Ein Raunen ging durch die Medien, als Daimler-Konzernchef Dieter Zetsche am Dienstag das Auto der Zukunft vorstellte. Fahrzeuge wie der Mercedes-Prototyp F 015 sollen bereits ab 2020 selbstständig durch den Verkehr kurven.

Lenker und Insassen müssen dann nicht einmal mehr auf die Strasse schauen, sondern können während der Fahrt einen Jass klopfen.

Die vollelektronische Steuerung bringt sie sicher ans Ziel. Besucher der Technikmesse CES in Las Vegas zeigten sich vom neuen Konzeptauto begeistert.

Mit Verlaub: Das ist beinahe so, als ob Computer-Guru Steve Jobs an seiner letzten Apple-Convention einen neuen Mac angekündigt hätte, der an Flachbildschirm und Laserdrucker angeschlossen werden kann.

Seit rund 130 Jahren gibt es Autos, und noch immer fahren sie mit vier Rädern und einem Verbrennungsmotor herum, der lärmt und giftige Abgase produziert. Noch immer gibt es eine Delle, wenn man beim Rückwärtsparkieren nicht aufpasst. Und noch immer stirbt man, wenn man als Fussgänger oder Velofahrer von einem Auto überfahren wird.

Wenn es um technologischen Fortschritt geht, dann hat sich das Auto seit Anbeginn seiner Existenz so wenig weiterentwickelt wie ein Kartoffelschäler. Hätten Autos und Lastwagen seit 1886 eine vergleichbare Entwicklung wie die Supraleiter-Technologie durchgemacht, so stellte ein Zukunftsforscher bereits vor Jahren fest, müssten diese längst schon vollautomatisch gesteuert, absolut unfallsicher, treibstoff-, lärm- und abgasfrei sein.

Türe offen halten

Doch, den Erdöl-Multis sei Dank, das Auto ist nun mal so, und zudem das bequemste und oft schnellste Verkehrsmittel; also so unentbehrlich wie Lastwagen für den Transport. Demnach müssen andere diesen – gewiss nicht zufälligen – Entwicklungsstau ausbaden.

Zum Beispiel die öffentliche Hand, die mit immer aufwendigeren Strassenbauprojekten der Blechlawine Herr zu werden versucht. So kommt es, dass in der Schweiz für weit über 1 Milliarde Franken Lärmschutzwände installiert werden, obschon die Technologien für einen praktisch geräuschlosen Strassenverkehr schon existieren. Im Gegenzug gerät jede Strassenbauvorlage zum endlosen politischen Spiessrutenlauf, da das Auto wegen all seiner noch nicht behobenen Unzulänglichkeiten das ökologische Feindbild Nummer eins darstellt.

Eigentlich hat die Baselbieter Regierung genau das gemacht, wozu sie gewählt wurde, als sie vor einem Jahr die Idee der Südumfahrung aus der Versenkung holte: Sie wollte die Türe für künftige Entwicklungen offen halten.

Es besteht kaum ein Zweifel, dass die Region Basel zur Jahrhundertmitte den Autoverkehr nur noch mit dem Modell einer Ringautobahn wird bewältigen können, sollte dieser wie bisher anwachsen. Hierfür wäre die Querverbindung von Binningen nach Aesch ein unverzichtbares Teilstück.

Wenn jetzt aus abstimmungstaktischen Gründen die im Leimental verhasste Südumfahrung zugunsten der ebenso unverzichtbaren Umfahrung Allschwil zurückgestellt wird, sollten die Gegner nicht zu früh jubeln: Irgendwann taucht das Projekt bestimmt wieder auf.

Für diesen Fall hat IG-Südumfahrung-Präsidentin Elisabeth Schneider zwar angekündigt, dass die Gegner das Vorhaben auch noch fünf weitere Male bodigen werden, sollte es so weit kommen. Was die Nationalrätin dabei zu erwähnen vergass: Wirklich nötig wird das nur sein, wenn Autos und Lastwagen 2050 noch immer lärmen, stinken und Benzin saufen – und meinetwegen auch vollautomatisch fahren.