«Verpflaschteret und zämmegnäit!» Der Leichenredner, dessen Identität hier nicht gelüftet werden darf, fand zum Abschluss der Sissecher Fasnecht klare Worte zu den zurückliegenden Narrentagen. Er zog eine zwar positive Bilanz und lobte, selbstredend, auch das Wetter, die Guggen (zumindest die meisten) und Cliquen und sonstigen Beteiligten (und manche auch nicht). Doch für den einen oder anderen Spiessgesellen hatte er durchaus zynische Worte parat.

Ja geradezu spitzzüngig und gnadenlos teilte er aus. Über einen Kamm schor er etwa sämtliche Fasnachtsgruppen, die dem «Jubiläumsfieber» verfallen waren. «So es eifältigs Motto wie ‹Zäh Joor glatti Sieche›. All die bechömme vor FGS e Guetschyn füre Wörkshop mit em Titel: Wie bastle ich mr es träffends Motto! Verpflaschteret und zämmegnäit.»

Schluchzend zu Grabe getragen

Der nächste Kinnhaken ging an die Beizen. Recht armselig und billig sei es, lediglich vier Larven und «es paar Fasnechtsbändeli» aufzuhängen, um das Restaurant zu schmücken. Das mache die Würdigung der bestdekorierten Beiz ziemlich schwierig, weshalb auch nur ein Preis für die am wenigsten schlecht dekorierte Beiz vergeben worden sei.

Vor dem fasnächtlichen Bilanzieren fand die traditionelle Trauerprozession zum Richtplatz in der Allmend statt. Die Pfeifer und Trommler spielten noch einmal die bekannten Märsche, die «Brüeler» wimmerten und jammerten sich die Augen wund und die Zuschauer säumten in grosser Zahl den Umzug. Durch die Begegnungszone schritt die weissgewandete Trauergemeinde schluchzend via Sonnenkreuzung die Rheinfelderstrasse hinab bis zum Ort, wo die Sissecher Fasnecht ihr alljährliches Ende fand.

Sieben Guggen spielten gemeinsam zum Fasnachtsabschied auf und bildeten die Nachhut des melancholischen Defilees, aus den Blasinstrumenten drang «O mein Papa». Vor ihnen tuckerte das bebrillte Chluri auf einem Velo sitzend.

Ehrerbietung an Bernhard Brüderlin

Es war das 77. und damit das Schnaps-Chluri, wie der Leichenredner betonte. Nach zwei «grünen» Chluris – vergangenes Jahr war es Nationalrätin Maya Graf – war das Chluri 2014 erneut «grün». Es war Bernhard Brüderlin, der Gemeindearbeiter, der vor einem Jahr nach einem knappen halben Jahrhundert bei der Gemeinde Sissach in den wohlverdienten Ruhestand gegangen war.

Ihn als Chluri zu verbrennen ist Ehrerbietung und Dankeschön gleichermassen. Brüderlin, da ist man sich einig, wird fehlen. «Es het au im Chlurihimmel immer öppis z jätte»: Des Leichenredners letzte Worte stimmten da versöhnlich. Dann blieb ihm nur noch eins zu sagen: «Adie Fasnecht, adie Chluri.» Dann brannte es, meterhoch stiegen die Flammen den windstillen Himmel empor.

Brüderlin selbst war auch da. «Super», kommentierte er. Viel wichtiger war ihm aber, wie gut und senkrecht die Flammen züngelten. Schliesslich stehen die nächsten Bäume nicht weit.