Frau Müller-Kaderli, mit dem Stimmverhalten im Landrat brüskiert die CVP doch ihre bürgerlichen Partner.

Brigitte Müller-Kaderli: Nein, es zeigt mir vor allem, dass wir eine typische Mittepartei sind. Wir entscheiden eigenständig. Wir sind nicht nur bürgerlich, sondern eben sozial-bürgerlich. Bei der Abstimmung etwa, ob Sekklassen besser aufgefüllt werden sollen, griffen uns SVP und FDP stark an, dabei ging es da um Bildungsabbau in reinster Form. So asozial sind wir nicht.

Überhaupt stört mich, wenn unser Stimmverhalten immer nur mit SP und Grünen oder SVP und FDP verglichen wird. Hätten wir 20 statt 8 Landratssitze, würden wir wohl als eigenständige Kraft angesehen.

Mit Verlaub, es geht um die Realität und nicht um einen Wunschtraum ...

Das stimmt natürlich. Aber ich sage meinen Parteikollegen immer, sie sollten aufhören, so klein zu denken und selbstbewusster werden.

Was bedeutet das für die Wahlen?

Mein Ziel im Landrat sind 2019 eindeutig Sitzgewinne. Zumindest ein bis zwei sind realistisch. Dann sind wir wieder eine starke Mitte. Die ewigen Grabenkämpfe zwischen Links und Rechts sind doch kein Zustand.

Und doch braucht die CVP Partner, alle zwei Wochen im Landrat wie auch bei den vier Gesamterneuerungswahlen in einem Jahr.

Und deshalb stecke ich ja mit SVP und FDP in Koalitionsverhandlungen. Dabei ist es okay, wenn mit harten Bandagen gekämpft wird, aber die Eigenständigkeit der Partner muss akzeptiert werden. Ich gehöre weder zur SVP noch zur FDP. Das habe ich Oskar Kämpfer und Paul Hofer auch schon deutlich gesagt. Nicht in Ordnung ist, wenn sie versuchen, die CVP unter Druck zu setzen.

Genau das tut Oskar Kämpfer aber, indem er sagt, die SVP werde vielleicht CVP-Regierungsrat Anton Lauber nicht unterstützen, sollte die Landratsfraktion weiter oft links stimmen.

Bei unserem letzten Gespräch kamen auch so Parolen. Aber solche Drohungen sind bloss pure Ablenkung von den eigenen Problemen.

Inwiefern?

Das werden Sie von mir eben gerade nicht hören.

Kämpfer kritisiert die CVP-Landräte auch dafür, teils gegen Geschäfte von Lauber zu stimmen.

Diese Aussage ist erschütternd. Lauber gehört zur ausführenden Gewalt, der Landrat zur gesetzgebenden. Das Parlament ist unabhängig. Es beängstigt mich, dass Kämpfer nur machtpolitisch denkt.

Braucht denn Lauber überhaupt SVP und FDP, um gewählt zu werden?

Eines ist klar: Kein Baselbieter Regierungsrat steht besser da als er. Trotzdem wäre eine bürgerliche Allianz toll.

SVP und FDP wollen aber je zwei Regierungssitze. Stützen Sie das?

Nein, denn für mich ist klar, dass die SP auch in die Regierung zurückmuss. Genau deshalb braucht es Verhandlungen.