Die anstehende Übernahme Syngentas durch Chem China, einer Firma, hinter welcher der Chinesische Staat und damit die KP China steht, wirft vielerlei Fragen auf: zum Demokratie- und Menschenrechts-Verständnis der neuen Besitzer, zum Umgang mit der Umwelt oder welche Auswirkungen auf die hiesige Landwirtschaft allenfalls die künftige Entwicklung von Syngenta haben wird. Zum letzten Aspekt befragte die bz regionale Akteure.

Dabei steht Syngenta selbst in der Kritik, durch entwicklungspolitische Organisationen wegen des Herbizids Paraquat oder wegen der Ausrichtung auf industrielles Agrobusiness.

Entsprechend meint der Liesberger Biobauer und Präsident der nordwestschweizer Sektion der Bauerngewerkschaft Uniterre, Florian Buchwalder: «Bei Syngenta ist das Geschäftsmodell an sich nicht gut, also ist es nicht so wichtig, wem die Firma gehört.» Die Übernahme durch die Chinesen sei eben eine Folge der Globalisierung.

Ausverkauf wird bedauert

Auch zwischen Syngenta als Pestizid-Weltmarktführer einerseits und dem Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL) in Frick andererseits, das Methoden sucht, Pestizide zu vermeiden, bestehen Gegensätze: Das FiBL orientiert sich am Weltagrarbericht, der feststellt, dass vor allem Kleinbauern die Welt ernähren.

Syngenta hingegen hat sich davon distanziert. Die einen haben das Wohl der Bauernfamilien, der Konsumenten und der Umwelt im Auge, die anderen sind dem Gewinninteressen der Shareholder verpflichtet. Trotzdem stellt Lucius Tamm, Leiter der Nutzpflanzenforschung im FiBL fest: «Auf informeller Ebene kennt man sich und es gibt punktuelle Zusammenarbeit, etwa wenn die Syngenta-Lehrlinge im FiBL ihr Feldpraktikum absolvieren.»

So stellt er fest, dass Syngenta-Forscher neben der Nutzpflanze auch Nebenwirkungen berücksichtigen wollen und nicht nur die Umsatzsteigerung bei einem Pestizid, wie dies beispielsweise bei Monsanto zu beobachten ist.

Auch sei bei Syngentas ethischen Standards eine Verankerung in die Schweizer Kultur festzustellen: So habe Syngenta sich auch um Massnahmen zugunsten der Biodiversität bemüht. Deshalb bedauert Tamm den Ausverkauf.

Dass aber die Nordwestschweiz bei der Produktentwicklung durch die zunehmende Konzentration künftig zu kurz kommen könnte, wie die Anwiler Ökonomin Petra Huth in der bz befürchtete, sieht er nicht: «China hat ein grosses Potenzial, die Landwirtschaft zu modernisieren und ist an den Patenten und der Produktpipeline von Syngenta interessiert. Alle Klimazonen der Schweiz kommen in China vor, also wird weiter dazu geforscht.»

Auch wäre es kurzsichtig von neuen Besitzern , wenn sie die EU- und US-Märkte vernachlässigen würden. «Zudem entwickelt schon heute kein internationaler Konzern keine Produkte spezifisch für den kleinen Schweizer Markt.»

Konzentration nicht übertreiben

Bäuerliche Familienbetriebe beziehen ihre Inputs in der Regel von Konzernen und verkaufen ihre Produkte auch wieder an grosse Firmen. So ist ihre Marktmacht klein, die Verhandlungsposition schwach.

Darauf spielt Stefan Kälin, Präsident des Bauernverbands beider Basel an: «Konzentration ist schlecht, wenn am Schluss so wenige übrig bleiben, dass sie sich bei einem Nachtessen nur noch zublinzeln müssen, um Preisabsprachen zu treffen. Dann haben wir Bauern gar nichts mehr zu sagen»

Dies sei derzeit noch nicht der Fall, zwischen den Anbietern von Saatgut und Pestiziden finde ein Preiskampf statt. «Die Produzentenpreise für Agrarprodukte sind gefallen. Also investieren Landwirte weniger in die Mengenproduktion und gehen sparsamer mit Hilfsstoffen um.»

So sei mit sinkenden Preisen zu rechnen. Ob die Übernahme Syngentas durch Chem China darauf Einfluss haben werde, könne man noch nicht beurteilen.

Tamm möchte in dieser Hinsicht nicht von einer Konzentration sprechen, denn Chem China sei bisher nicht mit eigenen Agrar-Inputs auf dem Markt präsent gewesen. «Insofern wäre es ungünstiger gewesen, wenn Syngenta von Dow, BASF oder Monsanto übernommen worden wäre.»

Schweizer Bauern kaum betroffen

«Der chinesische Markt ist ein Hoffnungsträger für Syngenta», kommentiert Lukas Kilcher, Leiter des Landwirtschaftlichen Zentrums Ebenrain. In Europa und Lateinamerika würden die Konsumenten zunehmend skeptischer gegenüber Pestiziden.

Wirtschaftlich sei also die Verbindung mit China nicht zufällig. Rückwirkungen auf die Schweizer Landwirtschaft seien keine zu erwarten, da hier die Hilfsstoffe strengen Zulassungsverfahren unterliegen.

Privat hofft Kilcher, der auch schon an einem Projekt gearbeitet hat, an dem die Syngenta Stiftung für nachhaltige Landwirtschaft beteiligt war, dass die neuen Besitzer die bisherigen ethischen Standards nicht infrage stellen.