Claude Janiak, Sie kommen eben von einer Sitzung mit der Parteipräsidentin der SP Baselland – treten Sie im Herbst 2015 noch einmal an für den Ständerat?

Claude Janiak: Ja.

Hat der Wahlausgang bei Ihrem Entscheid eine Rolle gespielt?

Kaum. Ich bin in einem Alter, in dem man sich grundsätzliche Fragen stellt. Ich darf für mich in Anspruch nehmen, dass ich in den Kommissionen eine aktive Rolle spiele und meinem Kanton da einen echten Nutzen bringen kann. Ich werde in Bern als Lobbyist für unsere Region und fürs Baselbiet wahrgenommen.

Mit welchem Programm und welchen Zielen treten Sie an?

Ich denke, dass ich mich in drei Bereichen engagieren will: Infrastrukturfragen, Sicherheitspolitik und institutionelle Fragen in der Schweiz – immer im Sinn des Baselbiets.

Um welche Infrastruktur geht es Ihnen konkret?

Die Verkehrsinfrastrukturen, welche für den Kanton Basel-Landschaft wichtig sind. Zwar ist vieles in der Pipeline, aber es ist wichtig, dass wir dranbleiben und die Interessen unserer Region verteidigen. Es geht einerseits um die Projekte des öffentlichen Verkehrs, also etwa den Ausbau der Laufental-Strecke, aber auch um dringende Strassenbauprojekte in der Agglomeration. Da müssen wir weiter vorwärtsmachen. Ich bin seit sechs Jahren in der Verkehrskommission und habe Erfahrung in diesen Fragen. Höchste Priorität hat sicher, dass wir endlich eine S-Bahn erhalten, die diesen Begriff verdient. Einige weniger bedeutende Regionen in der Schweiz sind bereits besser mit einer S-Bahn vernetzt. Bei der Verkehrsverlagerung stehen wir mit Basel-Nord vor einem Durchbruch, müssen aber am Ball bleiben.

Um was geht es bei der Sicherheitspolitik?

Zum Beispiel um das Nachrichtendienstgesetz oder die Überwachung moderner Kommunikationsmittel in Strafverfahren. Es ist nötig, dass wir der Strafverfolgung die Mittel für eine wirksame Verbrechensbekämpfung geben. Aber es ist ebenso wichtig, dass die Bürger vor Missbräuchen geschützt bleiben. Bei den institutionellen Fragen geht es im Herbst weniger um linke oder rechte Positionen als darum, welche Rolle die Schweiz als eigenständiges Land in diesem Europa hat und wie wir mit unseren verfassungsmässigen Prinzipien wie etwa der Verhältnismässigkeit staatlichen Handelns und den unterschiedlichen Rollen der Institutionen umgehen.

Der Kanton Baselland hat einen Rechtsrutsch hinter sich – ist es sinnvoll, dass der Landkanton im Stöckli von einem SP-Mann repräsentiert wird?

Der Kanton muss sich von jemandem vertreten lassen, der in Bern vernetzt ist und die Kantonsinteressen wahrnimmt. Als ich gewählt wurde, waren vier Bürgerliche im Regierungsrat, und die FDP war im Landrat einiges stärker, als sie es heute nach den Wahlen ist. Ich kam damals schon aus einer Minderheit, glaube aber, dass es seither im Interesse des Kantons gut funktioniert.

Rot-Grün war am Sonntag zerstritten und hat ein sehr schlechtes Resultat eingefahren – was ist los im Baselland?

Ich kritisiere nicht öffentlich Fehler, die meine Partei gemacht hat. Dass Fehler gemacht wurden, ist offensichtlich, sonst wäre das Resultat besser. Einen generellen Dissens zwischen der SP und den Grünen gibt es zudem nicht: Ich habe mit Maya Graf in Bern ein sehr gutes Einvernehmen.

Die bürgerlichen Parteien treten als geschlossenes Lager an – müsste die SP nicht auch Lagerwahlkampf machen?

Die SP muss, wie immer bei solchen Wahlen, Allianzen suchen. Es bieten sich natürliche Partner an wie die Grünen, aber auch andere Parteien. Zudem heisst es nicht, dass der bürgerliche Block im Herbst so geschlossen ist. Von SVP bis CVP haben sich nicht immer alle gern. Wir werden sicher versuchen, im Herbst eine breite Allianz zu bilden.

Beobachter sprechen von einem neuen Konservativismus als Reaktion auf die wirtschaftlichen Herausforderungen – wird das im Herbst für die Linke zum Problem?

Ich bestreite mal, dass wir uns heute in einer Situation mit massiven wirtschaftlichen Problemen befinden. Wir stehen aber vor grossen Herausforderungen. Tatsache ist: Die konservativen Kräfte haben Aufwind. Das ist eindeutig, aber nicht neu. Das ist in der ganzen Schweiz so. Das ist aber eher ein Dilemma für die Freisinnige Partei, die einen liberalen Flügel hat, der das nicht mitmacht. Es ist übrigens auch nicht nur in der Schweiz so, man sieht die konservative Tendenz auch in anderen Ländern. Die Ängste sind nicht immer nachvollziehbar. Es geht uns ja besser als den Menschen in allen Ländern um die Schweiz herum. Für meine Generation gilt gar: Es gab noch nie eine Generation, die so gutgestellt war.