Das ist ein Service. Dieser Tage erhielten alle Baselbieter, die ihr Heizöl von der Coop Mineralöl AG beziehen, ein Schreiben zugestellt, das sie vor höheren Kosten warnt. Dies falls die kantonale Vorlage zur Einführung einer Energieabgabe am 27. November angenommen würde. Konkret heisst es im Schreiben, das der bz vorliegt: «Diese neue Energiesteuer, welche im Kanton Baselland zusätzlich zu den vom Bund bereits erhobenen Steuern eingeführt werden soll, würde sie als Besitzer einer Ölheizung direkt treffen.» Zwar spricht die Firma keine direkte Abstimmungsempfehlung aus, doch kaschiert sie ihre Absichten mehr schlecht als recht. Dem Schreiben beigefügt ist nämlich noch der Abstimmungs-Prospekt der Handelskammer beider Basel, welche die Abstimmungskampagne der Gegner leitet.

WWF zeigt sich «befremdet»

Ein Heizöl-Unternehmen wehrt sich also gegen die Erhöhung der Heizöl-Preise. Doch die Coop Mineralöl AG mit Sitz in Allschwil gehört, wie der Name vermuten lässt, zu Coop Schweiz. Deswegen stösst die Aktion auf wenig Verständnis: «Dieses Vorgehen finde ich erbärmlich», sagt etwa der Baselbieter SP-Nationalrat Eric Nussbaumer. Coop trete als Unternehmen auf, das sich für Klimaschutz und Nachhaltigkeit einsetze. Und die Coop Mineralöl AG sei schliesslich Teil des Konzerns.

Auch WWF Schweiz reagiert erstaunt, als er von dem Schreiben erfährt: «Der Brief von Coop Mineralöl an ihre Kunden ist befremdlich und steht ganz offensichtlich im Widerspruch zur Nachhaltigkeitsstrategie von Coop», sagt Sprecher Christoph Rytz. Ein Blick in den Nachhaltigkeitsbericht 2015 von Coop genügt denn auch, um aufzuzeigen, wie quer das Tochterunternehmen mit seiner Aktion zu Image und Strategie des Mutterkonzerns steht. Dort steht: «Coop ist an einer nationalen und internationalen Klimapolitik interessiert, die den weltweiten Temperaturanstieg auf ein beherrschbares Ausmass reduziert. Dabei haben hochentwickelte Staaten wie die Schweiz eine besondere Verantwortung und Vorbildfunktion.» Dass WWF die Aktion sauer aufstösst, liegt auch daran, dass die Naturschutzorganisation Coop als Vorreiterin der Branche ausgezeichnet hat.

Öl-Verband stützt Kampagne

Nussbaumer vermutet derweil, dass der Mutterkonzern gar nichts vom Kundenbrief wusste. Tatsächlich: Von der bz mit dem Schreiben konfrontiert, sagt Coop-Sprecher Ramón Gander, dass die Aktion weder mit ihnen abgesprochen worden sei, noch gutgeheissen werde. «Normalerweise diskutieren wir solche Thematiken mit unseren Tochterunternehmen.» Coop sei nun daran zu prüfen, wie dieser Alleingang passieren konnte und welche Konsequenzen er für die Mineralöl AG hat. Denn Coop gebe grundsätzlich – auch das hält Gander fest – keine Abstimmungsempfehlungen ab und mische sich auch nicht in diese regionalpolitische Vorlage ein. Das Unternehmen rechnet allerdings nicht mit einem Image-Schaden, «weil wir weiterhin an unserer CO2-Strategie festhalten und dabei erfolgreich unterwegs sind».

Doch was sagt das getadelte Tochterunternehmen? Die Antwort kommt schriftlich und enthält keine Selbstkritik. Sabine Schenker, Sprecherin der Coop Mineralöl AG, bestätigt lediglich, dass die Aktion nicht mit der Coop-Zentrale abgesprochen war. Ihre Erklärung: «Die Abstimmungskampagne erfolgt unter der Führung und auf Initiative der Handelskammer beider Basel. Swissoil beider Basel hat sich dieser Kampagne angeschlossen.» Swissoil ist der Dachverband der Brennstoffhändler, zu dem auch die Coop Mineralöl AG gehört. Schenker betont zudem, dass die Firma ihre Geschäftsbereiche so ökologisch wie möglich gestalte.

Dennoch: Der grosse Konkurrent Migros zeigt, dass es durchaus anders geht. Auch hier gibt es mit der Migrol ein Tochterunternehmen, das mit Heizöl handelt. Auf Anfrage äussert sich Migrol-Leiter Daniel Hofer überdeutlich: «Wir mischen uns nicht in die politische Meinungsbildung ein. Wir gehen davon aus, dass unsere Kunden und Kundinnen mündige Staatsbürger sind, die eine Entscheidung selbstständig treffen.»