Oberwil hat diese Woche verkündet, dass die Entwicklungshilfe auf 12'000 Franken pro Jahr verdoppelt wird. Neu unterstützt die Gemeinde drei NGO aus oder mit Bezug zu Oberwil. Für diese kleinen Organisationen ist ein Zewo-Zertifikat oft zu teuer. Zewo ist die schweizerische Zertifizierungsstelle für gemeinnützige, Spenden sammelnde Organisationen.

Der Gemeinderat hat die Beiträge für mehrere Jahre gesprochen. Die Projekte würden aber jedes Jahr überprüft, versichert Gemeindepräsidentin Lotti Stokar (Grüne) und fügt an: «Mit der neuen Strategie drücken wir unsere Wertschätzung gegenüber dem Engagement von Oberwiler Einwohnern aus.» Zudem unterstützt Oberwil als Patengemeinde ärmere Ortschaften mit jährlich 25'000 Franken, meistens ein Dorf im Jura.

Reinach bevorzugt regionale NGO

Reinach geht ähnlich vor wie Oberwil. Im Budget macht die Entwicklungshilfe etwa 20'000 Franken aus. «Wir prüfen die Anträge, die reinkommen, doch die grossen Beiträge von 5000 oder 10'000 Franken gehen an Organisationen mit Bezug zu Reinach», sagt CVP-Gemeinderätin Bianca Maag-Streit. Das sei schon seit jeher so.

Reinach will Projekte über längere Zeit unterstützen – etwa fünf Jahre lang. Danach kommt eine andere Organisation zum Zug. «Die Leute, die hinter der Organisation stehen, kennen wir meistens», sagt Maag.

Binningen schaut auf die Zertifizierung

Einen etwas anderen Weg geht Binningen, das jedes Jahr 50'000 Franken verteilt. Finanzielle Unterstützung erhalten regionale und weltweit tätige Organisationen mit Zewo-Zertifikat. «Das gibt uns die Sicherheit, dass es sich um eine seriöse Institution handelt», sagt Gemeindepräsident Mike Keller (FDP).

Ihm sei bewusst, dass sich kleine, regionale Organisationen kein Zewo-Zertifikat leisten können. «In diesen Fällen prüft einerseits unsere Verwaltung die Organisation und die eingereichten Unterlagen», sagt Keller. Anderseits würden gerade die kleineren Institutionen oftmals aufgrund von Referenzen von Personen unterstützt, die einen persönlichen Bezug zu Binningen haben.

Aesch inspiriert Birsfelden

In Münchenstein variiert die Höhe der Entwicklungshilfe von Jahr zu Jahr. Je nach Finanzlage vergibt die Gemeinde 30'000 bis 50'000 Franken. Der Gemeinderat berücksichtigt primär Schweizer Organisationen, prüft aber auch andere Anträge. Münchenstein engagiert sich kaum langfristig. Jedes Jahr werden Anregungen aus der Gemeindekommission geprüft.

«Der Spender will näher am Projekt sein. Er will ein Gesicht sehen, auch das der Organisation», sagt Roger Tinner, Geschäftsführer des Berufsverbands Swissfundraising. Er vermutet, dass sich der Trend bei den Privatspendern auch auf die Gemeinden überträgt. «NGO, die in der Gemeinde verankert sind, haben dadurch sicher einen Vertrauensvorsprung», sagt Tinner.

Und dass viel über persönliche Kontakte geschieht, zeigt ein Brunnen in Burkina Faso. Dieser wird von Aesch und Birsfelden mitfinanziert. Aeschs Gemeindepräsidentin Marianne Hollinger hat an einem Treffen der Gemeindepräsidenten ihrem Birsfelder Kollegen Claudio Botti vom geplanten Brunnen erzählt. Dieser hat daraufhin das Projekt seinen Kollegen im Gemeinderat schmackhaft gemacht.