Nun kommt Bewegung in die Diskussion um den öffentlichen Verkehr (öV) im Baselbiet: In Bennwil denkt man über einen Bürgerbus nach. Der Sparbeschluss des Landrats, die Buslinie 92 am Wochenende zu streichen, brachte den Gemeinderat auf die alte Idee einer eigenen Buslinie.

Bereits der frühere Gemeindepräsident Erich Geiser hatte beim damaligen Regierungsrat Adrian Ballmer interveniert, ob man nicht die Konzession für die Buslinie zugunsten einer Gemeindelösung aufheben könnte. Und als jetzt das Spardiktat aus Liestal kam, schrieb die Gemeindepräsidentin Verena Scherrer mit dem gleichen Ansinnen der Regierungsrätin Sabine Pegoraro. Ergebnis: Beim Kanton hat man ein offenes Ohr und zeigt sich bereit, einen Bürgerbus als innovative Lösung «vertieft zu prüfen».

Klassische lokale Selbsthilfe

Bürgerbusse werden in Deutschland seit den 80er-Jahren als Selbsthilfe von Bürgern betrieben. Organisatorisch gibt es dafür unterschiedliche Modelle. Allen gemeinsam ist: Die Gestaltung des Fahrplans, die Routen und die Haltstellen werden von unten her geplant und den Bedürfnissen der lokalen Bevölkerung angepasst.

Diesen Wunsch hegt auch Bennwil. Unzufrieden ist man schon lange. Das 650-Seelen-Dorf liegt auf der Höhe zwischen dem Diegter- und dem Waldenburgertal. Der Bus der Linie 92 verbindet Bennwil – werktags mit 19 Kursen – mit der Station Hölstein der Waldenburgerbahn. Dort müssen die Schüler in die Bahn umsteigen, um nach Oberdorf in die Schule zu gelangen. Die Gemeinde erreichte zwar zu Beginn des Jahrzehnts, dass einige Kurse statt nach Hölstein direkt nach Oberdorf fuhren. Doch bewährte sich dies nicht; heute machen die Schüler wieder den Umweg über Hölstein.

Ursprünglich habe der Kanton unter der Woche täglich sechs, am Samstag drei und am Sonntag einen Kurs streichen wollen, berichtet Gemeindepräsidentin Verena Scherrer. Dann stellte sich heraus, dass dies zu keinen namhaften Einsparungen führt und so habe der Kanton – anstatt den Fahrplan allgemein auszudünnen – die Wochenendkurse vollständig gestrichen. «Wir haben hier ein tolles Wandergebiet, das auch am Wochenende erreichbar sein muss», ist Scherrer überzeugt. «Und wenn wir selbst fahren, können wir auch mal eine Wandergruppe in Diegten abholen.» Noch sei eine Umsetzung in weiter Ferne, betont Scherrer. Positiv sei erst einmal, dass man in Liestal den Gedanken aufgenommen habe.

Suche nach dem Nutzen für alle

Dort sieht man sich, wenn’s konkret werden soll, unter Zeitdruck: «Wir prüfen vertieft, ob wir einen Probebetrieb für eine neue Bennwiler Lösung in den 8. Leistungsauftrag aufnehmen können», erklärt öV-Planer Dominic Wyler. Und dieser Leistungsauftrag geht im Mai in die Vernehmlassung.

Wyler hat sich deshalb im Kanton Bern, wo mehrere Bürgerbuslinien von Gemeinden betreiben werden, informiert. Ein entscheidender Punkt wird die Finanzierung sein. «Im Kanton Bern bezahlen die Gemeinden mit an den öV, im Baselbiet ist dies seit 2010 nicht mehr der Fall», weist Wyler auf einen Unterschied hin. Man müsste ein Finanzierungsmodell für Baselbieter Bürgerbusse entwickeln. Klar ist: «Wünsche von Gemeinden, die über den vom Landrat beschlossenen Leistungsauftrag hinausgehen, werden von den Gemeinden finanziert, steht im Gesetz.»

Weiter müsste man die Anforderungen für den Erhalt einer Bundeskonzession klären. Dies entscheidet unter anderem, ob man in einem Bürgerbus auch Stehplätze anbieten darf. Nicht zuletzt stellt sich die Frage, ob und wie man eine solche Buslinie ins U-Abo einbinden könnte: Oft sind Bürgerbusse Insellösungen, in denen nur die eigenen Billette verkauft und anerkannt werden. Das Baselbieter öV-Gesetz schreibt aber vor, dass alle vom Kanton abgegoltenen öV-Linien einem Tarifverbund angeschlossen sein müssen.

Bei der BLT ist man über die laufenden Diskussionen und Abklärungen informiert und erachtet den Bürgerbus Bennwil als «einen möglichen Ansatz» für den 8. Leistungsauftrag.

In Bennwil ist sich Gemeindepräsidentin Scherrer bewusst, dass viele Fragen noch offen sind. «Wichtig ist aber: Es bewegt sich etwas. Schliesslich suchen wir eine Lösung, die für uns Sinn macht und dem Kanton trotzdem die erwünschte Einsparung bringt.»