In vielen Gemeinden rund um Basel kämpft die Fasnacht ums Überleben. So fehlt etwa in Oberwil der Nachwuchs oder in Binningen das Geld (die bz berichtete). Ab dem kommenden Jahr gesellt sich nun ein neues Problem hinzu: Die Basler Verkehrsbetriebe (BVB) berechnen die Kosten für Betriebsausfälle und Umleitungen, die ihr wegen der Umzüge entstehen, nicht mehr als Pauschale, sondern nach dem jeweiligen Zusatzaufwand. Die Allschwiler Fasnacht kostet so plötzlich 17 000 Franken mehr: 23 000 statt wie bisher 6000. Diese Beträge wurden an der jüngsten Sitzung des Allschwiler Einwohnerrats genannt. Wie an vielen anderen Orten auch, trägt in Allschwil die Gemeinde die Umleitungskosten.

«Versteckte Subvention»

«Würde der Betrag auch in Binningen um Tausende Franken hochschnellen, so wäre das für uns der Killer», sagt Romeo Schmid, Präsident des Fasnachts-Comités Binningen. Was ihn befremde: Über den Preisaufschlag informiert worden sei das Comité von den BVB nie.

In Binningen werden die Umleitungskosten laut Schmid seit Jahren hälftig von diesem und von der Gemeinde bezahlt. Der zuständige Gemeinderat Daniel Nyffenegger sagt, man habe zwar vernommen, dass die BVB die Tarife anheben wollten, den exakten neuen Betrag kenne er aber nicht. Anders tönt es vom Unternehmen selber. Die BVB teilen auf Anfrage mit, dass sie sämtliche betroffenen Gemeinden «über die neue Kostenberechnung gleichermassen in Kenntnis gesetzt» hätten – bisher sei ihr kein Verhandlungsbedarf bekannt.

Grund für die Tarifanpassung ist laut BVB, dass das Unternehmen dazu angehalten worden sei, die Mehrkosten aufgrund von Verkehrsbehinderungen den Verursachern in Rechnung zu stellen. Die bisher angewendete Pauschale sei «bei weitem nicht kostendeckend» gewesen. «Es gab demnach jahrelang eine versteckte Subvention der Allschwiler Fasnacht durch die BVB», schreibt das Unternehmen. Aufgrund der Sparvorgaben, die der Kanton Basel-Stadt in der Eignerstrategie festgehalten habe, sei dies «künftig nicht mehr möglich».

Anders als in Binningen ist die Fasnacht in Allschwil aufgrund der Erhöhung nicht gefährdet. Die Gemeinde wird den Betrag auch künftig übernehmen. Für die Umleitungskosten kam bis anhin auch Birsfelden auf, als dritte vom neuen Fasnachtstarif betroffene Gemeinde. Sie kam – so lässt sich aus den Auskünften der BVB schliessen – bisher ebenfalls in den Genuss der 6000-Franken-Pauschale. Wie hoch nun der Zuschlag ausfällt, konnte die Gemeindeverwaltung gestern nicht in Erfahrung bringen; die zuständige Person weilt in den Ferien.

In Binningen ist der Aufschlag besonders delikat. Denn schon in diesem Jahr hätte der Umzug gar nicht mehr stattfinden können, wäre nicht die Gemeinde mit einem Notbatzen in der Höhe von 3500 Franken eingesprungen. Gingen die BVB mit dem Tarif rauf wie in Allschwil, sagt Comité-Präsident Romeo Schmid, dann sei mit Fasnacht in Binningen «wirklich bald Schluss».