Zweimal leer schlucken musste die Baselbieter CVP-Präsidentin Brigitte Müller-Kaderli, als sie am Freitag den bz-Gastkommentar der Baselbieter FDP-Nationalrätin Daniela Schneeberger zu den bevorstehenden Bundesratswahlen gelesen hatte. Statt eines Hohelieds auf CVP-Kandidatin Elisabeth Schneider-Schneiter und des Statements, wie wichtig eine Vertretung der Region in der Landesregierung wäre, schreibt Schneeberger: «Geschlecht und Herkunftskanton sollten nicht die entscheidenden Kriterien sein.» Selbst die Basler SP-Regierungsrätin Eva Herzog findet lobende Worte für die Kandidatur von Schneider-Schneiter.

Ganz anders die bürgerliche Ratskollegin aus dem Baselbiet. Zwar hat die Thürner FDP-Nationalrätin bereits kurz nach der Nomination Schneiders gegenüber der «Basler Zeitung» gesagt: Es sei begrüssenswert, dass eine Bundesratskandidatin aus der Region stammt. «Doch man sollte nicht euphorisch werden. Die regionale Herkunft ist nur eines von vielen Kriterien». Dass Schneeberger nun aber von sich aus der bz einen Gastbeitrag anbietet und darin ziemlich das Gegenteil einer Wahlempfehlung für Schneider-Schneiter formuliert, ohne sie aber namentlich zu nennen, das sorgt bei der CVP reihum für Erstaunen bis Empörung.

Neid und Missgunst

Am vehementesten äussert sich Parteichefin Müller: «Elisabeth Schneider wagt es, ins Rennen zu steigen. Eine Daniela Schneeberger hätte das auch wagen können, doch sie hatte offensichtlich den Mut nicht.» Es zeuge von Neid und Missgunst, wenn Bürgerliche weiter behaupten würden, Schneider-Schneiter stehe politisch zu links. «Sie hat das wirtschaftsliberalste Profil aller CVP-Bundesratskandidaten», betont Müller und verweist auf die Analyse der Kandidierenden in der bz. Schon am Freitag ärgerte sich Müller auf dem Kurznachrichtendienst Twitter. Die trockene Antwort der FDP: «Iss ein Snickers, Brigitte. Immer wenn Du hungrig bist, wirst Du zur Diva.»

Damit ist die Sache aber längst nicht erledigt. Dass Müller-Kaderli derart geharnischt reagiert, kommt nicht von ungefähr: Sie steht für einen prononcierten Mitte-Kurs der Baselbieter CVP und hat sich in den vergangenen Monaten vor allem von der SVP, teilweise aber auch von der FDP distanziert. Kritik an Schneebergers Gastkommentar äussern aber auch Christdemokraten, die für eine starke bürgerliche Zusammenarbeit mit FDP und SVP einstehen. «Völlig deplatziert» sei der Gastkommentar Schneebergers, findet der Oberwiler CVP-Landrat Pascal Ryf. Es sei unglaublich, dass wir es in der Region Basel nicht schaffen, gemeinsam eine Bundesratskandidatin zu portieren.

Inhaltlich stört sich Ryf an der Aussage Schneebergers, der Herkunftskanton eines Bundesratskandidierenden sei kein entscheidendes Kriterium. «Natürlich spielt die Region eine Rolle, gerade weil wir in Bern immer wieder zu kurz kommen.» Auch CVP-Fraktionschef Felix Keller schüttelt den Kopf: «Ich erwarte eigentlich von unseren Bundesparlamentariern, dass sie sich gegenseitig den Rücken stärken.» Parteichefin Brigitte Müller fügt mit Blick auf die anstehenden kantonalen und eidgenössischen Wahlen im Baselbiet an, der Kommentar zeuge nicht von einer bürgerlichen Strategie. Die FDP habe der CVP mehrfach vorgeworfen, keine zuverlässige Partnerin zu sein. Das Gegenteil sei der Fall.

CVP droht mit Retourkutsche

Der Gastkommentar könnte für Schneeberger zum Bumerang werden. Wie diese Zeitung Anfang Oktober publik gemacht hat, will die Nationalrätin bei den Wahlen im Herbst 2019 in den Ständerat gewählt werden. Die Konkurrenz um den Baselbieter Sitz im «Stöckli» ist aber gross. Auch die Grüne Maya Graf und Sozialdemokrat Eric Nussbaumer haben ihr Interesse angemeldet. Das Ziel, mit Schneeberger den Sitz zurück zu den Bürgerlichen zu holen, wird wohl nur mit einem Schulterschluss von SVP, FDP und CVP erreicht. In informellen Gesprächen hat die CVP Schneeberger die Unterstützung für ihre Ständeratskandidatur bereits zugesichert.

Umso erstaunter hat Elisabeth Schneider-Schneiter den Gastkommentar zur Kenntnis genommen. Parteichefin Müller stellt denn auch klar, dass die Unterstützung der CVP für die Stöckli-Kandidatur Schneebergers «nicht in Stein gemeisselt» sei. Nur weil FDP und SVP wählerstärker seien, heisse das noch lange nicht, dass sie der CVP «jeden Kandidaten aufs Auge drücken können», fügt Müller an. Mit anderen Worten: Eine Retourkutsche der CVP ist nicht auszuschliessen; dann hätte sich Schneeberger mit ihrem Gastbeitrag wohl einen Bärendienst erwiesen.