Das Zeitalter von Diesel- und Gasbussen im öffentlichen Verkehr gehört bald der Vergangenheit an. Recherchen der bz zeigen: Die Basler BVB wollen bei der nächsten Ausschreibung 2020/22, bei der die Hälfte der Busflotte neu beschafft wird, voll auf elektrisch angetriebene Fahrzeuge setzen. Dies bestätigt Sprecherin Claudia Demel auf Anfrage: «Die Geschäftsleitung hat den Grundsatzentscheid so getroffen.» Nun brauche es aber noch den formalen, finalen Entscheid des Verwaltungsrates. Dieser sollte demnächst fallen. Dass der Verwaltungsrat den Umstieg auf die Elektromobilität noch ausbremst, ist unwahrscheinlich. Die neue VR-Präsidentin Yvonne Hunkeler hat bereits im Februar kurz nach ihrem Amtsantritt in der bz den Tarif durchgegeben: «Das Ziel ist, möglichst bald voll elektrisch zu fahren.» Spätestens ab 2027 muss dann die Flotte mit 100 Prozent erneuerbaren Energien fahren. Dies ist gesetzlich so vorgeschrieben.

Auch das Basler Parlament hat sich im Frühling für die rasche Anschaffung der Elektrobusse ausgesprochen. Die Mehrkosten soll der Kanton übernehmen. Denn die E-Fahrzeuge dürften beim Kauf teurer sein als die zuletzt beschafften Dieselbusse. Stolze 800'000 Franken blätterten die BVB Anfang Jahr für ihren ersten Elektrobus hin, plus 300'000 Franken für die Ladestation. Zum Vergleich: Ein Dieselbus schlägt mit rund 670'000 Franken zu Buche. Dafür dürften Energie und Unterhaltskosten beim Elektrobus tiefer sein.

37er-Bus als ideale Teststrecke

Der VDL Citea SLFA-180 Electric, wie der Elektrobus aus Holland offiziell heisst, soll noch diesen Herbst auf den Linien der BVB auf seine Alltagstauglichkeit getestet werden. So will das Unternehmen Erfahrungen für die Umstellung des Busbetriebes sammeln. Spannend wird vor allem die Organisation. Die drei Tonnen schweren Batterien auf dem Dach reichen für rund 130 Kilometer Fahrt, im Winter aufgrund der Heizung für weniger. Der Bus muss also nach fünf bis sechs Stunden für eine halbe Stunde in die Garage zum Laden.

Nicht nur die BVB wollen elektrisch Gas geben, auch die Baselland Transport AG (BLT) ist Feuer und Flamme für die CO2-freie Antriebsart. Direktor Andreas Büttiker kündigt auf Anfrage der bz an, dass sein Unternehmen schon im März 2019 die Beschaffung von fünf Elektrobussen ausschreiben will. Dies für einen mehrjährigen Testbetrieb auf der Strecke des 37ers, der Mitte 2020 starten soll. Damit würden unter anderem die beiden Spitäler Bruderholz und Bethesda künftig per E-Bus bedient.

«Wir wollen bei den Elektrobussen vorne dabei sein, weil da jetzt wirklich die Post abgeht», sagt Büttiker. Die relativ kurze Strecke des 37ers, der werktags zu Stosszeiten zwischen Bottmingen Schloss übers Bruderholz zum Aeschenplatz pendelt, eigne sich ideal für einen langen Test. Denn hier gibt es sowohl Überland-Abschnitte mit Steigungen wie auch flache urbane Teilstrecken. «Gemäss unseren Berechnungen müsste eine Batterieladung genau für einmal hin und zurück reichen. So bräuchte es keine Ladestation am Aeschenplatz», sagt Büttiker. Die BLT plant stattdessen eine Ladestation bei der Wendeschlaufe Bottmingen Schloss sowie eine beim Depot in Oberwil.

Im Gegensatz zu den BVB hält Büttiker es noch für zu früh, um die ganze BLT-Busflotte auf E-Antrieb umzustellen: «Baselland ist geographisch ein heterogener Kanton. Die heutigen E-Busse sind in punkto Reichweite noch nicht auf längere Überland-Strecken, sondern eher auf den urbanen Raum ausgerichtet.» Ob der Test mit dem 37er wirklich zustande kommt, hängt wie in der Stadt von der Politik ab. «Ohne finanzielle Unterstützung des Kantons können wir es nicht machen», sagt Büttiker klar. Die Kosten für die fünf Busse und die Infrastruktur kann er noch nicht genau beziffern, nennt sie aber «überschaubar». Auch Anträge auf Bundesmittel hätten laut Büttiker wohl gute Chancen.

Baselbieter Grüne machen Druck

Perfekt zu den BLT-Plänen passen zwei Motionen, die die Grünen-Landrätin Florence Brenzikofer am Donnerstag einreichen möchte und die der bz bereits vorliegen. Eine fordert die Regierung auf, «einen E-Bus-Testbetrieb in den Leistungsauftrag 2020/21 aufzunehmen». Und die zweite verlangt, dass ab 2024 mindestens die Hälfte der Bus-Neuanschaffungen im Kanton einen CO2-freien Antrieb aufweisen müssen. Letztere Forderung nennt Büttiker «sportlich, aber nicht unmöglich».