Herr Collins, gestern berichtete die bz, dass das Komitee «Pro Bildungsrat» 1500 Franken in Facebook- und Instagram-Werbung steckt. Warum ist das gut investiertes Geld?

Christoph Collins: Politik findet heute schon und immer mehr auch auf den sozialen Medien statt. In der Zeit der Digitalisierung hat sich der politische Diskurs auf Social Media ausgeweitet. Was früher Stammtisch und Dorfplatzgespräche waren, findet sich heute zunehmend auf Twitter, Facebook und Co. Um eine breite Öffentlichkeit zu erreichen, sind 1500 Franken eine gute Investition, um mit einem kleinen Kampagnenbudget viel zu bewirken.

Auch wer nicht mit einem der Komiteemitglieder befreundet ist, kann mit der Werbung konfrontiert werden. Wie definiert sich die Look-a-like-Gruppe?

Es sind dies Personen, die ein ähnliches Benutzerverhalten aufweisen wie Nutzer, die bereits auf der «Pro Bildungsrat»-Seite waren, Beiträge auf Facebook geteilt haben oder mit unserer Facebookpage interagiert haben. Was in diesem Fall ähnlich heisst, ist uns unbekannt. Das ist ein geheimer Algorithmus von Facebook.

Es gibt gegenüber Facebook auch kritische Stimmen, gerade aus dem linken Lager. Der Vorwurf lautet, dass die Social Media über zu viel Daten und Macht verfügten. Nutzen Sie diese Macht nun nicht aus?

Das Komitee «Pro Bildungsrat» ist ein überparteiliches Komitee, und es besteht hier keine Frage des politischen Spektrums, weil praktisch alle Parteien darin vertreten sind. Das Thema Politik, Social Media und die Verwendung von Daten muss in einem grösseren Kontext diskutiert werden und nicht in Bezug auf eine einzelne Kampagne. Politik findet in der heutigen Zeit auf den sozialen Medien statt, und je mehr solche Kampagnen gemacht werden, desto schneller wird die Diskussion über den Umgang mit sozialen Medien geführt werden. Es ist kein Machtmissbrauch, sondern die Akzeptanz einer gesellschaftlichen Entwicklung.

Müssen wir uns in Zukunft darauf gefasst machen, dass wir auf Social Media stets mit politischer Werbung konfrontiert werden?

Sie stellen hier die Frage nach Moral und Ethik. Genausogut könnte man sich fragen, ob Plakate, Flyer und Zeitungsberichte politische Werbung beinhalten beziehungsweise das Volk beeinflussen sollen. Wir werden tagtäglich über unterschiedliche Medien mit politischer Werbung konfrontiert. Wenn politische Partizipation und der Diskurs dadurch wieder vermehrt stattfinden, erachten wir das als positive Entwicklung. Da gerade auf Social Media eine direkte Interaktion der unterschiedlichen Parteien stattfindet, kann man hier nicht von Werbung sprechen. Dies ganz im Gegensatz zu Inseraten oder Plakaten.