Der 18-jährige Jugendstraftäter «Carlos», der die Schweizer Öffentlichkeit seit geraumer Zeit beschäftigt, verbringt den ersten Teil des neu eingerichteten Sondersettings in einem Kampfsport-Zentrum in den Niederlanden. Dort werde er eng vom Thai-Box-Trainer Shemsi Beqiri begleitet, wie die »Neue Zürcher Zeitung (NZZ)» schreibt.

«Carlos» weile bereits seit letztem Freitag in den Niederlanden und zwar im Kampfsport-Zentrum von Dennis Krauweel, dem niederländischen Manager von Beqiri.

Inzwischen ist auch Shemsi Beqiri, der letzte Woche wegen einer Schlägerei in seinem Trainingscenter in Reinach BL noch mit Knochenbrüchen im Spital lag, in Holland eingetroffen.
Die «NZZ» beruft sich auf das Umfeld des Kampfsport-Zentrums. Die Aussagen würden auch von weiteren Quellen gestützt werden.

Um unerkannt ausser Landes zu gelangen, reiste «Carlos» mit dem Auto in die Niederland.

Woher kommt Sonderbewilligung

Der 18-Jährige brauchte für seine Auslandreise eine Bewilligung der Oberjugendstaatsanwaltschaft. Sogenannte Intensivtäter, also solche die innert eines halben Jahres fünf Delikte begangen haben, bekommen im Kanton Zürich aber keine solche Bewilligung.

Carlos ist ein solcher Intensivtäter. Sonderbewilligung für einen Aufenthalt im Ausland wurden beim ihm bisher von der Oberjugendstaatsanwaltschaft stets abgelehnt, weil diese von einer hohen Rückfallgefahr ausgeht.
«Carlos» hat nun aber offenbar doch eine solche Bewilligung erhalten. Marcel Riesen, der Leitende Oberjugendstaatsanwalt, wollte gegenüber der «NZZ» aber keine Stellung nehmen.

In den Niederlanden werde Carlos einzig von einer Mitarbeiterin der Therapieeinrichtung Riesen-Oggenfuss betreut. Und er soll in einem sehr luxuriösen Hotel untergebracht sein - ausgestattet mit Pool, Fitnesscenter und Sauna.

Justizdirektor Graf in Nöten

Dieser Aufenthalt gelte als erste Phase des neuen Sondersettings, in der zweiten Phase sei dann nur noch eine einfache Wohnung vorgesehen. Kosten: 19'000 Franken pro Monat.

Dieses Setting widerspricht diametral den Beteuerungen von Regierungsrat Martin Graf, der letzte Woche eine weitere Zusammenarbeit mit dem wegen eines Gewaltdelikts vorbestraften Beqiri kategorisch ausgeschlossen hatte.

Oberjugendanwalt Marcel Riesen: Gesamtkosten waren zu hoch

Oberjugendanwalt Marcel Riesen: Gesamtkosten waren zu hoch