Für die Römerstadt brachte das Jahr 2017 eine dicke Überraschung: Ohne grosse Ambitionen bewarb sich das Museum beim Bundesamt für Kultur für Betriebsbeiträge und erhielt – wie 13 andere Museen auch – den Zuschlag (wir berichteten). So kann Augusta Raurica im angelaufenen Jahr neu 250 000 Franken gezielt für definierte Projekte einsetzen.

Die Restaurierung des Gladiatorenmosaiks ist eines der grossen Vorhaben, das bereits angelaufen ist. Augusta Raurica erneuert eines seiner bedeutungsvollsten Fundstücke in Zusammenarbeit mit «Aventicum», dem römischen Museum in Avenches. «Derart umfangreiche Arbeiten müssen wir sorgfältig vorbereiten», sagt Karin Kob, Kommunikationsleiterin in Augusta Raurica. Der Aufwand sei gross, da die Mosaik-Stücke aus dem Depot hervorgeholt und anschliessend sorgfältige dokumentiert werden müssen.

Das Gladiatorenmosaik wurde 1961 an der Steinlerstrasse in Augst gefunden. Es lagerte im Boden eines nicht heizbaren Saales und misst ungefähr 6,5 auf 10 Meter. Ausgrabungsberichten zufolge gehörte es zum Speisesaal-Schmuck einer um 200 n. Chr. erbauten Herrschaftsvilla. Auf dem Mittelfeld, das in ein geometrisches Grundmuster eingebettet ist, sind Pflanzen- und Tierornamente dargestellt. Das zentrale Rechteck wurde 2015 in Zug nachgebaut. Als besonderer Schmuck gelten sechs Felder, die Kämpfe zwischen je zwei Gladiatoren zeigen. Abgebildet sind unterschiedliche Kategorien von Gladiatoren, wie sie auch in der antiken Literatur festgehalten sind. «Somit ist es eine Bebilderung von schriftlichen Quellen, was das Mosaik zu einem einzigartigen Objekt macht», sagt Kob.

Der Mittelteil des in 14 Teilstücken zertrennten Mosaiks befindet sich im Keller der Curia, dem antiken Rathaus in Augst. Bald wird es zur Restaurierung nach Avenches im Kanton Waadt transportiert. Bis September 2019 will das Museum die Restaurierungsarbeiten an den einzelnen Puzzleteilen des Gladiatorenmosaiks abschliessen. Dafür sind gemäss Kob maximal 300 000 Franken budgetiert. Wo das grosse Objekt einst ausgestellt werden könnte, ist noch ungewiss. Kob hierzu: «Wir versuchen, uns etwas einfallen zu lassen.»

Vier weitere Eckpfeiler

Ab 2020 fliessen für zwei Jahre sogar 400 000 Franken des Bundes nach Augusta Raurica. Dank den zusätzlichen Mitteln kann die Römerstadt bis dahin weitere ausserordentliche Vorhaben vorantreiben. Die mittlerweile unterschriebene Leistungsvereinbarung zwischen Bund und Museum sieht vier weitere Projekte vor. Augusta Raurica wird etwa die virtuelle Sammlung um rund 1700 Objekte erweitern. Dabei müssen die Verantwortlichen unter den insgesamt 1,8 Millionen Fundstücken eine Auswahl treffen.

In Zusammenarbeit mit der Fachhochschule sucht die Römerstadt ausserdem nach einer Möglichkeit, das Handels- und Gewerbehaus in der «Schmidmatt» in zeitgemässer Art zu vermitteln. «Möglich ist, dass wir eine virtuelle 3D-Begehung anstreben», sagt Kob hierzu. Die Schmidmatt steht unter einem Schutzgebäude und ist wegen der einbruchsgefährdeten Mauern nicht begehbar.

Ebenfalls Teil der Leistungsvereinbarung ist das Projekt «Kultur inklusiv». In enger Zusammenarbeit mit Behindertenorganisationen will Augusta Raurica dabei Menschen mit Beeinträchtigungen den barrierefreien Zugang zur römischen Kultur ermöglichen. Vom Bundesamt für Kultur vorgeschrieben ist die Ausweitung der relevanten Informationen auf drei Landessprachen. Augusta Raurica hat entschieden, künftig neben Deutsch, Französisch und Englisch, wichtige Informationen auch auf Italienisch zur Verfügung zu stellen.

«Somit verwenden wir die Bundesgelder zur Erhaltung der Kulturgüter für die Nachwelt, für Menschen mit Beeinträchtigung, für Fremdsprachige. Kurz: Wir setzten das Geld für die ganze Bevölkerung ein», sagt Kob.

Zeitgenössische Kultur

Abgesehen der Museums-Weiterentwicklung vermittelt Augusta Raurica auch 2018 zeitgenössische Kunst und Kultur. Grosser Höhepunkt des Programms wird im Juni eine dreiwöchige Darbietung von Rafal Lozano-Hemmer sein. In der ortsspezifischen und interaktiven Installation des mexikanisch-kanadischen Künstlers ist der Besucher Teil der Inszenierung.

Im Stimmen-Theater («Voice Theatre») zeichnet ein in der Mitte stationiertes Mikrofon Nachrichten, Gedanken oder Ideen auf. Sie werden in Echtzeit auf 120 Lautsprechern wiedergegeben. Daraus entsteht eine Choreografie aus Licht und Ton, die durch das Amphitheater wandert und nachhallt. Durchgeführt wird das «Voice Theatre» vom Haus der elektronischen Künste Basel.