Jetzt ist die Katze aus dem Sack: Coop zieht in Liestal definitiv nicht ins geplante Ziegelhof-Center. Das Unternehmen prüft derzeit die Umbau-Möglichkeiten im bestehenden Geschäft «Stabhof» an der Rathausstrasse, «um weiterhin direkt im Stedtli, nahe bei der Kundschaft, vertreten zu sein», wie Patrick Häfliger, Teamleiter Presse von Coop Nordwestschweiz-Zentralschweiz-Zürich, auf Anfrage der bz sagt. Und er ergänzt: «Der Umbau wird vermutlich im Zeitraum 2017-2018 stattfinden.»

Der Entscheid, nicht in den Ziegelhof umzuziehen, sei «über längere Zeit gereift» und habe mit dem Ausbau der Verkaufsstellen rund um Liestal von Kaiseraugst – der Megastore wurde letzte Woche eröffnet – über Bubendorf (Ausbau angedacht) bis Gelterkinden (Ausbau beginnt diesen Herbst) zu tun. Häfliger: «Wir sind jetzt vom Angebot her in der Region bestens aufgestellt.»

Die Liestaler Filiale bleibe nun Coop-intern in jener Liga, in der sie heute sei; Häfliger spricht dabei von einer mittleren Grösse. Zum Vergleich: Der neue Laden in Kaiseraugst zählt zum grössten Coop-Format, Bubendorf und Frenkendorf zum zweitgrössten, dann folgt die Kategorie mit Liestal. Zum in der Vergangenheit oft beklagten, kleinen Parkplatzangebot in unmittelbarer Nähe des «Stabhof» meint Häfliger: «Die Verkaufsstelle ist zentral und hat viel Laufkundschaft. Zudem steht ein guter Velo-Hauslieferdienst zur Verfügung.»

Politik und Gewerbe sind froh

In Liestal stösst der Coop-Entscheid auf ein gutes Echo. Stadtpräsident Lukas Ott, der in der Volksabstimmung vor drei Jahren wie praktisch die ganze Liestaler Politikergilde hinter dem Quartierplan Ziegelhof mit dem Ankermieter Coop gestanden ist, sagt: «Coop bekräftigt mit den Ausbauplänen für den ‹Stabhof› sein Bekenntnis zu Liestal. Der Stadtrat begrüsst diese Überlegungen.» Als der Quartierplan Ziegelhof aufgegleist worden sei, sei die Ausgangslage eine andere gewesen. Denn damals sei die Alternative zum Ziegelhof-Center der Wegzug von Coop aus Liestal gewesen.

Zudem habe sich das Umfeld für den grenznahen Liestaler Detailhandel mit dem starken Franken stark verändert. Ott: «In der heutigen Situation dürfte der Detailhandel im Stedtli davon profitieren, wenn Coop als wichtigster Frequenzerbringer an der Rathausstrasse bleibt.» Daneben gebe es genügend Anhaltspunkte, dass sich das Ziegelhofareal auch ohne Coop entwickle und keine Brache bleibe. Und der in der Regel so sachliche Ott bilanziert für seine Verhältnisse fast schon euphorisch: «Die Konstellation, die sich jetzt abzeichnet, ist für Liestal eine Batzen-und-Weggli-Situation.»

KMU-Sprecher Michael Bischof, einst einer der vehementesten Fürsprecher des Ziegelhof-Centers mit Coop, argumentiert bei der Einschätzung der veränderten Lage praktisch deckungsgleich mit dem Stadtpräsidenten. Aber in seinem Urteil legt er noch einen drauf: «Der ‹Stabhof›-Ausbau an der Rathausstrasse ist für uns eine ganz tolle Nachricht und hilft sowohl Coop wie auch den kleinen Läden im Stedtli. Wenn nun der Ziegelhof-Ausbau auch ohne Coop noch kommt, so haben wir ‹Figgi und Mühli›.»

Erstaunt reagiert Abraham Budak, Verwaltungsratspräsident der Bovida Invest AG aus Baar, dem Ziegelhof-Investor: «Leider erfahre ich jetzt durch die Presse, dass Coop aussteigt aus dem Projekt. Es ist sehr schade, dass Coop mich nach so langer Zusammenarbeit nicht vorgängig informiert hat.» Alles sei zusammen mit Coop aufgegleist und entwickelt worden.

Investor verspricht Baugesuch

Für Budak steht aber ausser Diskussion, dass das Ziegelhof-Projekt weiterverfolgt wird. Es gebe genügend Interessenten dafür, denn die Örtlichkeit sei gut. Budak: «Ich werde mit den Architekten nochmals über die Bücher gehen. Spätestens im nächsten Frühjahr werden wir ein Baugesuch einreichen.»

Man stehe auch der Bevölkerung gegenüber, die dem Projekt grossmehrheitlich zugestimmt hat, in der Schuld, auch wenn Coop jetzt abspringe. Damit spricht Budak einen wunden Punkt an: Der Bevölkerung wurde das Ziegelhof-Projekt immer als Einheit mit Ankermieter Coop verkauft. Dies dürfte auch für die nach hartem und emotionalem Abstimmungskampf fast schon sensationell hohe Zustimmung mit einem Zweidrittelmehr ausschlaggebend gewesen sein.

Und auch das Kantonsgericht verwies Anfang Jahr bei seiner Ablehnung der Einsprachen gegen den Quartierplan Ziegelhof darauf, dass die Behörden bei ihrer Interessensabwägung zu Recht stark gewichtet hätten, den Grossverteiler in der Stadt halten zu können. Nach dem Coop-Absprung steht nun deshalb der rechtsgültige Quartierplan auf etwas tönernen Füssen.