Geschichte wiederholt sich nicht.

Rückblende: Wir schreiben den 24. August 2013. Giovanni Sio bestreitet sein erstes Super-League-Spiel für den FC Basel – und fährt so weiter, wie er drei Tage zuvor im Champions-League-Qualispiel gegen Ludogorez Rasgrad seine Zeit bei Rot-Blau begonnen hat: Sio trifft. Damals reicht das Tor des Ivorers nicht zum Sieg, weil Dimitar Rangelov in der 93. Minute doch noch den Ausgleich für die Innerschweizer erzielt.

Am Sonntag, sieben Monate später, spielt sich in Luzern Ähnliches ab: Sio trifft. Nach 51 Minuten köpfelt er die Basler von der Strafraumgrenze aus in Führung. In der Folge drückt Luzern auf den Ausgleich, scheitert aber am eigenen Unvermögen und vor allem am mehrfach glänzend reagierenden Yann Sommer.

In der Nachspielzeit wirft der FCL alles nach vorne, in der Hoffnung, wie am 24. August den Ball irgendwie noch über die Linie zu würgen. Dass es anders kommt, dafür sorgt Giovanni Sio: Er entwischt nach 91 Minuten den aufgerückten Abwehrspielern und lupft den Ball cool an Zibung vorbei zum 2:0-Endstand ins Tor.

Blicken wir noch einmal zurück, und zwar auf den vergangenen Mittwoch: Der FCB empfängt die Luzerner zum Cuphalbfinal. David Zibung erwischt einen Sahnetag. Dank seinen Reflexen kann der FCL lange auf den Überraschungssieg hoffen, bis in der 80. Minute auch er gegen den Abschluss von Davide Callà kein Mittel findet.

Am Sonntag, vier Tage später, muss auch Zibung erkennen: Geschichte wiederholt sich nicht. Der Goalie muss die Niederlage zu einem grossen Teil auf seine Kappe nehmen. Der Hergiswiler, seit zehn Jahren der treue und starke Rückhalt beim FCL, greift bei Sios Kopfball aus 16 Metern ins Leere. Sein Fehler bricht dem bis dahin munter aufspielenden Heimteam das Genick, wie Zibung nach dem Schlusspfiff eingestehen muss: «Den muss ich einfach halten. Es tut mir leid für die Mannschaft.»

Frei das jüngste Verletzungsopfer

Der FC Basel hatte im vergangenen Frühling ausser Raul Bobadilla keine verletzten Spieler zu beklagen. Die Möglichkeit, im engen Terminplan mit Super League und Europa League mit den Kräften der einzelnen Spieler haushälterisch umzugehen, erwies sich als grosses Plus im am Ende erfolgreichen Titelkampf gegen die Grasshoppers.

Das ist in diesem Jahr anders. Seit Beginn der Rückrunde fallen regelmässig Stammkräfte aus. Gegen Luzern waren es deren Sechs, die neusten Opfer der Verletzungshexe heissen Marco Streller und Fabian Frei. Was auffällt: Ausser Ivan Ivanov (Kreuzbandriss) fehlen alle wegen muskulärer Probleme. Bei Frei, der zuvor in allen 45 Spielen zum Einsatz kam, brachen sie am Samstag auf – ohne jede Vorankündigung. Der Oberschenkel zwickt, Freis Einsatz am Donnerstag gegen Valencia ist mehr als fraglich.

Was sind die Ursachen für das FCB-Lazarett? Liegt es an der hohen Belastung (der FCB kommt in dieser Saison erneut auf rund 60 Spiel)? Wird falsch trainiert? Oder ist es einfach nur Pech? Assistenztrainer Marco Walker ist für die Fitness der Spieler verantwortlich. Er sagt gegenüber dem «SonntagsBlick»: «Wir machen nicht viel anders als in den vergangenen Jahren. Darum hinterfragen wir uns jeden Tag.» Trainer Murat Yakin mag nicht jammern, er sagt: «Letztes Jahr mussten immer wieder Stammspieler auf die Tribüne. Jetzt brauchen wir jeden Spieler. Ich vertraue auf die Qualität der Mannschaft.»

Basel verfügt zweifellos über das qualitativ beste Kader der Liga. Für ein paar Spiele mögen die Ersatz- die Stammspieler nahtlos ersetzen. So wie am Sonntag Giovanni Sio Marco Streller. Die Fragen lauten: Wie verkraftet der FCB auf Dauer die Absenz seiner Teamstützen? Wie reagieren die gesunden Spieler darauf, dass sie anders als vor einem Jahr kaum mehr Pausen erhalten? Antworten liefert das letzte Viertel der Saison.