Sein Geschäftsmodell sorgte schweizweit für Aufsehen: Mustafa Z.* soll mit seiner in Lausen domizilierten, mittlerweile konkursiten Firma "Office Service Discount GmbH" Hunderte fingierte Rechnungen für Büromaterial verschickt haben, das nicht bestellt worden war. Mit einem ausgeklügelten System sorgte der 34-jährige Türke dafür, dass weit über 100 Empfänger der Rechnungen - darunter etliche Gemeinden - die nicht geschuldeten Beträge irrtümlich bezahlten. In den meisten Fällen wurden die Drucker-Toner oder übriges Material nicht geliefert. 300000 Franken soll sich der Büro-Betrüger auf diese Weise zwischen Mitte 2013 und Ende 2015 ergaunert haben.

Akte füllt 40 Bundesordner

Die Baselbieter Staatsanwaltschaft hat nun gegen den ehemaligen Geschäftsführer wegen Betrugs und anderen Delikten Anklage erhoben, teilte sie am Dienstag mit. Der Stawa-Kommunikationsbeauftragte Nico Buschauer spricht von einem "aussergewöhnlichen Fall". Weniger wegen der Deliktsumme als wegen der hohen Anzahl Geschädigter. Entsprechend aufwändig gestalteten sich gemäss Buschauer die Ermittlungen. Die Akte Mustafa Z. füllt bei der Stawa nicht weniger als 40 (!) Bundesordner. 

Der Fall ist auch wegen der Vorgeschichte brisant: Der Beschuldigte wurde bereits am 24. März 2015 - ziemlich genau vor einem Jahr - festgenommen; die Staatsanwaltschaft beantragte damals Untersuchungshaft für Mustafa Z.; dies um potenziell weitere Geschädigte vor den Geschäftspraktiken der luschen Firma zu schützen. Doch die Haftrichter lehnten die U-Haft als unverhältnismässig ab. Dies, obwohl der Mann gemäss einem Bericht der "Schweiz am Sonntag" vor Gericht unumwunden zugab, seine Geschäfte nach der Haftentlassung fortzusetzen. Die Staatsanwaltschaft focht den Entscheid des Zwangsmassnahmengerichts, den Mann auf freien Fuss zu setzen, zunächst vor Kantons- und später vor Bundesgericht an - ohne Erfolg.

Mustafa Z. hatte zwei Gehilfen

Bei der Staatsanwaltschaft sieht man sich nun bestätigt. Gemäss Buschauer hat sich der Beschuldigte nicht an die Auflagen des Haftrichters gehalten und mutmasslich weiter delinquiert. Zur Last gelegt werden dem Mann die Straftatbestände des gewerbsmässigen Betrugs, eventualiter des mehrfachen vollendeten sowie mehrfachen versuchten Betrugs sowie weitere Delikte. Das Datum der Hauptverhandlung vor dem Strafgericht steht noch nicht, welches Strafmass beantragt werde, gebe die Stawa anlässlich der Hauptverhandlung bekannt, sagt Buschauer.

Für den Tatbestand des gewerbesmässigen Betrugs sieht das Gesetz einen Strafrahmen von 90 Tagessätzen bis zu 10 Jahren Freiheitsstrafe vor. Im Zusammenhang mit dem vorliegenden Verfahren hat die Stawa zudem gegen zwei weitere Personen im Alter von 24 und 53 Jahren Anklage erhoben. Laut Buschauer steht die jüngere in einem Mitarbeitenden-Verhältnis, die ältere Person in einem verwandtschaftlichen Verhältnis zum Hauptbeschuldigten. Ihnen wird bei denselben Tatbeständen Gehilfenschaft vorgeworfen.

Das Konsumentenmagazin "Espresso" von Radio SRF 1 berichtete im Herbst 2014 erstmals über die Baselbieter Firma. Gemäss eines Berichts des "Zofinger Tagblatts" erhielten viele Aargauer Gemeinden Rechnungen für nicht bestellte und nicht gelieferte Drucker-Toner. Laut Auskunft betroffener Gemeindeverwalter ging Mustafa Z. besonders dreist vor, indem er zunächst die für Büromaterial zuständigen Gemeindeangestellten ausfindig machte, auf die er sich dann bei Rechnungsstellung bezog. Die fingierten Rechnungen wirkten deshalb auf viele Empfänger echt. Der Firmenname, der fast identisch ist mit einem in derselben Branche wirkenden anderen Unternehmen, tat ein Übriges.

* Name geändert.