Christine Koch, ein Rücktritt nach nicht einmal zwei vollen Amtszeiten: Ist das nicht ein bisschen zu früh?

Christine Koch: Ich habe jetzt mit 53 ein Alter erreicht, in dem ich mich parteiintern mit wichtigen Funktionärsposten in Stellung für ein Regierungsamt bringen könnte. Doch genau das will ich nicht tun. Ich will nicht jeden Tag im Deux-Pieces nach Liestal pendeln. Darum ist es richtig, wenn ich jetzt einem jüngeren, ambitionierteren Politiker Platz mache. Es wäre falsch, als einfache Landrätin auf meinem Sessel kleben zu bleiben.

Sie meinen den erstnachrückenden Reinacher Gemeinderat Silvio Tondi. Aber er hat sich Bedenkzeit ausbedungen und scheint nicht gerade begierig auf diese Chance gewartet zu haben.

Sein Zögern hat ausschliesslich berufliche Gründe. Ich habe ihn bereits im vergangenen Oktober kontaktiert und mit ihm meinen Rücktrittstermin abgesprochen.

Falls Tondi verzichtet, rückt Ihr Sohn Jan Kirchmayr nach. Ist nicht das der eigentliche Grund für Ihren vorzeitigen Abgang?

Ich weiss, es gibt solche Gerüchte. Aber die Reihenfolge der Nachrückenden ist eindeutig. Wie schon gesagt, habe ich mich frühzeitig mit Tondi abgesprochen. Und überhaupt: Wieso sollte Jan nicht nachrücken dürfen? Er ist jung, will die Politik mitgestalten und hat bei den Wahlen ein super Resultat gemacht. Er wäre völlig legitimiert für meine Nachfolge.

Sie wurden früher immer wieder mit einer Regierungskandidatur in Verbindung gebracht. Hatten Sie wirklich gar nie entsprechende Ambitionen?

Nein, viel eher hatte ich immer das Gefühl, dass ich für ein Regierungsamt nicht den notwendigen Rucksack mitbringe. Zudem hat mich der wenig konstruktive Stil der Politik der letzten Jahre enttäuscht. Wenn ich die Fehlleistungen der Regierung betrachte, oder wie nach dem klaren Volksentscheid zu Elba jetzt versucht wird, die eigenen Anliegen doch noch scheibchenweise durchzudrücken, dann finde ich das völlig daneben.

Sie könnten ja kandidieren, um es besser zu machen.

Als einzelnes Mitglied einer linken Minderheit müsste ich vor allem den Kurs der anderen Regierungsräte mittragen.

Wie empfinden Sie die politische Kultur im Baselbiet zum Zeitpunkt Ihres Rücktritts?

Im Landrat werden bloss Entscheide mit kurzfristiger Wirkung gefällt. Die jetzigen rechtskonservativen Verhältnisse bringen das Baselbiet nicht weiter. Der rigide Sparkurs ersetzt weitsichtige Ideen. Abbauen wird zur Patentlösung für alles und jedes. Wieso wird beim Personal gespart, aber sämtliche anderen Handlungsoptionen ausgeschaltet? Das frustriert mich zunehmend, auch weil ich als Lehrerin die Folgen hautnah miterlebe.

Die SP könnte dies mit einer entschlosseneren Oppositionspolitik zumindest teilweise ändern.

Ich finde, dass wir eine aktive Opposition betreiben. Wir sind genau daran, das zu tun. Mit einer entschlossenen Haltung wie beim Elba-Referendum.

Gar keine Spur von Selbstkritik?

Natürlich wollen wir wieder erfolgreicher werden und unseren Kurs weiterverfolgen. Zentral ist, dass unsere Fraktionsmitglieder und Mandatsträger viel Zeit auf der Strasse verbringen, den einfachen Leuten zuhören und diese wieder zum Abstimmen an die Urne bringen. Der enge Bezug zur Basis ist entscheidend. Angesichts der rechtskonservativen Mehrheit im Landrat können wir selten gewinnen.

Das klingt jetzt ziemlich desillusioniert. Kehren Sie der Politik vollständig den Rücken?

Nein, ich werde in der SP Aesch Sektionspräsidentin bleiben. Ich muss aber wieder mehr Zeit für die Schule aufbringen. Ich werde im Sommer eine sechste Primarklasse in Reinach übernehmen und mein Pensum aufstocken.

Worauf sind Sie rückblickend auf Ihre sechs Jahre im Landrat besonders stolz?

Dass nun auch in Gemeinden mit Gemeindeversammlungen das Initiativrecht eingeführt wird, und Tempo 30 auf Kantonsstrassen zumindest theoretisch möglich wäre. Beides geht auf Vorstösse von mir zurück.

Und was war der Tiefpunkt?

Als grössten Ablöscher habe ich die Budgetdebatte im vergangenen Dezember empfunden, als uns die Rechtskonservativen schlicht das Gespräch verweigert haben. Das war eine eiskalte und arrogante Machtdemonstration und besonders stossend, wenn ich sehe, wie gut und konstruktiv wir in der Bau- und Planungskommission über die Parteigrenzen hinaus zusammenarbeiten können.

Bei einem vorzeitigen Rücktritt von Bianca Maag wäre es sogar denkbar gewesen, dass die Aescher Politikerfamilie Kirchmayr zu dritt im Landrat sitzt. Jetzt lassen Sie Ihren Mann, den Grünen-Fraktionschef Klaus alleine. Nimmt er Ihnen das übel?

Kaum, wir werden uns bestimmt auch weiterhin mit Tipps und politischen Ideen austauschen, wie wir es schon bisher getan haben.