Die Namen St. Margaretha und St. Laurentius deuten es an: Die Ursprünge der Kirchgemeinde Frenkendorf-Füllinsdorf reichen bis ins Frühmittelalter zurück. Dabei spielte das Dorf Munzach eine wichtige Rolle. Das bedeutet auch, dass diese Kirchgemeinde zu den ältesten Pfarreien des Baselbiets gehört. Am Sonntag waren ihre Mitglieder in besonderer Festlaune. Sie feierten das 400-jährige Bestehen der Frenkendörfer Kirche, die bis heute den Namen St. Margaretha trägt. Wir aber fragen uns, wo die Gottesdienste und andere kirchliche Anlässe vor 1618 stattgefunden hatten. Antworten finden wir in zwei fundierten Schriften von Reiner Jansen, einem ehemaligen Pfarrer der Kirchgemeinde.

Schauen wir aber zuerst auf 1618. Draussen in der grossen Welt löste der «Prager Fenstersturz» im Mai den verheerenden Dreissigjährigen Krieg aus. Im Sommer jenes Jahres aber wurde im kleinen Frenkendorf noch an der Kirche gearbeitet. Im Herbst konnte endlich der erste Gottesdienst gefeiert werden, und noch vor Jahresende wurde auch das erste Kind getauft. Gottlob blieb unsere Region, wie auch das ganze Territorium der heutigen Schweiz, bis auf Graubünden, von diesem brutalen Krieg verschont. Das Leben für die Landbewohner, Untertanen der Stadt Basel, war aber auch so schwer und entbehrungsreich genug.

Hartes Los der Landbevölkerung

Bei der harten Arbeit, der Armut und dem Elend, das oft beim Schnaps in den Wirtshäusern ertränkt wurde, bedeuteten christliche Anlässe und Seelsorge für viele Leute Zuflucht, Trost und Gottvertrauen. Pest-Epidemien und Naturkatastrophen stellten die geplagte Bevölkerung zusätzlich immer wieder auf die Probe. Es war ein Leben von ständig prekären Zuständen in bedrohlichen Zeiten. Nach der Basler Reformation von 1529 wurde auch die Landbevölkerung reformiert. Da die Kirche in der Stadt viel Einfluss hatte, benutzte die Obrigkeit die Pfarrherren gerne, um ihre Mandate – Verordnungen und Reglemente - von der Kanzel aus verkünden zu lassen. So wurden die Pfarrer zum Sprachrohr der Regierung. Erschwerend für die Frenkendörfer und die damals noch wenigen Füllinsdörfer, kam die Tatsache hinzu, dass sie sich nach Munzach begeben und dort die kleine Wallfahrtskirche St. Laurentius, erbaut auf den Fundamenten eines kleinen römischen Tempels, besuchen mussten.

Welche Rolle spielte Munzach?

Reiner Jansen erzählt in seiner überaus lesenswerten Schrift aus dem Jahre 1976 ausführlich die Geschichte der Kirchgemeinde, die bis 1618 «Munzach-Frenkendorf-Füllinsdorf» hiess. Das kleine Dorf, entstanden aus dem römischen Gutshof am Eingang zum Röserental bei Liestal, wurde bereits im 14. Jahrhundert aufgegeben. Nur die Kirche blieb bestehen. Sie lag an einer Quelle am Hang des Munzachbergs. Emanuel Büchel hatte sie 1751 gezeichnet, sodass wir über ihre Ausmasse gut Bescheid wissen. Im Jahr 1765 wurde aber auch sie abgerissen. Der Taufstein aus rotem Sandstein kam in die Sakristei der Stadtkirche von Liestal. Erst 1951 fand er durch Vermittlung von Pfarrer Walter Scheibler in der Frenkendörfer Kirche einen neuen Standort. So bleibt das Band zwischen St. Laurentius in Munzach und St. Margaretha in Frenkendorf bestehen.

Liestal war auch für die erwähnte frühere Kirchgemeinde verantwortlich. Ein Pfarrer wurde jeweils eingesetzt und diente als «Helfer» für die Bewohner der beiden Nachbardörfer. Der Wunsch der Frenkendörfer nach einer eigenen Kirche kam dann im späten 16. Jahrhundert auf. Er war durchaus berechtigt, denn der Weg in die Wildnis nach Munzach erwies sich als mühsam und beschwerlich. Besonders im Herbst und Winter bei Regen, Wind, Schnee und Kälte war die Kleidung keineswegs «wettertauglich».

Von der Kapelle zur Kirche

Es gab zwar eine Kapelle, eine Stiftung des Chorherrenstifts Zofingen und im Hochmittelalter erbaut, die aber für Gottesdienste zu klein war. Mit den Jahren wurde sie immer baufälliger. 1599 fiel sogar die Glocke vom kleinen Turm herunter und zerschlug das Dach. Die Gelegenheit, die kleine Kapelle auszubauen und in eine Kirche umzuwandeln, war also günstig.

Es dauerte indes noch einige Jahre, bis man in Liestal und Basel ein Einsehen für den Wunsch der Frenkendörfer hatte. Erst 1615 wurde der Stadtschreiber von Basel beauftragt, über das «Kilchlin» zu berichten und einen Kostenvoranschlag einzureichen. Endlich ging es vorwärts. Die Ausstattung wurde grosszügig an die Hand genommen, unter anderem mit der Kanzel, einer Empore und dem Abendmahlstisch von 1617. So verwandelte sich die Kapelle 1618 zur Dorfkirche, und «mehr und mehr», wie Jansen schreibt, «war Frenkendorf zum Mittelpunkt der alten Kirchgemeinde Munzach geworden».

* Der Autor ist Baselbieter Autor, Literat und Lokalhistoriker. Im Jahr 2017 war er Präsident der Kirchenpflege. Er wohnt in Füllinsdorf.

Quellen (u. a.): Reiner Jansen, Munzach-Frenkendorf-Füllinsdorf, Geschichte einer Kirchgemeinde, 1976, Liestal.

Reiner Jansen, Die Kirche St. Margaretha in Frenkendorf, 2005, Füllinsdorf.