Die Chaisen hätten an der Basler Fasnacht nichts mehr zu suchen. Das sagte Nadja Wüthrich, Präsidentin des Tierschutzbunds Basel Regional (TSB), am Samstag in der bz. Die Pferde hätten unter dem Lärm und Rummel zu leiden, ist sie überzeugt. Die meisten dieser Tiere würden «mit Beruhigungsmitteln sediert», damit sie nicht durchbrennen.

Dass ihre Pferde leiden müssten, sei nicht wahr, entgegnen nun zwei Aktive, die seit Jahrzehnten in Chaisen am Cortège unterwegs sind. «Die Tiere sind sich den Trubel und die Menschenmassen gewohnt», sagt «Alti Tante» Mary Pfeffer aus Aesch von den Fazeneetli. «Deshalb müssen wir sie auch nicht mit Medikamenten dopen oder irgendetwas in dieser Art.» Lothar Hollenstein, Gründungsmitglied der Breesmeli Chaise (1979), pflichtet ihr bei: «Ich kann zwar nicht für alle reden. Aber wir würden mit Tieren, die ruhig gestellt sind, gar nicht erst losfahren.»

Kinder wollen streicheln

Zwar könne es unmittelbar vor oder hinter einer Gugge schon sehr laut werden, räumt Mary Pfeffer ein. Die Tiere würden dann «die Ohren stellen», aber ruhig bleiben. Auch würden die Kutscher eine allfällige brenzlige Situation sofort erkennen. Lothar Hollenstein sagt, er könne sich an keinen einzigen ernsthaften Vorfall an der Fasnacht erinnern, bei dem Pferde involviert gewesen seien. «Vielleicht stand mal ein Tier jemandem auf den Fuss – das kann sein.»

Nadja Wüthrich vom Tierschutzbund sagt, sie habe auf den Artikel viele Reaktionen erhalten, die sie in ihrer Haltung bestärken würden. Ihr sei bewusst, dass sie es mit einer Tradition zu tun habe. «Aber wir werden immer wieder von Mitgliedern kontaktiert, die uns auf die leidenden Pferde an der Fasnacht aufmerksam machen. Es ist unser Job, dem nachzugehen.»

Wüthrich schlägt unter anderem vor, die Pferde durch Traktoren oder Velos zu ersetzen. Damit gehe aber zu viel verloren, warnt Mary Pfeffer: «Sie können sich nicht vorstellen, welche Reaktionen wir auslösen. Ältere Leute kommen ins Schwärmen, es sei wie früher auf dem Land. Und die Kinder wollen die Pferde streicheln, was diese geniessen.» Auch die Rücksichtnahme der anderen Aktiven ist laut Pfeffer gut.

Lothar Hollenstein bezeichnet das Vorgehen des Tierschutzverbunds als unnötig. Schon Ende der 1980er-Jahre hätten Tierschützer ähnliche Forderungen aufgestellt. «Wir haben dann als Reaktion darauf 1991 die IG Chaise gegründet.» Heute seien die Pflichten der Chaisen unter anderem in der Verkehrsordnung und der Polizeiverordnung zur Fasnacht geregelt.

Das Fasnachts-Comité hat ein Treffen mit allen Beteiligten in Aussicht gestellt. Nadja Wüthrich zeigt sich durchaus kompromissbereit – statt eines Verbots schlägt sie vor, dass die Kutschen die Route an der Spitze abfahren: «Die Chaisen könnten den Cortège jeweils gemeinsam eröffnen und ihn dann wieder verlassen. Das würde die Pferde weniger Stress aussetzen.»

Chaisen immer seltener

Die Chaisen haben nicht nur mit der Kritik von Tierschützern zu kämpfen, auch Nachwuchsprobleme plagen sie. Waren früher Pferde die üblichen «Zugmotoren» und entsprechend stark verbreitet, zählte das Comité in diesem Jahr nur noch 19 Pferdekutschen.

Mary Pfeffer glaubt, dass die hohen Kosten viele abschrecken würden. Die Fazeneetli mieten jeweils ein Zweiergespann von einem Gestüt in Wohlen AG; insgesamt kommt die Gruppe die Fasnacht laut Pfeffer auf über 3000 Franken zu stehen. Da in einer Kutsche nur wenig Leute Platz hätten, sei der Betrag pro Person «doch ziemlich hoch».