Den Plakatwettbewerb im Liestaler Stadtratswahlkampf haben die Links-Grünen klar für sich entschieden: Lukas Ott (Grüne), Franz Kaufmann und Regula Nebiker (beide SP) treten nicht nur geeint, sondern auch mit einer eingängigen und unmissverständlichen Botschaft auf: «Wir machen gerne weiter».

Die Bürgerlichen andererseits kommen als Einzelkämpfer daher: hier Daniel Spinnler (FDP) mit einem immerhin repräsentablen Plakatauftritt, dort Beat Gränicher (SVP) mit einem Kleinformat, das in der allgemeinen Plakatflut untergeht. Auch der Sechste im Rennen, Daniel Muri, tritt alleine auf, was aber bei einem Parteilosen nicht erstaunt. Und ebenfalls nicht erstaunt, dass der malende Kabarettist mit dem Slogan «Bisher und gerne wieder» für seine Kandidatur die passenden Worte gefunden hat.

Doch die Plakatauftritte sind im Rennen um die fünf Sitze nur ein Nebenaspekt, im Zentrum stehen Leistungen und Fähigkeiten. Und da wird es schwieriger mit der Beurteilung, wobei man bei Dreien ungeniert ein gut bis sehr gut ins «Zeugnis» setzen darf.

Ott gibt Liestal ein Gesicht

Lukas Ott (49) ist seit der Übernahme des Stadtpräsidiums im Sommer 2012 in der Aussenwahrnehmung richtiggehend aufgeblüht. Dabei hat sich der Soziologe und im Umgang mit grossen Playern wie der SBB nicht nur als geschickter Stratege erwiesen, sondern sich auch zu einem der tonangebenden Wortführer im Kampf der gebeutelten Gemeinden gegen den zentralistischen Kanton emporgeschwungen. Und er hat sich in seiner neuen Rolle frühere, politisch radikale Züge abgeschminkt und ist – auch im bürgerlich dominierten Einwohnerrat – zum allseits geachteten Pragmatiker geworden. Kurz und gut: Ott gibt Liestal ein profiliertes Gesicht nach aussen und innen.

Ebenfalls eine sehr gute Figur machte Franz Kaufmann (60) als Stadtrat, und das bereits in seiner ersten Legislatur. Der Winzer, Stadtführer und Ur-Liestaler, der zusammen mit Muri auch das stadträtliche Bindeglied zur eher traditionell, fasnächtlich und banntäglich orientierten Bevölkerung ist, hat sich als Chrampfer hervorgetan. So gleiste er als Bildungsverantwortlicher zuerst den Brocken
Sanierung Frenke-Primarschulhaus auf, dann brachte er als Bauchef Ordnung ins von seinem Vorgänger ziemlich zerrüttet zurückgelassene Stadtbauamt. Und das neben dem Courant normal wie Bahnhof-Planung oder Aufgleisung der heiklen Rathausstrassen-Sanierung. Auch aufgefallen beim ausgebildeten Architekten: Franz Kaufmann tritt stets sehr dossierfest auf.

Weiterwachsen können Ott und Kaufmann, wenn sie in der Stadtregierung einen Sparringpartner haben, der fähig ist, andere Sichtweisen auf Augenhöhe einzubringen. Und dafür garantiert der Neue Daniel Spinnler (39), wenn man seine Auftritte im Einwohnerrat, insbesondere als Präsident der Finanzkommission, als Referenz nimmt: fundiert, intelligent, rhetorisch beschlagen, aber auch humorvoll und ab und zu mit einer gesunden Portion Provokation. Den Freisinnigen ist mit der Nomination des in Liestal ebenfalls bestens verankerten Wirtschaftswissenschafters für einmal ein Glücksgriff gelungen. Und man darf risikolos darauf wetten, dass Spinnler zusammen mit Kaufmann und Ott mit einem guten Resultat in den Stadtrat gewählt wird.

SVP und FDP nicht gemeinsam

Und die andern drei? Regula Nebiker (58) konnte sich in den etwas mehr als drei Jahren als Stadträtin mangels grossen Geschäften in ihrem Bereich Betriebe nie richtig profilieren. Die nach aussen wahrnehmbarste Leistung war, dass sie zusammen mit der Verwaltung Ordnung ins chaotische Rechnungswesen beim Wasser brachte. Die Staatsarchivarin verglich ihre Rolle im Gesamtgremium kürzlich mit einem Haushalt, bei dem alle die grossen Würfe mittragen, aber nicht gleich in Erscheinung treten würden.

Auch nicht gross als Stadtrat aufgefallen ist bis jetzt Daniel Muri (54). Bei ihm hat das aber vor allem mit der kurzen Amtszeit – er sitzt erst seit letztem April in der Exekutive – und mit Kaufmanns Vorarbeit in der Bildung zu tun: Muri konnte sich weitgehend ins gemachte Nest setzen. Bezüglich Wahlresultat ist Muri die grosse Unbekannte: Er könnte mit Glanz und Gloria reüssieren, weil ihn Linke und Rechte auf den Wahlzettel nehmen, weil sie ihn der Gegenseite vorziehen. Er könnte gerade so gut durchfallen, weil ihn beide Seiten schmähen, um die Chancen der eigenen Kandidaten zu erhöhen.

Bleibt Beat Gränicher (62), ein SVPler der Vor-Blocher-Zeit: jovial, kompromissbereit, leutselig und durch und durch bürgerlich. So hat er in den letzten Jahren auch seine Fraktion im Einwohnerrat geführt. Doch der pensionierte Coop-Filialleiter ist kaum wahrnehmbar im Wahlkampf, das kleine Plakat spricht Bände. Will er, der angetreten ist, weil andere in der Partei abgesagt haben, tatsächlich Stadtrat werden? «Selbstverständlich will ich», antwortet Gränicher. Und er sei in Liestal auch mit Standaktionen präsent. Gleichzeitig ist Gränicher überzeugt, dass der Wahlerfolg nicht von der Plakatgrösse abhängt. Aber einen gemeinsamen bürgerlichen Auftritt hätte die SVP befürwortet, «doch die FDP wollte nicht unbedingt», so Gränicher.

Daniel Spinnler macht dafür terminliche Gründe geltend. Die SVP habe ihren Stadtratskandidaten einiges nach der FDP nominiert und einen gemeinsamen Plakatauftritt hätte seine Partei dann wieder von der Basis absegnen lassen müssen. Spinnler: «Beat Gränicher ist nicht mein Gegner. Ich freue mich, wenn wir beide gewählt werden.» Dies würde auch die politische Situation in Liestal besser abbilden.