Dass der Kanton Baselland und der Bund «in Schlussverhandlungen» mit einem Grundbesitzer für den Standort eines Bundesasylzentrums in Pratteln stehen, wie die bz publik machte, schlägt hohe Wellen.

Allerdings nicht zugunsten des Projekts. Schloss der Prattler Gemeindepräsident Stephan Burgunder gegenüber der bz lediglich aus, dass das wichtigste Entwicklungsgebiet Salina Raurica Platz für ein Ausreisezentrum mit 250 Plätzen bieten könne, verschärfte er in der «Basler Zeitung» von gestern seinen Ton: «Wir haben dem Kanton mitgeteilt, dass ein Bundesasylzentrum in Pratteln nicht infrage kommt.»

Gemeinderat: Kein Areal geeignet

Da der Baselbieter Asylkoordinator Rolf Rossi darauf antwortete, dass es nur gehe, «wenn alle beteiligten Akteure einverstanden sind», muss eigentlich nüchtern festgehalten werden: Der Kanton und das Staatssekretariat für Migration (SEM) können ihre Verhandlungen mit dem bisher unbekannten Grundbesitzer abbrechen. Bloss: Ganz so einfach ist es nicht. Auf Nachfrage präzisiert Burgunder: «Die Absage des Gemeinderats fand bereits im Sommer statt und bezog sich auf ein konkretes Areal, das der Kanton uns vorlegte.»

Das generelle Nein zu einem Bundesasylzentrum sei seine persönliche Meinung, so der Freisinnige. Sollten der Kanton und das SEM mit einem anderen Vorschlag kommen, entscheide der Gesamtgemeinderat erneut. Allerdings: «Wir haben in unserem Gemeindegebiet kein Grundstück eruieren können, welches für ein solches Projekt infrage kommt», so Burgunder. Ob das Areal, bei dem die Verhandlungen laufen, immer noch dasselbe wie im Sommer ist, wisse er nicht. Jenes falle schon alleine deshalb aus dem Rennen, da mittlerweile andere Planungen dafür bestünden.

Laut dem für das Asylwesen zuständigen Gemeinderat Emanuel Trueb sei der Betrieb eines Asylzentrums auf diesem Areal, das zur Wohn- und Freizeitzone gehört, zudem nicht zonenkonform gewesen. Wobei: Bereits im Fall des provisorischen Bundesasylzentrums Feldreben in Muttenz wurde eine Umnutzungsbewilligung ausgestellt, damit der Betrieb auf dem alten Deponie-Areal erlaubt war.

Ein kleiner Hoffnungsschimmer besteht also aus Sicht des Kantons noch. Er bestätigt der bz denn auch schriftlich, dass die Verhandlungen weiterlaufen. Für alles Weitere heisst es nur noch: «Kein Kommentar.» Ein deutliches Zeichen dafür, wie viel auf dem Spiel steht. Schliesslich ist Pratteln die vorerst letzte Option nach Jahren der gescheiterten Evaluationen im ganzen Kanton. Dass sich der Kanton Aargau bis auf weiteres aus der Suche nach einem Standort für das dritte nötige Bundesasylzentrum in der Nordwestschweiz verabschiedet hat, setzt zusätzlichen Druck auf.

Braucht es die 250 Plätze wirklich?

Es besteht aber noch ein anderes Szenario, das immer mehr Politiker hinter vorgehaltener Hand äussern: Vielleicht könnte auch komplett auf das dritte Bundesasylzentrum neben dem bestehenden Basler Bässlergut und dem Projekt im solothurnischen Flumenthal verzichtet werden. Dies, weil die Asylgesuchszahlen nun viel tiefer sind als zum Zeitpunkt, als der Bund die Platz-Vorgaben festsetzte. Gemeinderat Trueb rechnet aber eher damit, dass sich das SEM bei Pratteln meldet, sollte der Standort weiter zur Diskussion stehen. Vielleicht würde es schon helfen, die Gemeinde ab jetzt vollständig über die Verhandlungen zu informieren. Trueb gibt zu: «Wir sind bis jetzt keine Akteure in diesem Geschäft und verfügen über wenig Informationen.»