Am Donnerstag findet in Liestal ein bisher nicht publik gemachtes Treffen zwischen der Uni-Leitung und Baselbieter Parlamentarierinnen und Parlamentariern statt. Im Restaurant Schützenstube werden Universitätsratspräsident Ueli Vischer, Rektorin Andrea Schenker und Verwaltungsdirektor Christoph Tschumi unter anderen Ständerat Claude Janiak (SP) und die Nationalrätinnen Maya Graf (Grüne), Elisabeth Schneider-Schneiter (CVP) und Sandra Sollberger (SVP) empfangen. Ebenfalls mit dabei ist die Baselbieter Bildungsdirektorin Monica Gschwind (FDP).

Vordergründig geht es an diesem «Gipfeltreffen» zwischen Uni und Baselland um übergeordnete Fragen der Hochschulpolitik auf eidgenössischer Ebene. So um die Teilnahme der Schweiz an den Forschungsrahmenprogrammen der EU («Horizon 2020») und die Geldvergabe im Rahmen der Botschaft zur Förderung von Bildung, Forschung und Innovation (BFI) für die Jahre 2017 bis 2020. Klar ist aber auch, dass ein hoch aktuelles Thema heiss diskutiert werden wird: die Frage nach den künftigen Standorten.

Kritische Fragen

Hierbei kann sich die Uni-Spitze auf einiges gefasst machen. Für Grünen-Nationalrätin Maya Graf ist nur logisch, wenn die Standortfrage angesprochen wird. Sie erwartet von der Universität einen unpolitischen Standortentscheid, wobei die Sissacherin erfahren möchte, welches die für die Uni wirklich entscheidenden Vergabekriterien für neue Fakultätsstandorte sind. Gleichzeitig wird sie auch nicht mit Kritik sparen. Auf Anfrage erklärt Graf, dass sie das Auftreten von Uni-Professoren, die sich öffentlich gegen den Standort Liestal ausgesprochen haben, für «wenig professionell» hielt: «Da möchte ich schon erklärt bekommen, wie die Uni-Leitung mit solchen Auftritten ihrer Professoren umgeht.»

SVP-Kolleginnen Sandra Sollberger ist ebenso erpicht auf zusätzliche Informationen aus erster Hand zur Standortfrage. «Die juristische und wirtschaftswissenschaftliche Fakultät nach Liestal zu zügeln, halte ich für einen sehr spannenden, wertvollen Vorschlag. Diesen Gedanken muss man weiter verfolgen», sagt die Neo-Nationalrätin aus Bubendorf. Gar nichts anfangen kann sie mit den bisher vorgebrachten Gegenargumenten zur grossen Entfernung und Provinzialität eines Liestaler Uni-Campus. «Sonst misst sich die Uni Basel auch immer mit weltweiter Konkurrenz, wo die Hochschulen teilweise noch viel dezentraler gelegen sind.»

Sollberger stellt klar, dass sie ohne Instruktionen ihrer Partei zum Treffen geht. Zudem hält sie es für unwahrscheinlich, dass die bevorstehende Abstimmung über die Ausfinanzierung der Uni-Pensionskasse einen Einfluss auf die Standortvergabe haben wird. Es wäre schon sehr schäbig, wenn die ganze Standortdiskussion bloss ein Köder für die Baselbieter Stimmberechtigten wäre, um am 5. Juni Ja zur Uni-PK-Vorlage zu sagen, findet Sollberger, «aber das unterstelle ich niemandem und gehe auch nicht davon aus».

Derweil bemüht sich Universitäts-Sprecher Matthias Geering, die Brisanz des Treffens nicht allzu hoch zu hängen. Dieselbe Veranstaltung hätte mit den Basler Parlamentariern bereits im April stattgefunden. Dazu eingeladen wurde im vergangenen Oktober, also lange vor dem Hochkochen der Standortdiskussion. Neben den Themen zur eidgenössischen Hochschulpolitik gehe es insbesondere auch um die persönliche Begegnung zwischen den Parlamentariern und der neuen Uni-Rektorin Andrea Schenker.

Aber auch für Geering ist naheliegend, dass die Uni-Delegation am Donnerstag in Liestal nicht um die Standortfrage herumkommen wird.

Kontroverse um Uni-Sponsoring

Doch nicht nur das. Maya Graf möchte die Gelegenheit nutzen, um zwei weitere heikle Punkte anzusprechen. Zum einen will die ehemalige Nationalratspräsidentin mehr über die Finanzierung von Lehrstühlen durch Grosskonzerne wissen, und wie sich die Uni dabei die Unabhängigkeit vor falschen Ansprüchen der Sponsoren bewahren kann. Nach einem kontrovers diskutierten TV-Beitrag der «Rundschau» steht der Verdacht der Unterhöhlung der Forschungsfreiheit durch externe Geldgeber im Raum. Zum anderen ist Graf alarmiert über die Einrichtung einer Grossstation für Tierversuche im Basler Biozentrum-Neubau. Wie schon gesagt: Das könnte ein brisantes «Gipfeltreffen» werden.