«Ich kann immer noch nicht fassen, dass man vor dem leeren Tor den Ball über die Latte knallt.» Nein, der Baselbieter SVP-Regierungsrat Thomas Weber kommentierte nicht das letzte FCB-Heimspiel, sondern das Nein des Basler Volks zur Fusion der Spitäler von Stadt und Land.

Pointierte Voten waren – leider – selten am Podium zu den Regierungswahlen, zu dem die bz gestern die sechs chancenreichen Regierungskandidierenden an die Muba geladen hatte.

Haften blieb etwa das Bekenntnis des Grünen Isaac Reber zur Sparpolitik der bürgerlich dominierten Regierung: «Der Staat hat viele Aufgaben, aber Schuldzinsen zu bezahlen, gehört für mich nicht dazu.» Das Prinzip der Nachhaltigkeit gelte für ihn auch im Umgang mit Geld, sagte Reber.

Oder der Konter von Finanzdirektor Anton Lauber (CVP) an die Adresse der SP. Im Baselbiet habe anders als behauptet kein Abbau stattgefunden: «Wir haben 300 Millionen Franken höhere Kosten als noch vor wenigen Jahren», sagte Lauber.

Oft zitierten vor allem die wieder antretenden Magistraten – neben den drei erwähnten Männern ist das Monica Gschwind (FDP) – aus dem Regierungsprogramm oder den Dossiers ihrer Direktionen. Von den neu antretenden Kandierenden Thomas de Courten (SVP) und Kathrin Schweizer (SP) konnte vor allem letztere beim Muba-Publikum punkten. Gut möglich, dass Schweizer als Muttenzerin in Basel gegenüber dem Oberbaselbieter de Courten von einem Heimvorteil profitieren konnte.

Die Veranstaltung blieb insgesamt eher zahm. Umso gelegener kamen die kurzen Zwischenfragen. Damit konnte der Moderator und stellvertretende bz-Chefredaktor Bojan Stula die Kandidierenden aus der Reserve locken. Die bz stellt zu ausgewählten Zwischenfragen jeweils die besten drei Antworten vor:

 

Klimastreiks sind...

Isaac Reber: «...ein Zeichen, dass wir das Thema zu lange auf die Seite geschoben haben.»

Thomas Weber: «...ein Zeichen, dass sich die junge Generation Sorgen macht, ein Zeichen aber auch, dass einige Junge für etwas instrumentalisiert werden, was sie gar nicht wollen.»

Anton Lauber: «...in Ordnung. Wichtig ist, dass auf die Streiks Taten folgen.»

 

Die Nachtflugsperre am Euro-Airport ab 23 Uhr…

Thomas de Courten: «…ist eine klare Einschränkung, die uns erhebliche Nachteile bringen wird.»

Anton Lauber: «…ist das richtige Instrument. Wir könnten noch eine strengere Nachtflugsperre analog zu Zürich vertragen, ohne dass die Wirtschaft zusammenbrechen würde.»

Kathrin Schweizer: «...schulden wir der Bevölkerung. Es ist nicht einsehbar, weshalb der Basler Flughafen nachts länger offen sein soll als jener in Zürich.»

 

Nach dem Nein zur Spitalfusion...

Monica Gschwind: «...müssen wir im Baselbiet unbedingt dafür sorgen, die Situation am Kantonsspital in Liestal in gute Bahnen zu lenken.»

Isaac Reber: «...müssen beide Basel über die Bücher. Nicht nur wir Baselbieter haben ein Problem, sondern auch Basel. Das Unispital ist schwindsüchtig und kann mit den heutigen Fallzahlen langfristig nicht überleben.»

Thomas Weber: «...muss Baselland genau gleich wie Basel-Stadt für sein öffentliches Spital eine Basis schaffen, damit Kosten und Erträge ins Gleichgewicht kommen. Beide Kantone sind da gleichermassen gefordert.»

 

Zur Förderung der Kultur macht Baselland...

Kathrin Schweizer: «…einiges, es braucht aber noch ein grösseres Engagement. Wir Baselbieter profitieren stark von den Zentrumsleistungen der Stadt in der Kultur.»

Thomas de Courten: «…schon ziemlich viel. Das Kulturschaffen ist vielfältig. Es stellt sich die Grundsatzfrage, in welchem Rahmen Kultur und Kunst staatlich gefördert werden sollen.»

Monica Gschwind: «…vieles. Unsere Kulturförderung besteht nicht nur aus dem Kulturvertrag mit Basel-Stadt. Augusta-Raurica ist eines der meistbesuchten Museen der Schweiz. Die Römerstadt wollen wir noch sichtbarer machen. Das gilt auch für andere tolle Institutionen wie das Museum Baselland oder das Kunsthaus Baselland.»

 

Die Schlussfrage an alle Kandidierenden: Was, wenn Sie am 31. März nicht in die Regierung gewählt werden?

Thomas Weber: «...dann ist das ein Schiedsrichterentscheid. Ich werde ich mich mit noch mehr Energie für das Eidgenössische Schwingfest 2022 einsetzen. Natürlich erfülle ich diese Aufgabe noch lieber als Regierungsrat.»

Anton Lauber: «...dann sollte ich wieder Arbeit finden. Ich würde gesellschaftlich und sozial aktiv bleiben.»

Monica Gschwind: «...dann wäre ich sehr enttäuscht, dass ich die Wähler nicht von meiner Arbeit überzeugen konnte.»

Kathrin Schweizer: «…dann wäre ich enttäuscht und würde mir das Leid tun für meine Unterstützer. Ich habe noch keinen Plan B, was ich tun würde.»

Isaac Reber: «…dann würde ich zuerst zwei Tage heulen. Ich habe am Amt Freude. Ich bin aber innovativ genug, um dann andere interessante Projekte zu finden und voranzutreiben.»

Thomas de Courten: «...dann darf ich Kathrin Schweizer gratulieren. Mein Plan B ist, auf Bundesebene weiter zu politisieren.»