überzeugt. Weit kritischer beurteilt das Konstrukt die Zürcher Gesundheitsökonomin Anna Sax. Angesichts des grossen Leidendrucks und der Feststellung von Weber, dass es so wie bisher nicht weitergehen könne, kommentierte Sax: «Für mich klingt das Ganze nach einer Verzweiflungstat.» Doch auch sie anerkennt den Willen zur Kooperation. Die im Publikum anwesende VPOD-Gewerkschaftssekretärin Marianne Meyer betonte ebenso, dass man die Pläne im Grundsatz gutheisse.

2 Dennoch gibt es seitens der Ärzte und Angestelltenverbände Kritik. Woran macht sich diese fest?

Dreh- und Angelpunkt der Kritik ist das Bruderholzspital, einer von drei KSBL-Standorten. Gemäss den Plänen soll auf dem Bruderholz eine ambulante Tagesklinik anstelle des heutigen stationären Spitals mit erweiterter Grundversorgung gebaut werden. Gewerkschaften wie der VPOD kritisieren, dass ohne öffentliche Diskussion darüber verhandelt wird, die Frauenklinik aus dem Angebot des Bruderholzspitals herauszubrechen und in das private Bethesda-Spital zu integrieren. Unter einem vorzeitigen Abbau der Frauenklinik würden Querschnittfunktionen wie die Radiologie leiden – was den Standort zusätzlich schwäche.

3 Was steckt hinter der Kontroverse um die Frauenklinik am Bruderholz?

Beim VPOD ist man zudem überzeugt, dass das Privatspital Bethesda nie die gleiche Versorgung erbringen werde wie ein öffentliches Spital. Der Baselbieter Gesundheitsdirektor Thomas Weber verwahrte sich gegen die «Verunglimpfung privater Anbieter». Das KSBL sei seit 2012 aus der Verwaltung ausgelagert, folglich dürfe es Kooperationen suchen und eingehen. Die Versorgung sei auch bei einer Übernahme der Frauenklinik durch das Bethesdaspital gewährleistet, sagte Weber. Rein formell hielt er fest, dass die Kooperation in der Gynäkologie zwischen KSBL und Bethesda nicht Bestandteil der Verhandlungen gewesen sei. Demnach ist die Debatte um die Gynäkologie eher als Begleit- oder Folgeerscheinung des Spitaldeals zu interpretieren.

4 Inwiefern wird der Spitaldeal an sich kritisiert?

Ärztepräsident Eichenberger findet, dass man zu einem unnötigen Zeitpunkt bereits bekannt gegeben habe, dass das Bruderholzspital schliessen werde. Seit 15 Jahren befinde sich dieses auf Schlingerkurs, was die Belegschaft verunsichere. Wenn das so weitergehe, dann kollabiere das Spital in absehbarer Zeit, «Bei der Planung hat man zwei Gruppen vergessen: die Ärzte und die Patienten», kritisierte Eichenberger. «Es ist nicht zielführend, die Katastrophe am Bruderholz herbeizubeschwören», konterte Engelberger. Weber versprach einen «geordneten Übergang» auf dem Bruderholz.

5 Werden zur Zukunft des Standorts Bruderholz Alternativen formuliert?

Der Streit entzündet sich an der Frage, ob es im Baselbiet auch künftig drei öffentliche Spitäler mit stationärem Angebot geben soll. Ja, findet Ärztepräsident Eichenberger. Das bevölkerungsreiche Unterbaselbiet benötige ein eigenes Spital. Dieses müsse aber nicht zwingend auf dem Bruderholz stehen. «Ein Spital mit reduzierter Grundversorgung in Aesch oder Reinach wäre ebenfalls denkbar», sagte er. Nein, finden dagegen die beiden zuständigen Regierungsräte. «Auch aus Kostengründen möchten wir das stationäre Angebot in den öffentlichen Spitälern reduzieren», betonte Lukas Engelberger. In der Schweiz erfolgten heute lediglich 20 Prozent der chirurgischen Eingriffe ambulant, in den Niederlanden oder Dänemark seien es bis zu 50 Prozent. Deshalb sei man überzeugt, dass die neue ambulante Tagesklinik auf dem Bruderholz sinnvoll sein wird. Engelberger führte zudem ins Feld, dass der Zeitpunkt für eine neue Strategie auch wegen des Neubaus des Klinikums 2 im USB günstig sei. Mit anderen Worten: Das USB könnte in Zukunft noch mehr stationäre Patienten aus dem Unterbaselbiet aufnehmen.

6 Weshalb ist der Spitaldeal zwischen beiden Basel mit der gemeinsamen Trägerschaft der Universität Basel verknüpft?

Die Basler Regierung will erst dann definitiv über die Spitalgruppe entscheiden, wenn eine gemeinsame und paritätische Finanzierung der Universität Basel gesichert ist. Dies hat die Regierung am Mittwoch bekannt gegeben. «Wir sehen diese beiden Themen verknüpft», führte Engelberger aus. Das USB stütze sich mit seinen Medizinern massgeblich an der Universität ab. Die Verflechtung bestehe sowohl inhaltlich als auch finanziell. Demgegenüber sagt Weber, dass es «keine Bedingung, sondern einen logischen Sachzusammenhang» zwischen Spitälern und Uni gebe. Die eingesetzten Delegationen hätten nun die Aufgabe, eine Lösung zu finden, die der Universität, den Kantonsfinanzen beider Basel und der Life-Sciences-Industrie gerecht werde. «Der Kanton Baselland steckt in einer Situation, in der er in verschiedenen Bereichen schmerzhafte Abstriche machen muss.» Die beiden Gesundheitsdirektoren Engelberger und Weber betonten, dass man trotz Debatte um die Uni-Finanzierung mit Hochdruck an der Spitalgruppe weiterarbeite.