Es war keine grosse Havarie, doch es war eine weitere schlechte Schlagzeile für die Firma CABB in Pratteln: Im September 2016 traten beim Befüllen eines Bahnkesselwagens rund drei Liter Chlorsulfonsäure aus. Die Rolltore vor und hinter dem Bahnwagen waren dabei geschlossen, offenbar beschränkte sich der Austritt auf das Innere des Gebäudes. Verletzt wurde niemand. Laut Staatsanwaltschaft musste die Betriebsfeuerwehr den ausgetretenen Stoff «bekämpfen», was die CABB bis heute vehement bestreitet.

Das eigentliche Problem fand sich rasch: Die Schlauchkupplungen waren vor dem Abfüllen nicht richtig verschraubt worden. Im Mai 2018 stellte die Staatsanwaltschaft zwei Strafbefehle gegen Mitarbeiter wegen eines fahrlässigen Verstosses gegen das Chemikaliengesetz aus, diese erhoben Einspruch.

So sassen am Dienstag der heute 44-jährige Schichtleiter sowie ein 32-jähriger Arbeiter vor dem Baselbieter Strafgericht in Muttenz. Dem 32-Jährigen warf man vor, damals lediglich zwei statt der vorgeschriebenen vier Schrauben verwendet zu haben. Er hatte langjährige Arbeitserfahrung und war mit derartigen Befüllvorgängen vertraut, allerdings wurde er an jenem Tag an dieser für ihn bislang unbekannten Abfüllanlage eingearbeitet.

Ob für diese Tätigkeit eine Kontrolle durch ein Vieraugenprinzip vorgeschrieben ist, wurde am Dienstag nicht klar. Der Gefahrgutbeauftragte der Firma wurde als Zeuge geladen, dieser betonte indes, er sei bloss für die Sicherheitsdatenblätter zuständig. Offenbar gab es nach der Havarie einen Mailverkehr zwischen der CABB und der Polizei, dort betonte die Firma, die Abfüllung sei ein Einzelarbeitsplatz.

«Die Staatsanwaltschaft hat hier nicht mal nachgefragt. Bei einer Einführung gibt es keinen Einzelarbeitsplatz, dazu muss man nicht Jus studiert haben», grummelte Einzelrichterin Monika Roth. Entsprechend könne man dem 32-Jährigen nicht die Verantwortung für den Unfall auferlegen. Roth sprach den Mann frei.

Ein inzwischen entlassener Betriebsmitarbeiter, der den 32-Jährigen angeleitet hatte, visierte damals auch die entsprechende Checkliste und garantierte damit die korrekte Verschraubung. Gegen ihn stellte die Staatsanwaltschaft das Verfahren allerdings ein. «Das ist merkwürdig, um es mal nett zu formulieren», kommentierte Monika Roth.

Bei der Unfallanalyse stellte sich zusätzlich heraus, dass die lediglich mit rot und blau markierten Flansche des Tankwagens auch verkehrt angeschlossen worden sind. Hier sah die Staatsanwaltschaft die Verantwortung beim 32-jährigen Schichtleiter: Die Verwechslung gehe aufgrund einer ungenügenden Kennzeichnung auf seine Kappe. Allein diese Verwechslung könne aber nicht zu einem Austritt führen, argumentierte sein Verteidiger, und die Einzelrichterin sah das gleich: Sie fällte wegen deutlicher Zweifel auch für den 32-Jährigen einen Freispruch. Die Verteidigerkosten beider Männer von insgesamt 22'000 Franken gehen damit zulasten des Staats.