Die Schäden, die der Wintersturm «Burglind» in beiden Basel angerichtet hat, sind beträchtlich. Auch zwei Tage, nachdem das Sturmtief über die Region gefegt ist, können einige Strassen nicht befahren werden. Die kantonalen Gebäudeversicherungen rechnen mit einer Schadenssumme von gut sechs Millionen Franken.

Schock nach den Ferien

Bei der Basellandschaftlichen Gebäudeversicherung (BGV) liefen die Telefone heiss. «Wir rechnen damit, dass sich auch in den kommenden Tagen noch viele Geschädigte bei uns melden werden», erklärt Leiter Peter Bächtold. Einige davon würden noch in den Ferien weilen und erst bei ihrer Rückkehr bemerken, welche Schäden der Sturm während ihrer Abwesenheit an ihrem Zuhause angerichtet hat. Bisher gingen bei der BGV 920 Meldungen mit einer geschätzten Gesamtschadenssumme von rund 2,3 Millionen Franken ein. Bächtold prognostiziert, dass diese Summe in den nächsten Wochen auf drei bis vier Millionen Franken ansteigen wird. Er rechnet mit insgesamt 1500 bis 2000 Schadensmeldungen.
Es gebe im Kanton Baselland keine Regionen, die besonders stark vom Sturm in Mitleidenschaft gezogen worden seien. «Vielmehr erreichten uns Schadensmeldungen aus dem ganzen Kantonsgebiet.» Oftmals handle es sich dabei um kleinere Schäden an Dächern und an Fassaden, sagt Peter Bächtold. Zudem hätten mancherorts umgeknickte Bäume und Äste Schäden an Gebäuden angerichtet.

Bis gestern sind bei der Baselbieter Polizei 170 Meldungen eingegangen. «Die meisten davon betreffen umgestürzte Bäume», erklärt Sprecher Marcel Wyss. Aus Sicherheitsgründen sind die Strassen von der Windentalhöhe nach Hersberg sowie von Hersberg nach Nusshof noch immer gesperrt. «Hier können derzeit Bäume auf die Fahrbahn fallen», so Wyss. Man sei momentan daran, die Gefahren zu beheben. Auch die Eigentalstrasse von Muttenz nach Gempen war gestern nicht befahrbar, wie die Gemeinde Muttenz mitteilte. In Wahlen im Laufental sind gemäss Polizei einige Strommasten umgestürzt.


Rhein droht Hochwasser

Peter Blumer, Direktor der Gebäudeversicherung Basel-Stadt (GVBS), betont, dass ihm die durch «Burglind» angerichteten Schäden «kein grosses Bauchweh» bereiten würden. Zum Glück habe der Sturm im Stadtkanton «keine offenen Hausdächer und zertrümmerte Häuser» hinterlassen. Vor sechs Jahren habe ein Hagelsturm innert weniger Minuten einen Schaden von gegen sechs Millionen Franken angerichtet. Beim Sturm vom Mittwoch rechnet Blumer mit einem Gesamtschaden von zwei bis drei Millionen Franken. Bisher haben sich knapp 200 Personen bei der GVBS gemeldet. Der Direktor geht davon aus, dass die Zahl der Geschädigten in den nächsten Tagen auf 500 ansteigen wird. Schäden seien vor allem «an den Bedachungen sowie als Folge geknickter Bäume enstanden».

Auf den Sturm, der auf der Chrischona am Mittwochmorgen Geschwindigkeiten von bis zu 162 Kilometern pro Stunde erreichte, folgten am Nachmittag Niederschläge. Auch am Donnerstag regnete es beinahe ohne Unterbruch. Das Naturgefahrenportal des Bundes hat gestern für den Rhein von der Mündung Aare bis zur Mündung Ergolz eine Hochwasserwarnung herausgegeben. Die für dieses Gebiet ausgesprochene Gefahrenstufe 3 bedeutet, dass es an exponierten Stellen zu Überflutungen kommen kann. In der Fricktaler Gemeinde Wallbach setzte der Krisenstab sogenannte Beaver-Schläuche ein. Die Hochwasserwarnung gilt noch bis Samstagmittag. Es wird empfohlen, sich vom Rhein fernzuhalten.

Dasselbe gilt bis auf Weiteres auch für den Wald. «Mit einer Entspannung der Situation ist frühestens Ende Januar zu rechnen. Wir erwarten in den nächsten Tagen immer wieder starke Böen», erklärt Ueli Meier, Vorsteher des Amts für Wald beider Basel. Bis dahin rate er davon ab, Waldgebiete aufzusuchen. Es gebe viele Bäume und Äste, die umzustürzen drohen. «Wenn es regnet, hört man das Knacken nicht», sagt er. Den entstandenen Schaden schätzt er auf 30 000 Kubikmeter Holz. Zum Vergleich: Beim deutlich stärkeren Orkan «Lothar» waren es 200 000 Kubikmeter Holz gewesen.