In Liestal steigt die Verunsicherung, ob das vor zwei Jahren an der Urne mit einem Zweidrittelmehr angenommene Ziegelhof-Center — materiell ging es um die entsprechende Quartierplanung — überhaupt je gebaut wird. Diese Verunsicherung zeigte sich letzte Woche gerade mehrfach. So sagte der ehemalige Liestaler Stadtrat Ruedi Riesen, eine der treibenden Kräfte hinter dem Vorhaben, an einem öffentlichen Stadtrundgang, dass er skeptisch sei, ob das Projekt umgesetzt werde. Und im Einwohnerrat wurde der Ziegelhof in der Fragestunde gleich zweimal thematisiert; dabei wollte ein Parlamentarier wissen, ob das Gerücht stimme, dass Coop als Hauptmieter im geplanten Einkaufscenter abspringe.

Stadtpräsident Lukas Ott entgegnete, dass auch der Stadtrat solche Gerüchte wahrgenommen und letzten April mit Coop den Kontakt gesucht habe. Dabei habe Coop sein langfristiges Interesse am Ziegelhof «sehr glaubhaft» versichert. Das laufende Rechtsmittelverfahren habe keinen Einfluss darauf. Laut Ott ist vereinbart worden, dass Stadtrat und Coop in Kontakt bleiben und dass Letzterer eine allfällige Neubeurteilung mitteilt.

Bei Coop, obwohl ziemlich zugeknöpft, tönt es mittlerweile allerdings etwas anders. So sagt Claudia Burch von der Abteilung PR/Sponsoring Nordwestschweiz-Zentralschweiz-Zürich auf die Frage, ob sich Coop in Anbetracht der Verzögerungen beim Bau des Ziegelhof-Centers nach Alternativen im Raum Liestal umsehe: «Wir prüfen alle interessanten Standorte.» Dabei sei auch ein Um- respektive Ausbau am bisherigen Standort an der Rathausstrasse eine Option.

«Gebe Grundstück nicht mehr her»

Auch nicht eben vertrauensstützend wirkt ein weiteres, in Liestal zirkulierendes Gerücht: Der Investor, die Firma Bovida aus Baar, wolle das Ziegelhof-Projekt verkaufen. Aber daran ist offenbar nichts. Denn Abraham Budak, bei den diversen Bovida-Derivaten (Bovida AG, Bovida Holding AG, Bovida Invest Two AG, Bovida Investment AG, Bovida Invest AG) Verwaltungsratspräsident oder alleiniger Verwaltungsrat, sagt: «Partner von mir wollten das Projekt verkaufen, doch sie sind inzwischen aus der Bovida Invest AG ausgeschieden. Ich selber glaube an das Projekt und will es durchziehen.» Im schlimmsten Fall auch ohne Coop, wie er auf Nachfrage ergänzt. Momentan sei er mit einem Architekturbüro an der Vorbereitung der Baueingabe. Er würde das Baugesuch gerne noch in diesem Jahr einreichen.

Budak hat nach eigenen Angaben der Grundeigentümerin, der Firma Ziag mit dem Basler alt Regierungsrat Christoph Stutz an der Spitze, eine grössere Anzahlung geleistet und sich so das Kaufrecht gesichert. Budak: «Dieses Grundstück gebe ich nach so langer Vorarbeit nicht mehr her. Ich arbeite jetzt seit sechs Jahren am Ziegelhof-Projekt.» Zu den voraussichtlichen Baukosten sagt Budak derzeit nur so viel: «Sie bewegen sich im mittleren zweistelligen Millionenbereich.»

Nicht äussern will er sich zu Vorbehalten aus der Baubranche, dass die Wirtschaftlichkeit des Projekts auf tönernen Füssen stehe, weil das Verhältnis von drei Unter- zu zwei Obergeschossen alles andere als ideal sei. Budak: «Es ist klar, dass der Bau nicht einfach wird. Aber es wird so viel gemunkelt.» Die Kostenberechnungen für das Quartierplan-Projekt lägen vor und seien nicht übermässig. Die definitiven Kosten könnten erst nach Vorliegen des Bauprojekts beziffert werden.

Urteil noch in diesem Jahr

Aber so lange das Quartierplanverfahren nicht abgeschlossen ist, gibt es kein Bauprojekt. Und derzeit liegt der Ball beim Kantonsgericht. Dort haben Ziegelhof-Anwohner Klage gegen den Kanton und die Stadt Liestal eingereicht, die Interessen des Bundesinventars der schützenswerten Ortsbilder von nationaler Bedeutung (ISOS) nicht berücksichtigt zu haben. Beim Kantonsgericht heisst es, dass der Schriftenwechsel voraussichtlich bis Ende September laufe und noch in diesem Jahr mit einem Urteil gerechnet werden könne. Das besänftigt Budak aber wenig: «Es sollte nicht möglich sein, dass nach positiven Entscheiden von drei Kommissionen, einem Amt, drei politischen Behörden und sogar einer Volksabstimmung ein Prozess geführt werden kann, bei dem es um die Abwägung der verschiedenen öffentlichen Interessen geht.» Für ihn ist klar: «Das öffentliche Interesse definiert das Volk und nicht private Einsprecher oder ein Gericht.»