Der Schreck war gross. Die Maschine der British Airways aus Genf befand sich Mitte April im Landeanflug auf den Londoner Flughafen Heathrow, als es zum Zusammenstoss kam. Der Pilot glaubte, die Maschine sei mit einer Drohne kollidiert. Dennoch konnte Flug BA727 mit 132 Passagieren und 5 Crew-Mitgliedern an Bord sicher landen. Auch die Schweizer Rettungs-Flugwacht Rega hatte schon unerwünschte Begegnungen mit Drohnen. Ernsthaft passiert ist bisher aber nichts. Dennoch ist klar: Die Geräte könnten eine grosse Gefahr darstellen.

So kann es nicht weitergehen. Die Bevölkerung müsse vor solchen Gefahren besser geschützt werden, verlangen die Baselbieter SP-Nationalrätin Susanne Leutenegger Oberholzer und ihre Mitstreiter. Per Motion forderten sie den Bundesrat auf, das Bedrohungspotenzial zu untersuchen und entsprechende gesetzliche Grundlagen zu erarbeiten. Immerhin bewegen sich nach Schätzungen des Bundesamts für Zivilluftfahrt Bazl mittlerweile mindestens 20'000 unbemannte Luftfahrzeuge am Himmel über der Schweiz. Tendenz steigend.

Vorerst kein Handlungsbedarf

Ganz anders der Bundesrat: Er sieht derzeit keinen unmittelbaren Handlungsbedarf. Immerhin habe das Bazl in den vergangenen Jahren keine wesentlichen Vorfälle mit Drohnen oder Modellflugzeugen verzeichnet. Und der Bundesrat habe denn auch keine Anhaltspunkte dafür, dass bei Drohnen «Anarchie am Himmel» herrsche. Entsprechend beantragt er dem Parlament, die Motion abzulehnen.

Auch für den Basler Flughafen besteht vorerst kein Handlungsbedarf – allerdings aus anderen Gründen: «Am Euro-Airport hat es keinerlei Probleme mit Drohnen gegeben», so Sprecherin Vivienne Gaskell. Die Einschränkungen der französischen Luftfahrtbehörden seien sehr streng. So sind Drohnen im Gebiet des Flughafens absolut verboten. Gleiches gilt für den Überflug von Bevölkerungsgruppen und Stadtgebieten.

Andere Fachorganisationen sind da weniger optimistisch: Von 2013 bis September 2015 zählte der Airline-Verband Iata in einer eigenen Erhebung 856 Zwischenfälle oder Fast-Kollisionen mit ferngesteuerten Flugobjekten. Auch beim Schweizer Pilotenverband Aeropers sind Drohnen immer mehr ein Thema: «Drohnenflieger sind sich oft nicht bewusst, dass sie eine Gefahr für die Fliegerei darstellen.»

Die Strafbestimmungen bei Missachten der Regeln zum Betrieb von Drohnen und Modellflugzeugen seien im Luftfahrtgesetz klar geregelt, hält dagegen der Bundesrat fest. Er sei sich aber bewusst, «dass angesichts der rasanten Entwicklung der Technologie und der Einsatzmöglichkeiten von Drohnen künftig weitere Massnahmen zum Schutz von Menschen und Sachen am Boden erforderlich werden dürfen». Daher unterstütze er die auf europäischer Ebene angelaufenen Arbeiten an harmonisierten Bestimmungen für Drohnen.

Für Leutenegger reicht es nicht, wenn der Bundesrat vorerst nur die weitere Entwicklung abwarten will. Die SP-Nationalrätin verweist auf Aviatik-Experten, welche die Gesetzgebung in der Schweiz zum Schutz vor Drohnen als «zu salopp» erachteten. Der Luftraum sei besser vor dem Einsatz solcher Flugobjekte zu sichern.

Schutz auch für Privatsphäre

Ins Auge gefasst hat Leutenegger auch den Schutz der Privatsphäre oder besonders gefährdeter Einrichtungen wie Atomkraftwerke. Auch die Baselbieter Gemeinde Reinach hat hier die Zügel angezogen: Mit dem revidierten Polizeireglement soll es im Siedlungsgebiet nur noch möglich sein, über Privatgrundstücke zu fliegen.

Der Bundesrat dagegen spricht von nur einer «mässigen Bedrohung». Zumal: Auch beim Vorfall in London ist nicht erwiesen, dass eine Drohne für den Zusammenstoss mit der British-AirwaysMaschine verantwortlich war. «Es könnte auch ein Plastiksack gewesen sein», warnte der britische Verkehrsminister Richard Goodwill vor Überreaktionen. Noch immer laufen die Untersuchungen. Immerhin wurde das Flugzeug bei der Kollision nicht beschädigt, was die PlastiksackTheorie stützt.