Der Traum eines Eidgenössischen Schwingfests in Aesch droht frühzeitig zu platzen. Umweltschützer und betroffene Bauern haben bereits Widerstand angekündigt gegen den Grossanlass im Jahr 2022.

Der Basellandschaftliche Kantonalschwingerverband gibt sich aber längst nicht geschlagen: Er versucht nun, mit prominenten Baselbieter Politikern die Öffentlichkeit positiv zu stimmen für das «Eidgenössische», das in knapp sechs Jahren Zigtausende Schwingfans aus der ganzen Schweiz in die Ebene zwischen Aesch und Reinach locken soll.

Unter den prominenten Unterstützern findet sich überraschend der Name Claude Janiak: Der Baselbieter SP-Ständerat kommt mit Wort und Bild in der Machbarkeitsstudie vor, die der Verband demnächst vorstellen wird.

«Ja, ich wurde vom Schwingerverband angefragt, ob ich in der Machbarkeitsstudie ein Statement abgeben könne», sagt Janiak auf Anfrage der bz. Er stehe dem Anlass «grundsätzlich wohlwollend» gegenüber. «Die Machbarkeitsstudie wird jetzt zeigen, ob wir den Anlass in Aesch durchführen können.»

Schneider gegen Standort St. Jakob

Weitere Persönlichkeiten, die für die Studie ein Statement geliefert haben, sind unter anderen die Baselbieter CVP-Nationalrätin Elisabeth Schneider-Schneiter sowie ihr Ratskollege von der SVP, Thomas de Courten. Der Rünenberger äussert sich geradezu euphorisch: «Das ist fürs Baselbiet», sagt er zur bz, «eine prächtige Gelegenheit, sich der Schweiz von seiner besten Seite zu präsentieren.»

Er stehe «voll hinter dem Vorhaben». Ähnlich äussert sich die Biel-Benkemerin Schneider-Schneiter. Sie berichtet, dass ihr Vater Schwinger gewesen sei, daher fühle sie eine starke Verbundenheit zum Schwingsport. Im Gegensatz zu Janiak beurteilt sie die Realisierungschancen optimistischer.

Sie wisse vom Widerstand von Bauern und Umweltschützern. Die Machbarkeitsstudie müsse dem Naturschutz eine besonders grosse Beachtung schenken. «Ich denke aber, dass den Bedenken Rechnung getragen und eine für alle Involvierten zufriedenstellende Lösung getroffen werden kann.»

Ähnlich äussert sich Thomas de Courten. Dass das «Eidgenössische» alternativ im Gebiet St. Jakob durchgeführt werden könnte, hält Schneider-Schneiter indes für unrealistisch: «Dafür steht dort schlicht zu wenig Platz zur Verfügung.»

Den drei Bundespolitikern sind die Bedenken gegenüber dem Standort Aesch nicht entgangen. Darauf angesprochen, sagt Ständerat Janiak: «Ich habe manchmal das Gefühl, dass sehr früh schon kritisiert wird, bevor überhaupt feststeht, was genau auf einen zukommt.» Die Alternative St. Jakob mag er nicht kommentieren: «Das ist nicht meine Aufgabe.»

Maya Graf gegen Standort Aesch

Bereits früh sagte die Aescher Gemeindepräsidentin und Alt-Landrats-Präsidentin Marianne Hollinger (FDP), dass sie einem «Eidgenössischen» in Aesch gut gesinnt sei. Es geht jedoch ein Graben durch die Baselbieter Politik, zumindest in einem Fall auch mitten durch eine Partei: Die Baselbieter SVP zeigt sich gespalten in der Frage, ob Aesch der richtige Ort ist für das Eidgenössische Schwing- und Älplerfest.

Während Kantonalpartei-Präsident Oskar Kämpfer die Werbetrommel für Aesch 2022 rührt, spricht sich die Aescher Ortssektion klar gegen den Anlass aus. «Was nützt uns dieses Fest?», fragte deren Präsident Peter Lehner kürzlich in der bz.

Ablehnend äussert sich auch Grünen-Nationalrätin Maya Graf. «Ich unterstütze die Bauern und Naturschützer in jeder Beziehung», sagt sie in der jüngsten Ausgabe des «Schweizer Bauern».

Beim Projekt Aesch sei die Nachhaltigkeit nicht gegeben, der Grössenwahn müsse gestoppt werden. In diesem Punkt widerspricht ihr Thomas de Courten nicht. Es müsse auch nicht ein gigantisch grosses Fest werden, sagt er. «Auch Bescheidenheit ist eine Zierde.»