Der Binninger Gemeinderat ist sich einig: Ohne Gegenstimme hat er diese Woche beschlossen, an seiner vorsorglichen Einsprache gegen die Wohngruppe Horizonte festzuhalten.

Die Wohngruppe Horizonte GmbH betreibt im Villenquartier ein Wohnheim für psychiatrische Patienten, die mit dem Strafgesetz in Konflikt geraten sind. Nach Interventionen der Anwohnerschaft beschloss das Bauinspektorat zu prüfen, ob der Betrieb eines solchen Wohnheims in diesem Gebiet bewilligungspflichtig und -fähig ist. Zu diesem Zweck musste die Firma ein Zweckänderungsgesuch einreichen, um im Einfamilienhaus eine Wohngruppe betreiben zu können. Bis zum 23. April konnten vorsorgliche Einsprachen eingereicht werden, die innerhalb von zehn Tagen zu begründen sind.

Die Gemeinde solidarisiert sich mit ihrer Eingabe mit den über 160 Einzelpersonen, die gemäss vorliegenden Informationen ebenfalls eine vorsorgliche Einsprache eingereicht haben. Dies sind deutlich mehr als etwa die knapp hundert Einsprachen, die vor Jahresfrist gegen geplante Sondierbohrungen für ein Atommüll-Tiefenlager eingegangen sind. Die Anwohnerschaft ist jedoch nicht nur hoch mobilisiert, sondern auch ebenso emotionalisiert.

In einem Nachbarschaftsaufruf heisst es in problematischer Diktion: «Drohen uns psychisch kranke Menschen in unserer Mitte?» Der Aufruf zeichnet ein Horrorszenario mit einer «unkontrollierten Zunahme an Störungen». Als Ziel wird nicht weniger als die Vertreibung der Wohngruppe aus dem Quartier angegeben.

Keine fachlichen Einwände

An finanziellen Mitteln fehlt es den Anwohnern nicht. Zwei Anwälte sind engagiert, um Einspracheentwürfe zu verfassen, die als modulierbare Schreiben von den Anwohnern unterschrieben und bis zum 3. Mai beim kantonalen Bauinspektorat eingereicht werden müssen.

Die Wohngruppe hat sich aus fachlicher Sicht nach vorliegenden Informationen nichts zu Schulden kommen lassen. Dies bestätigte Andreas Frei, Leiter der Fachstelle Forensik der Psychiatrie Baselland, der als externer Experte die Wohngruppe kennt. Der Bürgerwehr ähnlichen Mobilisierung steht die Wohngruppe jedoch hilflos gegenüber.

Alleinige Eigentümerin der Wohngruppe Horizonte GmbH ist Svetlana Arsenijevic. Auf eine telefonische Anfrage sagt sie, Horizonte sei für alle Gespräche offen. Konkrete Fragen wollte sie jedoch nicht beantworten und verweist auf den Heimleiter Samuel Mathys, der schriftlich zu erreichen sei. Mathys war bei der Gründung zur Hälfte Teilhaber, hat aber seit Anfang März gemäss Handelsregister keine Organfunktion mehr. Die gestrige Anfrage blieb unbeantwortet.