Rund um das geplante Bundesasylzentrum für bis zu 350 Asylbewerber im ehemaligen Zeughaus an der Oristalstrasse 100 in Liestal läuft alles anders, als man es bisher bei solchen Vorhaben gewohnt ist. Denn normalerweise ernten derartige Projekte massive Opposition bei Bevölkerung und Politikern der Standortgemeinde. Doch seit die bz Ende April erstmals vom Vorhaben berichtete, blieb es in Liestal völlig ruhig. Der vorgesehene Standort abseits von Wohngebieten, der trotzdem gut erschlossen ist, scheint von daher ideal zu sein.

Dafür rumort es dort, wo man es nicht erwartet hätte – innerhalb der kantonalen Verwaltung. Bereits am 30. April meinte der Baselbieter Polizeikommandant Mark Burkhard gegenüber der bz: «Rein aus Sicht der Polizei wäre eine solche Realisierung aber unglücklich, weil wir dort in den letzten Jahren investiert und unser Ausbildungszentrum aufgebaut haben.»

In der «Basler Zeitung» vom Montag liess nun auch Marcus Müller, Leiter des Amts für Militär und Bevölkerungsschutz, durchblicken, dass er nicht glücklich ist und spricht von resignierten Mitarbeitern, die wieder zu motivieren seien. Hintergrund des Frustes: In den letzten Jahren wurden im ehemaligen kantonalen Zeughaus an der Oristalstrasse diverse Aktivitäten rund um den Bevölkerungsschutz zusammengeführt. So werden mittlerweile hier Zivilschützer und Polizisten ausgebildet, aber auch Katastrophenmaterial gelagert. Laut «Basler Zeitung» investierte der Kanton seit 2008 dafür insgesamt 7,38 Millionen Franken.

Finanzdirektion am Pranger

Doch was öffentlich und unter Namensnennung an Vorbehalten ausgesprochen wird, ist nur die Spitze des Eisbergs. Hinter vorgehaltener Hand wird innerhalb der Sicherheitsdirektion weit massivere Kritik geäussert. So ist von verunglückter, verwaltungsinterner Kommunikation und nachhaltig zerschlagenem Geschirr die Rede. Adressat der Kritik ist die Finanzdirektion, die beim Kanton rund um das Bundesasylzentrum den Lead innehat.

Dort nimmt von der dreiköpfigen Kantonsdelegation mit Regierungsrat Anton Lauber, Sozialamtsvorsteher Sebastian Helmy und Asylkoordinator Rolf Rossi, die mit Bund und Standortgemeinde Liestal die bisherigen Verhandlungen rund um ein mögliches Bundesasylzentrum führte, das rangtiefste Mitglied Stellung. Rossi sagt: «Es handelt sich um einen ganz normalen Prozess und es ist verwaltungsintern nichts schiefgelaufen.» Fakt sei, dass die Regierung noch gar nichts beschlossen habe.

Und es sei auch völlig klar, dass jene Amtsstellen, die ihre Plätze allenfalls für ein Bundesasylzentrum räumen müssten, Realersatz erhielten. Das Zentrum komme erst ab 2019. Derzeit liege der Ball beim Bund, der entscheiden müsse, ob das alte Zeughaus, das zuoberst auf der Liste der möglichen Asylzentren in der Nordwestschweiz stehe, realisiert werden soll. Danach brauche es eine Vereinbarung von Bund, den Regierungen von Aargau, Baselland, Basel-Stadt und Solothurn sowie der Standortgemeinde Liestal. Erst dann folgten konkrete Verhandlungen. Ob bei diesen der Bund die über sieben Millionen Franken schweren Investitionen des Kantons, die aber nichts mit dem Asylzentrum zu tun haben, abgeltet, ist derzeit völlig offen.

Beim federführenden Bundesamt für Bauten und Logistik heisst es lediglich: «Grundsätzlich lässt sich sagen: Basis für Kaufpreis-Verhandlungen ist eine branchenübliche Liegenschaftsbewertung. Diese berücksichtigt die Lage, den Zustand der Gebäude und die aktuellen Marktverhältnisse.»