«Lesen ist Leben», schreibt das über 200-jährige christliche Verlagshaus Herder mit Hauptsitz im deutschen Freiburg. Der Herder-Ableger in Pratteln scheint nun aber sein Lebensende erreicht zu haben: Auf Ende Jahr stellt die Herder AG Basel ihre Auslieferungstätigkeit ein – alle zehn Mitarbeiter werden entlassen.

Standort Pratteln ist nicht rentabel

Herder versorgt als Zwischenbuchhändler Schweizer Buchläden mit konfessioneller, vorwiegend katholischer, Literatur – und dies seit 1958.

Hans Dieter Vogt, Geschäftsführer Herder AG Basel, nennt drei Gründe für den Auslieferungsstopp. Erstens: Wegen des Franken-Euro-Kurses sind die Buchpreise um 20 Prozent gesunken. «Das hatte Auswirkungen auf die Rentabilität.» Zweitens: «Immer mehr Buchhandlungen beziehen direkt bei Verlagen und Zwischenhändlern in Deutschland.» Und drittens: «Wir sind im Vergleich mit anderen Auslieferungen deutlich kleiner.»

Konkrete Geschäftszahlen will Vogt nicht nennen. Wirtschaftlich sei Herder AG Basel aber seit 2011 nicht mehr rentabel. Dies setze sich wahrscheinlich fort, so Vogt. Der bestehende Verlagsstandort soll zwar erhalten und erweitert werden. Aber: «Was damit geschieht, ist noch ein laufender Prozess und wird noch abgeklärt. Nächstes Jahr können wir mehr sagen», relativiert Vogt.

Betroffenheit in der Buchhandelbranche

«Dass einzelne Unternehmen aufhören müssen, war absehbar», sagt Martin Walker, Redaktor Schweizer Buchhandel des Buchhändler- und Verleger-Verbands (SBVV). In der Branche gäbe es Überkapazitäten. «Der Stopp bei Herder hat mich gewundert, weil sie konfessionell ausgerichtet sind. Dies ist ein spezieller Markt», sagt Walker. Dass Herder auch ein Verlag ist, ging komplett an Walker vorbei. Für die Branche sieht er kaum negative Konsequenzen. Betroffene Verlage würden wahrscheinlich keine Probleme haben, eine neue Auslieferung zu finden.

Die Vereinigung des katholischen Buchhandels Schweiz (VKB) sieht das anders: «Herder ist für uns der wichtigste Zulieferer», sagt Vorstandsmitglied Christian Meyer und fügt an: «Direktimporte tätigen wir auch nicht.» Meyer widerspricht damit der offiziellen Begründung des Herder-Geschäftsführers Vogt. Meyer ist überzeugt, dass eine Schliessung hätte verhindert werden können. «Man kennt sich und hätte zusammen nach Lösungen suchen können.»

Doch dazu fehlte wahrscheinlich der Wille des Mutterkonzerns, wie folgendes Beispiel verdeutlicht. Vogts Vorgänger Joe Küttel wurde überraschend am 26. Juni freigestellt. Am selben Tag übernahm Vogt das Ruder. Dieser war bis Mai Geschäftsführer am Standort Freiburg. Vogt sollte ein zukunftsfähiges Konzept für den Fortbestand der Auslieferungen ausarbeiten. Ebenfalls am 26. Juni erhielten die Verlage eine vorsorgliche Kündigung. Vier Tage vor Ablauf der halbjährlichen Kündigungsfrist wollte sich die Firma einen Handlungsspielraum offen halten.

Kritik an Herder-Kommunikation

Dieser offiziellen Version glaubt Meyer aber nicht: «Jedem war damit klar, dass Herder schliessen würde.» In diesem Zusammenhang müsse die Kündigung des ehemaligen Geschäftsführers Küttel gesehen werden. Küttel hätte seine Mitarbeiter nicht im Unklaren lassen wollen und forderte vom Verwaltungsrat eine klare Kommunikation. Daraufhin wurde Küttel freigestellt. Auf Anfrage äusserte sich Küttel nicht, weil er sich bei der Kündigung dazu verpflichtet habe. Laut Herder Deutschland ist Küttel wegen unterschiedlichen Vorstellungen über die künftige Ausrichtung des Unternehmens entlassen worden.

Der VKB bereitet einen Beschwerdebrief an Herder Verwaltungsratspräsident Manuel Herder vor. Darin kritisieren die Buchhändler das für sie unlöbliche Vorgehen Herders.