Christoph Hänggi, Sie wurden von der SP Therwil einstimmig als Regierungskandidat nominiert. Woher Ihre plötzlichen Ambitionen?

Christoph Hänggi: Ich habe als Mitglied der Parteileitung Urs Wüthrichs Rücktritt hauteng mitverfolgt und mir schon im letzten Herbst die Frage gestellt, wie es mit meiner politischen Laufbahn weitergehen soll. Da bin ich zum Schluss gekommen: Ich will diese Aufgabe übernehmen, ohne Wenn und Aber. Ich will nicht in der Rolle des Parlamentariers weiterarbeiten, der immer nur fordert und kontrolliert. Ich will Verantwortung übernehmen. Das entspricht mehr meinem Naturell.

Welche Chance rechnen Sie sich an der SP-Nominationsveranstaltung im August aus? Wenn sich Eric Nussbaumer nochmals bewirbt, dürfte er für das Zweierticket gesetzt sein, oder?

Selbstverständlich trete ich mit genug Selbstbewusstsein vor die Delegiertenversammlung, um mir auch gegen Eric realistische Chancen auszurechnen. Ich bringe einen geeigneten Rucksack für ein Regierungsamt mit. Für meinen Teil denke ich, dass Eric noch eine glänzende nationale Politik-Karriere vor sich hätte, wenn er sich darauf konzentrierte. Nach seinen zwei vergeblichen Anläufen wäre ich jetzt der richtige SP-Mann zum richtigen Zeitpunkt.

Welche Direktion würden Sie im Falle Ihrer Wahl bevorzugen?

Ich war bisher im Landrat in der Bildungs-, Kultur- und Sport -Kommission tätig, die sich mit allen wichtigen Bildungsthemen beschäftigt. Aus meiner Sicht wäre es erstrebenswert, dass die SP die Bildungsdirektion behält. Ich würde mich für Kontinuität in der Bildungspolitik einsetzen.

Wer kann Ihnen SP-intern gefährlich werden? Alles deutet auf die baldige Kandidatur von Daniel Münger hin.

Ich möchte mich zu den anderen möglichen Kandidaten nicht äussern. Es liegt an diesen, sich zu bewerben.

Müssten jetzt nicht zwei Frauen auf dem SP-Ticket figurieren, um endlich einer SP-Frau den Weg in die Regierung zu ebnen?

Diese Frage stellt sich noch nicht, da sich mit Regula Nebiker erst eine SP-Frau beworben hat. Ich würde mich sehr freuen, wenn eine SP-Frau in die Regierung gewählt würde. Noch mehr würde ich mich aber freuen, wenn zwei SP-Kandidaten in die Regierung gewählt werden. Unsere Strategie ist klar: Wir haben den Anspruch wieder stärkste Partei zu werden, und damit geht auch der Anspruch einher, mit zwei SP-Mitgliedern in die Regierung einzuziehen.

Die Haltung zur Kantonsfusion dürfte im Wahlkampf eine wichtige Rolle spielen. Haben Sie sich da nicht zu stark exponiert?

Ich stehe offen zur Prüfung einer Kantonsfusion; dies auch als Vorstandsmitglied der Regio Basiliensis. Im Wahlkampf werde ich die offene Haltung der SP in dieser Frage betonen, die sich für die Zukunft der Region alle Optionen offen halten will. Ich möchte dieses Thema nicht allzu hoch hängen. Die Fusionsinitiative ist nur eines von mehreren wichtigen Themen im Wahlkampf.

Mitarbeit: Bojan Stula, Leif Simonsen