Für ältere Menschen ist es ein schwerer Schritt mit meist einschneidenden Folgen. Obwohl sie noch Autofahren dürften, geben sie ihren Führerausweis aus freien Stücken zurück und verzichten freiwillig aufs Autofahren – weil sie das Gefühl haben, es wäre halt doch besser, wenn sie nicht mehr im Strassenverkehr unterwegs sind. Besser für sie selber, vor allem aber für alle anderen.

Doch bislang haben die Verzichtenden für ihr vorbildliches Verhalten von der zuständigen Behörde lediglich ein trockenes Schreiben erhalten – zumindest im Landkanton. Die Motorfahrzeug-Kontrolle Baselland setzte die Adressaten darüber in Kenntnis, dass die Rückgabe mit einem Entzug des Ausweises gleichzusetzen sei. Kein Wort des Dankes oder der Anerkennung.

Neuerdings ist das nicht mehr so. Die Motorfahrzeug-Kontrolle hat das Schreiben angepasst. Es ist nun kürzer – und schon nach dem ersten Satz folgt es, das vermisste «Merci»: «Wir bestätigen Ihnen die Abgabe Ihres Führerausweises. Hierfür bedanken wir uns bei Ihnen.»

«Für uns ein üblicher Vorgang»

Ebenso macht die Motorfahrzeug-Kontrolle die Empfänger auf das Angebot der SBB aufmerksam. Die Bundesbahnen offerieren allen, die freiwillig aufs Autofahren verzichten, einen Gutschein. Er kann gegen Bahnbillette oder Abonnemente eingetauscht werden.

«Wir haben das Antwortschreiben per Anfang April neu aufgesetzt», sagt Pascal Donati, Leiter der Baselbieter Motorfahrzeug-Kontrolle, zur bz. Zu den geäusserten Bedenken, die Formulierungen des früheren Bestätigungsbriefes seien zu harsch, sagt er: «Wir haben die Kritikpunkte zur Kenntnis genommen und umgehend reagiert. Unsere Korrespondenz wird regelmässig überprüft und angepasst. Für uns ist das ein üblicher Vorgang.»

Der Hinweis auf die rechtliche Situation, die sich nicht geändert hat, ist nun neu in der Fusszeile enthalten.

Nach dem Beitrag in der bz reagierte auch die Politik. Simon Oberbeck, CVP-Landrat aus Birsfelden, forderte in einem Vorstoss, dass Personen, die freiwillig aufs Autofahren verzichten und ihren Führerausweis abgeben, zu danken sei. Ausweisrückgaben aus freien Stücken sollten gemäss Oberbeck «künftig mit mehr Wertschätzung» begegnet werden. Die zuständige Behörde sei «entsprechend anzuweisen», hiess es in der Motion.

Ansonsten würden ältere Menschen, die ebenfalls mit dem Gedanken spielten, aufs Auto zu verzichten, abgeschreckt. Das müsse um jeden Preis verhindert werden. Dieser Punkt ist jetzt obsolet geworden mit dem neuen sanfteren Duktus der Motorfahrzeug-Kontrolle.

Ausweis als Andenken

Oberbecks Motion enthielt eine zweite Forderung: Der Kanton Baselland solle die Möglichkeit zur temporären Ausweisrückgabe anbieten, wie das in zahlreichen anderen Kantonen üblich sei, so auch in Basel-Stadt.

Doch auch im Kanton Baselland kann das Dokument hinterlegt werden. Darauf wird im Antwortschreiben ebenfalls aufmerksam gemacht. Will jemand sein abgegebenes «Billett» zurück, kann er das innerhalb von zwei Jahren tun. Benötigt wird dazu lediglich ein positiver Untersuchungsbericht eines berechtigten Arztes. Das Ausweishinterlegen ist laut Pascal Donati kostenlos.

Dem Schreiben der Motorfahrzeugkontrolle liegt noch etwas bei. Es ist der gelochte und somit ungültige Führerausweis. Die Besitzer dürften ihn behalten, heisst es im Brief – «als Andenken».