Was für ein Kontrast im «Leuen»-Saal zu Waldenburg: An einer Podiumsdiskussion zur Zukunft der Waldenburgerbahn (WB) vor einem halben Jahr standen die Freunde der Dampfbahn noch selbstbewusst in der Offensive. Am Freitag herrschte an der vierten und wahrscheinlich zweitletzten Generalversammlung des Vereins Dampfzug Waldenburgerbahn grosse Resignation.

Zwischen dem Rock’n’Roll vom Herbst und dem Blues von jetzt im «Leuen» standen zwei Ereignisse: Mitte Dezember sprach sich der Landrat für die Verbreiterung der WB auf Meter-Spur aus; und Mitte März liess die BLT, die die WB übernimmt, die Dampffreunde wissen, dass sie keinen Auftrag habe, einen Dampfzug zu betreiben.

Die Konsequenz: Die Dampffreunde müssten eine eigene Betriebsorganisation gründen und mehrere Millionen Franken für Umspurung und Renovation von Lokomotive und Wagen und für ein eigenes Depot in die Hand nehmen. Ohne Grosssponsor ist das eine Illusion.

Präsident Kurt Grieder skizzierte drei Zukunftsszenarien: «Die Flinte ins Korn werfen»; den Dampfzug bis 2022, wenn die Spur erweitert wird, fahren lassen, was für die «maroden» Personenwagen Sanierungskosten von etwa 1,5 Millionen Franken brächte; oder den historischen Dampfzug als Ganzes (oder nur die Lokomotive Gedeon Thommen) «als Museumsobjekt erhalten». Grieder plädierte für Letzteres: «Wir wollen diese Idee weiterverfolgen. So können wir die Bahn für die Nachwelt erhalten.»

Doch dazu brauche es vorerst den Verein im Rücken. Damit stiess Grieder bei den 29 Versammlungsteilnehmern – der Verein hat 145 Mitglieder – auf vorbehaltlose Unterstützung. Sie zogen ein Begräbnis in Ehren einem Schnellschuss vor und schoben die Vereinsauflösung auf später hinaus.

Grieder fragte auch nach den Verantwortlichen für das Schlamassel und meinte: «An unserem Engagement lag es nicht. Wir haben grosse Anstrengungen unternommen, konnten aber immer nur reagieren auf immer neue Forderungen. Der Landrat aber hat im Dezember den Vogel abgeschossen: Nach einer Sparübungsdebatte hat er sich locker vom Hocker für die teurere Meter-Spur entschieden.» Ihm, so Grieder weiter, gehe es auch sehr nahe, dass der Bund «fast jeden Maushaufen schützt», aber nichts ans Kulturgut Dampfbahn bezahlen wolle.

Alternativen waren chancenlos

Ihre Enttäuschung über das Ende des Dampfzugs drückten auch die Waldenburger Gemeindepräsidentin und FDP-Landrätin Andrea Kaufmann sowie diverse Vereinsmitglieder aus.

Zwar leuchteten im Publikum immer wieder Hoffnungsschimmer auf, in Form von Vorschlägen etwa für die Lancierung einer Kulturgüterschutz-Initiative oder eines Referendums gegen den kommenden Kreditbeschluss für die neue WB.

Doch es obsiegte die Einsicht, dass das chancenlos sei. Bleibt Kurt Grieder noch eine Hoffnung: Dass die vorerst letzte Fahrt mit dem Dampfzug am 8. November 2014 nicht endgültig die letzte war, sondern es noch zu einer würdigen Abschlussfahrt kommt.