Der Umbau des Kantonsspitals Baselland (KSBL) fordert ein erstes grosses Opfer: Der renommierten Orthopädie-Abteilung am Standort Bruderholz droht das Ende. Wie die bz aus gut informierten Quellen weiss, wird beinahe die gesamte Führungsriege den Betrieb verlassen.

Unter den Abtrünnigen befinden sich vier der fünf Leitenden Ärzte, darunter auch der Chefarzt ad interim, Jiri Skarvan. Die Kündigungen sind noch nicht erfolgt. Die Betroffenen haben jedoch ihre Mitarbeiter bereits über ihre Abwanderungspläne in Kenntnis gesetzt.

Schock bei Mitarbeitern

Der Aderlass ist der wahrscheinlich grösste Einschnitt in der über 40-jährigen Geschichte des Spitals. Denn die Orthopädie ist dessen Vorzeigeobjekt und geniesst einen ausgezeichneten Ruf. Die Ankündigung der Abgänge habe auf der Abteilung einen «Schock» ausgelöst, berichten Mitarbeiter. Denn das verbleibende Rumpfteam sei nicht in der Lage, den Betrieb auf dem heutigen Level aufrechtzuerhalten. Viele weitere Ärzte würden sich deshalb bereits nach neuen Stellen umsehen.

Die Leitung des Kantonsspitals hat den Ernst der Lage offenbar erkannt. Laut Informationen der bz hat Kantonsspital-CEO Heinz Schneider versucht, zumindest einzelne Abwanderungswillige umzustimmen - offenbar ohne Erfolg: Auf Anfrage teilt das KSBL mit, dass es den Entscheid der Ärzte bedauere. «Die Austritte stellen für die Weiterentwicklung der Orthopädie KSBL eine personelle Herausforderung dar», so das Spital weiter. Die Schlüsselpositionen müssten nun mit Personen besetzt werden, «welche in der vom Verwaltungsrat beschlossenen Organisationsstruktur eine Chance sehen.»

Die Abgänge sind auf Machtkämpfe innerhalb des KSBL zurückzuführen. Im April wurde publik, dass die Orthopädie an allen drei Standorten Liestal, Bruderholz und Laufen statt jeweils eigenen neu einen einzigen Chefarzt erhalten wird. Der Verwaltungsrat wählte für diesen Posten Beat Hintermann, den bisherigen Chefarzt aus Liestal.

Die Zentralisierungsmassnahme ist zumindest auf dem Bruderholz nicht gut angekommen. Denn laut Mitarbeitern hatte Schneider dem Spital eine eigene Lösung wie bisher in Aussicht gestellt. Die Position des Chefarztes war seit dem Abgang von Professor Niklaus Friederich 2012 vakant. Die interimistische Leitung hatte der bereits erwähnte Jiri Skarvan inne.

«Liestaler Flügel» setzt sich durch

Das Verhältnis zwischen Hintermann und dem Bruderholz-Team wird von Beginn an als äusserst angespannt beschrieben. Dabei konnten die «Bruderhölzler» auch nicht auf die Rückendeckung ihres Geschäftsführers Markus Nydegger zählen. Nydegger ist zwar erst seit dem 1. Mai im Amt und kann die Konflikte nicht ausgelöst haben. Er gilt jedoch als treuer Weggefährte von KSBL-CEO Schneider. Zusätzlich erschwert haben dürfte die Situation die Konkurrenz zwischen den Orthopädie-Abteilungen in Liestal und dem Bruderholz. Nun scheint es, als habe sich der «Liestaler Flügel» durchgesetzt.

Für Pia Fankhauser sind die Abgänge bedauerlich, aber nicht überraschend. Die SP-Landrätin ist Mitglied der Volkswirtschafts- und Gesundheitskommission. «Die Zukunft der Orthopädie auf dem Bruderholz beschäftigt mich schon seit längerer Zeit.» Für sie stehe nun im Vordergrund, wie die Lücke gefüllt werden kann: «Der Verwaltungsrat muss sich die Frage stellen: Was für ein Spital wollen wir auf dem Bruderholz?»