Ihren bisherigen Höhepunkt erlebte Operation Libero bei der Abstimmung über die Durchsetzungsinitiative der SVP vor anderthalb Jahren. Die Umfragewerte sagten wenige Wochen vor dem Abstimmungstermin ein deutliches Ja voraus. Da startete die damals weitgehend unbekannte Bewegung eine Gegenkampagne – und trug massgeblich dazu bei, dass das Schweizer Stimmvolk die Initiative deutlich bachab schickte.

Damit machte sich Operation Libero einen Namen als Anwältin sowohl wirtschaftlich als auch gesellschaftlich liberaler Werte. Damals mit dabei war der Therwiler Christoph Collins. Beruflich ist er als Sozialpädagoge und Unternehmer tätig. Er leitet in Therwil zusammen mit seiner Frau ein Kinderheim. Als «Online Warrior» zog er in die Kommentarschlacht in der virtuellen Schweiz, um die Rechtskonservativen argumentativ niederzuringen.

In der Region Basel ist die Bewegung bisher erst vereinzelt in Erscheinung getreten. So hat die Operation Libero Region Basel bei der Abstimmung über die Einbürgerung von Ausländern der dritten Generation im vergangenen Frühling ein kontroverses Podium mit SVP-Nationalrat Andreas Glarner organisiert. «Die Nordwestschweiz hat grosses Potenzial», sagt Collins.

Das merkte er vor der Abstimmung im Frühling. Da habe das Baselbiet zwar als «Swing State» gegolten. «Aber ich habe die Bevölkerung als sehr liberal erlebt.» Für ihn ist die Nordwestschweiz deshalb ein «Chancenland» wie die übrige Schweiz.

Liberale Leuchttürme

Seit vergangenem Herbst ist der 43-jährige Collins Co-Präsident des Teams Basel von Operation Libero, zusammen mit Francesca Giardina. Beide waren bisher noch nicht politisch aktiv. Sie haben aber vor, in Zukunft mit ihrer Bewegung eine Rolle in der Politik beider Basel zu übernehmen. Wie das geschehen soll, erklärt Collins folgendermassen: Auf nationaler Ebene gibt es «Positionspapiere», etwa zum Thema Migration, Europa oder Drogenlegalisierung.

Sie sollen den «liberalen, progressiven Grundgedanken» festlegen. «Sie sind als eine Art Kompass oder Leuchtturm zu verstehen.» In den Regionen finden an Stammtischen offene Diskussionen zu vielfältigen Themen statt, «immer auf Fakten basiert», wie Collins betont.

Besteht das Bedürfnis danach, bildet sich daraus eine Arbeitsgruppe, die sich vertieft mit einem bestimmten Thema auseinandersetzt. Diese kann Vorschläge erarbeiten, wenn in der Politik ein Geschäft ansteht, das ein besprochenes Thema berührt. Nationale Positionspapiere sollen dabei «Handlungsansätze» liefern.

Bei Abstimmungen kann Operation Libero Kampagnen führen. Und jederzeit kann die Bewegung auf ihre «Community» zurückgreifen. Operation Libero wolle «auf dem Radar behalten, was in der Politik passiert, und eingreifen, wenn Vorstösse unseren Rechtsstaat bedrohen».

Collins klingt überzeugt, wenn er das «Erfolgsrezept» von Operation Libero beschreibt. Doch wie das «Herunterbrechen» funktionieren soll, ist noch offen. Schlagworte wie «weder rechts noch links, sondern vorwärts» werden in den Untiefen der regionalen Politik wenig bewirken. «Wir haben einiges in der Pipeline», sagt er.

«Man wird von uns hören.» Viel mehr will er dazu noch nicht sagen. In den vergangenen Kampagnen seien in den Regionen Flyer verteilt und Podien organisiert worden, sagt er. In Zukunft sollten weitere Möglichkeiten geschaffen werden, sich zu engagieren.

«Ich könnte mir vorstellen, dass wir uns beispielsweise mit dem Thema Bürgerrecht beschäftigen», sagt er. Dabei spricht er die Einbürgerungsinitiative der Basler SVP an. Und im Baselbiet werde man demnächst viel über Bürgerrechte reden. Auch das Thema Migration betreffe die Grenzregion besonders, ebenso die bilateralen Verträge.

Nicht zu allem eine Meinung

Einiges in Aussicht stellt Collins im Vorfeld der «Vertragsbruchsinitiative», wie er die «Selbstbestimmungsinitiative» der SVP nennt. «Die Operation Libero wird die Diskussion über diese gefährliche Initiative suchen und führen.» Unsicher ist, wie stark Operation-Libero-Mitglieder online zu regionalen Themen eingreifen werden.

«Es wird sich zeigen, ob wir eigene Positionspapiere ausarbeiten werden, etwa zum Thema Bildung», sagt Collins. Und vor Abstimmungen Komitees aufzubauen, sei nicht zuletzt eine Ressourcenfrage. Eines stellt er klar: «Wir müssen nicht zu allem eine Meinung abgeben.»

Jedenfalls ist Collins überzeugt, dass Operation Libero auch lokal funktionieren kann. Als Beispiele dafür nennt er die «Ehe für alle», für die man sich in Zürich eingesetzt habe, oder auch die erfolgreiche Bekämpfung des Burkaverbots im Kanton Glarus vor einigen Wochen.

So unscharf die Absichten auch sein mögen – eine Basler Sektion von Operation Libero entspricht offenbar einem Bedürfnis. Bei der Gründung im vergangenen Oktober erschienen 30 Leute, inzwischen zählt sie 284 Mitglieder. An den monatlichen Diskussionsstammtischen nehmen regelmässig über 20 Interessierte teil. Was Collins besonders freut: An den Stammtischen seien «vom Studenten bis zum Handwerker» alle vertreten.

Einige seien bereits in einer Partei engagiert, und zwar im ganzen Spektrum, andere nicht. Man diskutiere eben sachbezogen, «so findet ein echter Austausch statt». Interessanterweise, so seine Erfahrung, würden an den Stammtischen alle mit allen reden, «obwohl wir so breit gefächert sind». Und er fügt hinzu: «Wir haben schon den Anspruch, unsere liberalen Werte zu verteidigen.»

Collins selber ist in die BDP eingetreten. Doch niemand solle bei Operation Libero irgendjemandem vorschreiben, was «liberal» bedeutet, betont er. «Wir haben nur den Anspruch, gegenseitig liberale Sichtweisen zu spiegeln.» Mit dabei sind auch einige regionale Politiker verschiedener Parteien. «Sie wollen sachlich diskutieren, ohne Parteipolitik zu machen.» Schaut man sich die Facebook-Gruppe der Sektion an, entdeckt man einige bekannte Namen. Und diese haben ziemlich unterschiedliche Erwartungen an die Bewegung.

Unkonventionelles einbringen

Der Basler FDP-Präsident Luca Urgese zum Beispiel setzt darauf, dass das von Collins erhoffte «Herunterbrechen» funktioniert. «Ich hoffe, dass Operation Libero in der Region das gelingt, was sie bereits auf nationaler Ebene getan hat, nämlich liberalen Gedanken einen neuen Drive zu geben.» Im Gegensatz zu Parteien habe Operation Libero die Möglichkeit, neue, unkonventionelle Ideen einzubringen. «Das tut der Politik gut.» Die Bewegung sieht er zudem als Vernetzungsplattform.

Marc Bürgi, Ex-Landrat und -Einwohnerrat in Pratteln, hat hingegen gar nicht erst den Anspruch, dass auf regionaler Ebene Aktionen stattfinden. Ihn begeistern dafür die Stammtische umso mehr: «Da tauschen sich Leute aus, die sonst nicht miteinander reden würden. So entsteht politisches Engagement.» Vorstandsmitglied und ehemaliger FDP-Grossrat Elias Schäfer sieht seinerseits Operation Libero als «Sicherheitsnetz, wenn die liberalen Kräfte versagen». Die regionale Sektion sei ein «Seismograf» für lokale Themen, wie etwa ein drohendes Burkaverbot in Glarus. «Ein Vorteil von Operation Libero ist, dass wir auch unabhängig von aktuellen Vorlagen über liberale Grundwerte diskutieren.»

Eine solche Vielfalt an Ideen, Vorstellungen und Ansprüchen ist für das Präsidium der jungen Sektion eine Gratwanderung: Einerseits gilt es, liberale Grundwerte zu verteidigen. Andererseits wolle man möglichst offene Diskussionen und Vielfalt zulassen. Nichtsdestotrotz sagt Collins: «Unsere Sektion wird weiter wachsen.» Allerdings möchte der Co-Präsident die Mitglieder schon noch alle persönlich kennen. Er ist überzeugt: «Bald wird sich Operation Libero auch in Basel als Player etablieren.» Denn die Bewegung biete die «konkrete Möglichkeit, das Chancenland Nordwestschweiz mitzugestalten».