Daniela Schneeberger, wie ist das Gewerbe in Sissach aufgestellt?

Daniela Schneeberger: Im Grossen und Ganzen gut – eine gute Mischung aus Detailhandel und Gewerbebetrieben. Vielleicht könnte die eine oder andere Branche noch stärker vertreten sein. Probleme in der Nachfolgeregelung von einzelnen Inhabern haben dazu geführt, dass einzelne Sparten fast verschwunden oder gar nicht mehr vorhanden sind. Zum Beispiel in der Sparte Bekleidung/Mode wäre ein besserer Mix wünschbar, vor allem im preislich höheren Segment, wie wir das früher gehabt hatten.

Sie reden von einzelnen Branchen, die kaum oder gar nicht mehr vorhanden sind. Gibts noch andere Problemzonen?

Mir sind momentan keine grösseren Probleme bekannt, ausser die Diskussionen um die Parkplätze in der Begegnungszone. Für uns ist klar: Das Gewerbe braucht diese. Und wenn es sie nicht mehr gibt, hätte das fatale Auswirkungen auf diese Gewerbetreibende und die Läden.

Wie bringt sich der Gewerbeverein Sissach, die Gesi, in diese Diskussion ein?

Wir haben Mitglieder, die der entsprechenden Begleitkommission der Gemeinde angehören. Dort sind die Parkplätze immer wieder ein Thema. Unsere Mitglieder vertreten in dieser Kommission selbstverständlich unseren Standpunkt.

Eine Kontroverse: Einerseits die Leute, die gerne möglichst keine Autos in der Begegnungszone sehen wollen. Andrerseits diejenigen, welche das Einkaufszentrum auch mit dem Auto erreichen möchten.

Das ist so. Wir mussten aber auch feststellen, dass viele Parkplätze durch Geschäftsinhaber oder deren Angestellte selber besetzt und nicht für Kunden frei sind. Dies ist das Resultat eines schriftlichen Aufrufs an die Gewerbetreibenden sowie an unserer Generalversammlung von letzter Woche an unsere Mitglieder, die ihr Domizil in der Begegnungszone haben. Es ist wichtig, dass diese Firmen und Läden die Parkplätze für ihre Kunden zur Verfügung stellen.

Wie steht es um den Zusammenhalt unter den Mitgliedern in Ihrem Gewerbeverein?

Ich habe einen guten Eindruck. Dies hat sich auch an der erwähnten GV gezeigt; viele Mitglieder blieben nach dem geschäftlichen Teil noch lange am Apéro und diskutierten angeregt miteinander. Da werden stets neue Kontakte geknüpft und Erfahrungen ausgetauscht.

Prallen unter Ihren Mitgliedern hin und wieder Interessen aufeinander?

Höchstens marginal. Spannungen oder gar Gräben stelle ich nicht fest.

Die nächste grosse Herausforderung für Gesi folgt in gut einem Jahr. Anfang Juni 2015 findet die zweite «Mega», die Gewerbeausstellung, statt. Wird sie wieder in der Begegnungszone sein?

Genau. An der letzten «Mega» vor vier Jahren ging ich auf jeden Aussteller zu. Ich fragte sie nach ihrem Befinden und was sie vom Konzept hielten. Alle waren begeistert. Vereinzelt kritisierten die Aussteller die Höhe der Standmieten, aber das gibt es hin und wieder. Zurück in eine Halle können wir mit unserer «Mega» nicht mehr.

Weshalb?

Auf vielseitigen Wunsch der Aussteller. Diese schätzten bei der letzten «Mega» sehr, dass die Besucherinnen und Besucher gut zirkulieren konnten. Die Kommunikation zwischen ihnen und den Kunden gefiel ihnen besser. Das Gelände ist offener, freier, man ist in der frischen Luft. Das Gedränge ist wesentlich geringer als in einer Halle.

Im Freien ist man aber vom Wetter abhängig.

Das stimmt. Letztes Mal hatten wir Glück, dass das Wetter so gut mitspielte. Wir bauen wieder Zelte auf. Wir müssen das Wetter eben nehmen wie es kommt und das Beste daraus machen.

2010 haben Sie mit dieser Art von Gewerbeausstellung Erfahrungen gesammelt. Welche Korrekturen nehmen Sie vor?

Unmittelbar nach der letzten «Mega» erfolgte eine Manöverkritik. Wir kamen zum Schluss, dass der Unterhaltungsteil überdimensioniert war. Diesen Teil werden wir nächstes Jahr sicher bescheidener halten. Zudem wollen wir die Aussteller dazu animieren, im Dorfzentrum sogenannte Themenblöcke zu gestalten, zum Beispiel ein Schreiner mit einem Zimmermann und Spengler oder eine Autogarage und einer Versicherung.

Wie steht es um den Aufwand der Aussteller?

Der ist sicher grösser als in einer Halle. Primär ist es eine Leistungsschau, bei der man sich präsentieren kann und zeigen, was man herstellt oder anbietet. Neue Aufträge an Land zu ziehen ist sekundär. Wichtig für die Aussteller ist, dass sie Kontakte herstellen können. Der Aufmarsch an der «Mega» 2010 war enorm gross, es kamen auch viele Leute aus dem Unterbaselbiet. So können unsere Aussteller ihren Bekanntheitsgrad steigern. Mit den angesprochenen Themenblöcken können sie die Kosten teilen, sodass sich der Aufwand in Grenzen hält.

Kooperieren Sie mit benachbarten Gewerbevereinen?

Seit ein paar Jahren treffen sich die Präsidenten der Gewerbevereine des oberen Baselbiets jährlich zu einem Erfahrungsaustausch. Da werden auch Termine aufeinander abgestimmt. Diese Treffen sind inzwischen institutionalisiert.